Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 180
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Ludwig auf des Meisters Befehl ius Sam-
laud führte uud ihueu als Wohusitz die
nördlichen Küsteugegeudeu auwies. st Vou
1294 bis 22. September 1300 war
Ludwig v. Liebenzell Komtur zu Naguit
(früher Laudshul)?) Der Chrouist Jero-
schiu siugt vou ihm:
Brudir Ludwig vou Libeuzel,
eyu Deggeu turstig uud suel,
beid au Mute uud au Tat,
swa mau keu deu Vieudeu trat.
Als Komtur vou Naguit bedrängte er
fort uud fort die Samaiteu, deu Heid'
uischen Feiud. Mit einer bedeutenden
Schar auserwählter Streiter fuhr er 1294
die Memel aufwärts bis au das Gebiet
vou Pastou. Hier ward alles erschlagen,
was sich dem Zuge widersetzte, uud nur
70 Gefangenen das Leben geschenkt.
Äarauf brach er uordaufwärts ius Ge-
biet des Heiligtums Nomove in Samaiteu
ein. Keiner scheint des Feindes Nähe
geahnt zu haben. Denn so bedeutend
auch der Umfang des Oltes uud die Zahl
feiner Bewohner war, so fand doch fast
kein Widerstand statt. Wie durch ein
Wunder war das Heiligtum mit eiuemmale
in der Ritter Gewalt. Komtur Ludwig
ließ sofort die Priester uud die gesamten
Bewohner aus dem Heiligtum vertreiben.
Ein Teil wurde gefangen hinweg geführt.
Viele büßten mit dem Leben, da, wie es
scheint, durch ihre Schuld der Ordens-
ritter Kourad v. Tusch euseld bei ihrer
Entfernung aus dem Heiligtum ermordet
worden war. Der ganze heilige Ort mit
allem, was darinnen war, ging hierauf in
Flammen auf uud alles ward dem Boden
gleich gemacht. Während sechs Jahren
bedrängte und ermüdete Ludwig deu Feind.
Zuerst brach er in das Gebiet von Granden
ein und veruichteie dort die ganze in einem
Hinterhalt liegende Kriegsmacht der Feinde
bis auf 6 Manu. Im Gebiete Pograudeu
wurde die Reiterei der Samaiteu gänzlich
aufgeriebeu. Im Gebiete von Waiken
überlistete er den größten Teil des Adels
durch einen Ueberfall. Schließlich über-
wältigte er sämtliche Bewohner des Landes
oberhalb des Memelstromes und von dem
Fluß Nerige bis an das Läudchen Lamotin
u Ebenda S. 397—398; Lohmeyer. Gesch. v.
Ost- und Westprenßen I, S. l20.
2) Voigt. Namenskodex S. 45.

und verpflichtete sie zum Tribute. Ueberall
wußte er sich die Herzen der Ueberwuudeneu
zu gewinnen, so daß nicht selten die edlen
Samaiteu das Volk zu seiner Beihilfe gegen
den Großfürsten von Lithauen ausboten
uud dieser die Samaiteu nicht zum Abfall
vom Komtur Ludwig v. Li eben zell be-
wegen konnte. Der Chronist Jeroschiu
a. 252 sagt vou ihm daher:
Ouch konde er ys zwischen
deu Landen also mischen
mit wundirlicheu Listen,
daß by syuen Vristen
der Kuug vou Littouwen
mit Bete noch mit Drouwen
ys dazu mochte breugen ny,
daß die Samaiteu wolden y
ym in Urloige (— Krieg) bygestan
und die Brndere rechten au. st
Komtur Ludwig v. Liebenzell ist
jedenfalls einer der tüchtigsten Komture,
die Schwaben dem Orden lieferte. Be-
sonders angenehm berührt bei ihm die
Milde, mit der er, statt mit Gewalt, die
Heiden für das Christentum zu gewinnen
verstand. Auch daß er die Stammburg
dem Deutschen Orden geschenkt uud, des
Vatererbes bar, als schlichter Ritter in
den Orden getreten war,st spricht für
seine edle Gesinnung. Er zällt zu den
Jdealgestalten des Deutschen Ordens.
Vom 3. Mai 1297 bis 1302 war
Gottfried v. Hohenlohe Hochmeister des
Deutschen Ordens?) Auch er kam ius
Ordensband, war 15. Juni 1298 in Thoru?)
Am 18. Oktober 1303 auf dem Kapitel
zu Elbing erklärte er, daß er zu Memel
sein Hochmeisteramt in die Hände des
Meisters von Livland uud Preußen resig-
niert hätte uud nie wieder aunehmeu möchte?)
Er war ein Sohn Krafts von Hohenlohe.
Am 5. Oktober 1297 ist Frater Wal-
terus Pincerna (Schenk) Zeuge in einer
zu Schouewike ausgestellten Urkunde Mein-
hards v. Querufurd, Urrmcie?)
Er gehörte wohl zu deu Schenk von
Limpurg, bei denen der Taufname Waller
gebräuchlich war.

U Voigt. Gesch. Preußens IV, S. 94—98.
st O.-A.-Beschr. Calw S. 264.
st Voigt, Nameuskodex S. 1.
4) Weller, hohenl. Urk.-Buch I, S. 533.
st Ebenda S. 542—543.
st Locl. clipl. INuss. II, S. 44.
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