Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 135
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zu versuchen. In Laienkleidung kehrie er
mit einem Exspektanzbrief auf die Ablei
Noth zurück. Allein Abt Johann ließ ihn
aufgreifen und ins Gefängnis legen, ans
dem ihn erst die eidliche Versicherung löste,
nie auf Noth einen Anspruch zu erheben?)
(Schluß folgt.)
Liir Geschichte der Studtpfurrei
Fchwkd. Gmünd.
Gmünder Stadtpfarrer.
(Schluß.)
40. (Schluß) Benedikt Theodor Storr wird
genannt: vir ^runckis Ztuturue, pulclrer
uspectu et uuctoritute Gravis. Gr unter-
handelte schon wegen der Gründurig eines
Kollegialstifts in der Stadlpsarrkirche,
wurde aber im schönsten Alter am 17. April
1736 vom Tod hinweggerafft. Er hat
einen Kelch in die alte S. Veilskapelle
gestiftet, der mit seinem Wappen, einem
verdorrten Baum (Storren), geziert und
mit einer Umschrift versehen sich heute in
der S. Johanuiskirche befindet. Die Um-
schrift lautet: dulicem duirc 3<ä Lucellum
3. Vitti pie le^uvit Ueneckictus Tdeo-
6orri8 3torr 3. 3. Td. 4). 4)ecuuu8 et
?ledunu3 Oumundiue uo 1736. 8cio
enim, 8i dommortui 8umu3 et donvi-
vemu3 2. Tim. 2, 11.
41. I o h a n u S e b a ft i a n Kolb
). 41. Die., Dekan und Stadtpfarrer,
ch 1753. Er stiftete zwei Gärten („Bleich-
gärten") zur Kirchenfabrik. Nach seinem
Tode ging das Dekanat, das 128 Jahre
bei der Stadtpfarrei gewesen war, an die
Landpfarrer über, zunächst an den Pfarrer
und Kamerer Anton Sckedel in Schech-
ingen, was die Stadtgeistlichkeit sehr ver-
schnupfte. Am 12. Jan. 1747 wurde das
sog. Messerschmidsche Haus gekauft, das
ehemals auf dem Platze stand, wo jetzt
die Gärten hinter dem Kapitelshaus und
den anstoßenden Kaplaneihäusern sind.
Es wurde der Priestersraternität zugeeig-
net. Unter ihm war Magister Franz
Baumhauer (Petriuer) hier Chorregent,
der erste Priester, der Chorregent war,
vorher waren es immer Laien.
III. Gmünder Stadtpfarrer am
K o l l e g i a t st i f t.
42. Im Jahre 1753 wurde Stadt-
Pfarrer Johann Joseph Doll, 3.3.

Tlleol. et 3. 3. dun. Lund, und am
6. Juni als solcher investiert. Er ist ge-
boren am 13. März 1695, war 27 Jahre
lang in Nechberghansen Pfarrer und sieben
Jahre Dekan des Kapitels Geislingen.
Im Jahre 1766 hat I. G. Strobl sein
Bild gemalt, das im Stadtpfarrhanse hängt.
Ein anderes ist in hiesigem Privatbesitz
(Frau Anna Doll). Das wichtigste Er-
eignis unter feiner Amtsführung ist die
Errichtung eines Kollegiatstists an der
hiesigen Stadtpfarrkirche.
Schon zur Zeit des Lorcher Patronats
soll dahier ein Kollegiatstift bestanden
haben. Wenn das wirklich der Fall war,
so wurde es schon bald in eine einfache
Priesterfraternität verwandelt, die jeden-
falls seit dem 14. Jahrhundert hier nach-
weisbar bestand. Aus dieser Fraternität,
über welche wir später nähere Aus-
führungen bringen werden, erwuchs das
neue Kollegiatstift. Wohl hatten schon
früher, wie bei Storr bemerkt wurde,
diesbezügliche Verhandlungen geschwebt,
aber eist der Uebergang des Dekanats an
den Landpfarrer Schedel in Schechingen
bot den äußeren Anlaß zum Fortschritt
oder der Wiederaufnahme der Verhand-
lungen.
Das genannte Faktum war der Stadt-
geistlichkeit wie auch dem Magistrat sehr
unangenehm. Beide Teile wandten sich
deswegen an den Bischof von Augsburg,
um die Errichtung eines Kollegiatstifteö
zu erreichen, welches sodann ganz vom
Landkapitel Gmünd losgetrennt werden
sollte. Gegen den Protest des Landdekans
und seines Kapitels entsprach der Bischof
dieser Bitte nach längeren und kostspieligen
Verhandlungen. Es mögen hier nur einige
Daten genannt sein:
1760 wnrde von Priesterschaft und
Magistrat eine Deputation nach Augsburg
gesandt; 1761 kam der geistliche Rat Herz
zur Untersuchung nach Gmünd; am
20. August 1761 kam der Bischof Joseph I.
von Augsburg selbst auf der Rückreise
vom Bad hieher und erklärte vivo voci3
oruculo die Pfarrkirche zur Stiftskirche,
den Stadtpfarrer zum Stiftsdekan und
die nenn Benefiziaten zu Canonici. Das
Protokoll über die Erhebung der Pfarr-
zur Stiftskirche ist datiert vom 31. Oktober
i 1761, die bischöfliche Bestätigung vom

-) D x. 283 ff.
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