Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 155
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Künstler spricht, die an ihr thälig waren,
so darf man wohl auch billig nach Namen
derselben fragen, deren Ausgrabung gleich-
falls das Verdienst Zingelers ist. Der
Hauptmeister war der „Gibser Wendel
Nufer von Herrenberg", wie er sich
in der schlichten Weise seiner Zeit nennt,
ein Landsmann, jüngerer Zeitgenosse nnd
vielleicht Schüler des bekannten Baumeisters
Heinr. Schickhardt ans Herrenberg.
„In dem einfachen Verdingzettel vom Jahre
1586 heißt es, Nufer solle die ganze
Kirche in Gips setzen von nnten ans bis
zum Gewölbe, sie sodann mit Bildern
zieren, ringsherum mit Säulen, Gesimsen,
den heiligen zwölf Aposteln und anderen
schönen Bildern, auch den Prediglstuhl
u. s. w., „alles aufs vleißigst, zierlichst
und leistigst nach der Visirnng", wofür
der Meister neben freier Lieferung des
Materials und freier Kost und Behausung
als Lohn an Geld 900 fl. erhielt! Er ist also
ein würdiger Vorläufer all'Nr zahlreichen
Wessobrunner nnd Vorarlberger Stucca-
toren, die im 18. Jahrhundert in Schwaben
so überaus thätig waren nnd von welchen
erst man bislang die Stncco-Kunst ins Land
gebracht glaubte! Daneben war Bildhauer
nnd Steinmetz Hans Amman aus Ulm
(s. „Hohenzoll. Mittlgn." und Weyermann,
Ulmische Nachrichten rc. I, S. 29) in St.
Lnzeu thätig nnd ist die zierliche, noch gotisch
gehaltene Kanzel daselbst sein Werk; als
Maler „M. HansenDe Bay, Burger zu
Riedlingen". Es wird dies wohl der Vater
des 1609 zu Riedlingen geborenen nach-
maligen kurfürstl. bayerischen Kabinetts-
malers Johann de Pay fauch Pey;
ch 1660 in München) gewesen sein, wozu
noch zu bemerken wäre, daß es um jene
Zeit (1581 -1600) auch noch einen
andern Maler dieses Namens, Engelhard
de Pay (Pey) zu Landshnt, gab. Alle
diese drei Künstler waren auch an dem
durch den gleichen Grafen Eitel Friedrich
von 1576 ail vorgenommenen Schloßbau
in Hechingen thätig (s. darüber „Mit-
teilungen rc." a. a. O.). Beachtenswert
ist auch noch die an der Südseite der
St. Luzenkirche eingebaute Antonskapelle
mit schönem Kalvarienberg und Kreuzi-
gungsgruppe.

AuF der Geiligeuwrlt.
S. Gotthard.
Von Pfarrer Reiter.
Der hl. Gotthard wurde um das Jahr
960 in Reichersdorf bei Passau geboren.
Er war Abt des Klosters von Nieder-
altaich, ordnete die Klöster Hersfeld,
Tegernsee und Kremsmünster (daß er in
Kremsmünster Abt gewesen, ist nach
Or. Hann unrichtig) nnd wurde endlich
Nachfolger des in der Kunstgeschichte so
ausgezeichneten hl. Beruward auf dem
biscköfliebcn Stuhle zu Hiloesheim, wo er
am 5. Mai 1038 starb. Seine Heilig-
sprechung erfolgte 1131. Reliquien des
Heiligen werden in Niederaltaich und im
Dome zu Hildesheim verwahrt.
S. Gotthard genoß ehedem eine weit-
verbreitete Verehrung, außerhalb seiner
Diöcese auch in Bayern, seiner Heimat,
Holland, Polen, in Mailand (Feier des
Gotthardfestes mit eigener Präfatio») lind
Genna (Kapelle und Bruderschaft). Or.
Samson nennt in seinem schon öfters ge-
nannten Werke sieben, Pater Gregor
Reitlechner in seinem Palrozinienbuch
(Salzburg, Brüchen, Seckall, Ourll)
sechs dem hl. Gotthard geweihte Heilig-
tümer. Spuren seiner Verehrung in un-
serem Lande finden wir in Reutlingen,
wo an dem berühmten hl. Grabe eine
Golthardfigur angebracht ist, in Disch-
inaen, OA. NereSheim, wo eine Kaplanei
a<i s. Oollrarcium besteht, in Ballmerts-
hofen, wo früher eine Gotthardskapelle
stand, welche aber jetzt in Abgang ge-
kommen ist, und in S. Gotthard, Ober-
amts Göppingen, wo ihm ebenfalls eine
Kapelle geweiht wurde. Ist das Patronat
der letzteren auf das Kloster Anhausen
zurückzuführen? Die Gotthardskapelle bei
Ballmertshofen wurde von den Herrn von
Hürnheim erbaut, welche früher auch auf
der Burg Katzenstein saßen. Ohne
Zweifel hat sie das benachbarte Bayern
mit der Verehrung des hl. Gotthard be-
kannt gemacht. Aehnlich mag es bei
Graf Marquard Willibald Schenk Graf
v. Castell gewesen sein, welcher 1727 die
Kaplanei zu Dischingen gestiftet hat.
Große Berühmtheit erlangte die im
Jahre 1338 erstmals genannte S. Gott-
hardökapelle auf der Mainbrücke zu Würz-
burg, in welcher der neugewählte Bischof
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