Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 175
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mehr zu als bei dem hl. Sebald, welcher
im 8. oder im Anfänge des 9. Jahrhun-
derts von Dänemark oder Dacien in die
Gegend des heutigen Nürnberg kam und
daselbst predigte und wirkte. Manches,
was die Legende von ihm zu erzählen
weiß, ist wunderbar und wunderlich zu-
gleich und erinnert teilweise an die Legen-
den von anderen Heiligen, so das Ver-
lassen seiner Braut in der Hochzeitsnacht,
die Fahrt über das Wasser auf dem aus-
gebreiteten Mantel, das Brotwunder, das
er zu Gunsten von Wunibald und Willi-
bald wirkte, die Quelle, in welche sie den
trockenen Bissen tauchten, die in das Be-
lieben eines freigehenden Ochsengespannes
gestellte Wahl des Begräbnisortes u. s. w.
Das auffallendste Wunder, das S. Sebald
wirkte, sind die brennenden Eiszapfen.
Indessen haben wir uns hier mit seinen
Wundern nicht weiter zu beschäftigen,
unsere Aufgabe ist vielmehr die, sein
Patronat ins Auge zu fassen. Und da
liegt nun allerdings die Sache sehr ein-
fach. S. Sebalds Namen finden wir auf
der zweiten Glocke zu Leinzell (Hilf
hl. S. Zebaltis und hl. S. Zillaker
((Jmiacus) und hl. S. Voltgang 1492),
einen Sebaldnsaltar aber in der Heilig-
kreuzkirche zu Gmünd, wo es früher
eine eigene Sebaldnskapelle gab, welche
im Jahre 1834 abgebrochen wurde. Dieser
Sebaldnsaltar ist von dem verewigten
Stadtpfarrer Pfizer im „Archiv für christ-
liche Kunst", Jahrgang 1893, genau be-
schrieben worden, und wir wollen für
unsere Zwecke nur folgendes ans dem-
selben ausheben.
In der Nacht vom Karfreitag ans Kar-
samstag des Jahres 1497 stürzten ans
bis jetzt unerklärliche Weise die beiden
Türme der Heiligkrenzkirche ein. Kaum
halte der Patrizier Sebald Schreyer von
Nürnberg, dessen Gattin ans Gmünd
stammen soll, von diesem Unfall Kunde
erhalten, als er auch alsbald hilfreiche
Hand anbot, um das ihn, wohlbekannte
Gotteshaus vor weiterem Schaden zu
bewahren und ihm zur Herstellung seiner
ursprünglichen Schönheit zu verhelfen.
Aus seinen Namen und seine Kosten über-
nahm er die Herstellung und Erbauung
einer Kapelle an Stelle des eingestürzten
nördlichen Turmes und widmete dann

diese Kapelle dem hl. Sebaldns, dem
Patron seiner Person und seiner Vater-
stadt.
Abgebildet wird der Heilige in ritter-
licher Kleidung, seine Nürnberger Kirche
tragend, auch als Einsiedler oder Pilger
mit langem Stabe, neben sich die zwei
Ochsen, welche ihn zu Grabe geleiteten.
In Gmünd sieht man neben seinem Bilde
noch das dänische und fränkische Wappen.

Die Seierlichiwit, womit 1474 in
SeiDiuion der päpstliche Legat
empfangen wurde,
wird in einer Dillinger Handschrift 69 ans
dem 15.Jahrhundert anfdervorderenJnnen-
seite des Deckels mit großer Ausführlichkeit
beschrieben. Es war der Erzbischof und Kar-
dinal vom Titel San Marco Marc Barbo,
der am Augsburger Reichstag teilgenom-
men und die Beschlüsse über die Türken-
hilfe dnrchgesetzt hatte st und nun nach dem
Rheine zog, wo die Bnrgundische Kata-
strophe sich vor bereitete.2) Am 14. treffen
wir ihn noch in Augsburg, am 24. Juni
abends kam er in Geislingen an, um dort
zu übernachten. Das Kapitel der dortigen
! Kirche, an der Spitze ein cloctor e^re^ius,
und die Scholaren gingen ihm in Pro-
zession entgegen, aber nicht mit dem aller-
heiligsten Sakramente, wie dem Kaiser in
Ulm geschehen war, sondern nur mit den
Reliquien. Vor dem Thore hielt der
Doktor die Begrüßungsrede, der Legat
antwortete und ging mit der Prozession
zu Fuß zur Kirche, wo verschiedene Ver-
sikel und Gebete gesnngen wurden. Als
man zur Stadt einzog, stimmte der Chor
das Responsorium an Ilic est lwtrum
nmntor, dessen Text aus II. Machab. 15. 14
genommen ist und im Brevier in der ersten
Woche des Oktobers nach der ersten Lektion
gebetet oder gesnngen wird.
147z. -Xnno Uomim lrullesimo cqun-
6rin§entesimo septun§e8imo «quarto

9 Jaaffen, Frankfurts Reichskorrespondenz II
(Franks. 1866) 346 ff. Bachmann II, 472 f.
2) Am 18. Aug. traf er in Basel ein (Basler
Chroniken II (Leipzig 1880), 103), am 26. Okt.
kehrte er nach Rom zurück (Pastor, Gesch. der
Päpste II? (Freib. 1894s 246.
b) Das Jahr des Eintrages der Notiz in das
Buch.
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