Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 179
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buch vom Jahve 1556 als 50 Morgen
großer Bvlhnanger Gemeindewald beschrie-
ben, I erstreckte sich von der Thalsohle
der Gallenklinge ans an ihrer südlichen
Thalwand bis zu ihrer Anhöhe hinaus und
war, weil gemeinschaftliches Eigentum der
in Bothnang angesiedelten Sippen, ursprüng-
lich vielleicht ein ihnen heiliger Hain. Zwar
sind von einem in ihm errichteten Kreuz
weder Spuren noch weitere Nachrichten ans
uns gekommen, allein der Name „Krenzlens-
wald" ist ihm verblieben. Ebenso scheint
auch der Name des hl. Gallus auf die
Stätte seiner einstigen Wirksamkeit, die
„Gallusklinge", sich vererbt zu haben.
TIr. Sclrön. Beziehungen Wüetteni-
vergg zum Deutschen Orden in
Preuszen.
(Fortsetzung.)
Ludwig v. Liebenzell trat in den
Deutschen Orden und schenkte seine Burg
Liebenzell dem Orden, der sie 1273 an
Markgraf Rudolf von Baden verkaufte.
Dann zog er nach Preußen, wo er sich
durch Klugheit und Tapferkeit anszeichnete.
Im Winter 1281 fiel der Ordensritter-
Ludwig v. Liebenzell in die Gefangen-
schaft der Preußen, nämlich der Sudaner.
Dem Kriegshanptmann Skomand vorge-
führt, gewann er durch seine edle Gestalt,
durch hohe Würde und kühnen Mut des
Häuptlings ganzes Vertrauen und seine
Liebe bald in solchem Maße, daß er ihn
seiner Fesseln entlassen selbst seines
nächsten Umgangs würdigte. Der edle
Kriegsherr fühlte sich dem edlen Ritter
durch ihre beiderseitigen Tugenden immer
mehr verwandt und zu ihm hingezogen.
Da geschah es einst, daß Skomand ihn
zu einem Gastmahl zog, zu welchem sich
die Edelsten der Sudaner versammelt
hatten, und als einer aus ihrer Zahl im
Uebermnte den fremden Ritter mit Schmäh-
ungen beleidigte, sprach dieser unwillig zu
Skomand seinem Schntzherrn: „Hast du mich
U Baumgärtner, Beschreibung des Gemeinde-
bezirks Bothnang. 67.
2) CH. F. v. Stalin, wirt. Gesch. III, 746,
747 ; P. v. Stalin, Gesch. Württembergs I, 774.
Schon 27. Juni 1290 erscheint ein Frater Her-
nestus de Lybencelle als Zeuge in einer ln
insnlk,. ausgestellten Urkunde des Landmeisters
Meinhard v. Querfurd. Oocl. clchl. l'russ.
2, 38.

deshalb hieher geführt, damit ich diese schmäh-
enden Worte ertragen soll?" „Nein," erwi-
derte der Feldherr, „auch mich schmerzt solche
Beleidigung ; aber wohlan, nimm Rache an
dem Beleidiger; ich werde dir beistehen!"
Da stand der Ritter ans, ergriff sein
Schwert, begann den Kampf und streckte
den Gegner nieder. Alle erstaunten über
des Ritters Behendigkeit in den Waffen.
Skomand indes befürchtete doch, daß man
aus Rachgier dem Freunde nach dem Leben
trachten werde, und ließ ihn bald nach
dieser That auf unbekannten Wegen durch
einen Diener zu den Seinen nach Preußen
znrückführen. Aul Skomands Seele
machte die Erscheinung des hochgeachteten
Ritters, dessen kühner und entschlossener
Mnt, dessen Heldensinn und Fassung in
der Stunde der Gefahr einen solchen Ein-
druck, daß er bald darauf das Schwebt
niederlegte, sich mit allen den Seinen nach
Preußen begab und die Taufe empfing. H
Im Winter 1283 wurde in einem wei-
teren Kampf gegen die Sudaner Ludwig
v. Liebenzell in der Schlachtsast töd-
lich verwundet von seinem Streitrosse ge-
worfen und von den Seinigen auf der mit
tiefem Schnee bedeckten Wahlstatt zurück-
gelassen. Dort fanden ihn die Sudaner
schon mit dem Tode ringend, und in die
Quere auf ein Pferd gebunden, so daß
das Blut ans den Wunden strömte, über-
brachten sie den unglücklichen Ritter dem
edlen Sudaner Kantegerde zu gefänglicher
Bewachung. Diese hatte Ludwig schon
früher auf Skomands Burg kennen gelernt
und lieb gewonnen. Er pflegte ihn bis
zur völligen Genesung, behielt ihn auch
ferner zu freundlichem Umgänge auf seiner
Wohnung, und als bald darauf der Land-
meisler Konrad v. Tierberg mit einer-
neuen Heerschar gegen Sndanen zog, kam
Kantegerde ihm an der Hand Ludwigs
entgegen und unterwarf sich dem Orden.
So mächtig hatte Ludwig durch milde Be-
redsamkeit und menschenfreundliche Ueber-
redung nicht nur auf den Geist Kante-
gerdes, sondern auch auf die Gesinnung
seiner Verwandten, Freunde und Unter-
gebenen zu wirken gewußt, daß sich mit
Kantegerde 1600 Sudaner zur Auswan-
derung ans dem Lande entschlossen, welche
u Voigt, Gesch. Preußens III, S. 377—378.
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