Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 78
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fische Hofmaler Lukas Kourad, geb. zu
Ulm 9. April 1716, gestorben zu Peters-
burg 11. Mai 1786. Er soll ein sehr
guter Restaurateur gewesen sein und von
Peter dem Großen vielfache Aufträge er-
halten haben. Unter anderen Bildern der
Petersburger Galerie soll er besonders
einen Dürer mit großer Kunst auf eine
Kupferplaite übertragen haben. Ein Bruder
desselben, Georg Leopold, war ebenfalls
Maler und wurde zu Stuttgart am 12. Febr.
1754 kopuliert.
Schneider, eine Küustlerfamilie aus
Geislingen, Söhne des Johannes
Schneider, Malers und Lackierers in
Geislingen und Erfinder der Tabatieren
von Papiermache, waren IohanuGeorg
und Leonhard. Der erstere malte
Landschaften, Historien und Porträts und
im Jahr 1742 in die Kirche zu Stubers-
heim die zwölf Apostel, er starb zu Geis-
lingen und hinterließ zwei Söhne, Peter
und Georg, Maler und Lackiere in Holzwaren,
mit welchen die Küustlerfamilie Schneider
ausstarb. — Leonhard führte ein leicht-
sinniges Leben, kam von Stuttgart nach Ulm,
wo er die Zeichenkunst lehrte und viele Por-
träts und Historien malte, seinen Bruder-
Georg nahm er als Gehilfen zu sich;
nach kurzer Zeit verließ er aber heimlich
die Stadt, ging ins Kloster Marchthal
und kam dann an den bischöflichen Hof
nach Augsburg, endlich als Hofmaler nach
Ansbach, wo er sehr geschätzt wurde, aber
auch so viele Schulden machte, daß man
genötigt war, ihn unter Aussicht zu stellen.
Von Ansbach ging er nach Schwabach,
wo er 1762 in traurigen Umständen starb.
Ums Jahr 1756 kam der berühmte Maler-
Anton Grass, P zu Dresden 1813, zu
ihm nach Ansbach als Gehilfe, welcher in
seiner Lebensbeschreibung über ihn schreibt:
„Seine Porträts hatten viel Gutes, waren
flüchtig gemalt, aber ähnlich, da er sehr-
geschwind und wohlfeil malte, so hatte er
an diesem Hofe viel zu thun und mußte
Gesellen halten; ich war ihm sehr nütz-
lich, mußte kopieren und andere unbe-
deutende Dinge, wobei nichts zu lernen
war, machen. Es war eben damals die
Zeit des siebenjährigen Kriegs und ein
jeder wollte das Porträt des Königs von
Preußen haben; des Königs Schwester,
die verwitwete Markgräfin, hatte ein Por-

^ trät von ihm gemalt, dieses Bild mußte
ich ein Jahr lang immerhin kopieren, und
! ich machte alle Tage eines fertig. Das
Leben in diesem Hause hat mir Wohl-
gefallen, daher blieb ich so lange bis
1759; Schneider und seine Familie waren
angenehm, allein so viel Geld er auch
verdiente, so kam er doch in Schulden,
so daß er nachher sein Leben im Verhaft
zu Schwabach beschließen mußte." In
der Geislinger Sladtkirche befindet sich
ein Ucce lromo von ihm, in Ulmischem
Privalbesitz kleine Konversationsstücke,
Jagden, Vögel n. s. w. und das Bildnis des
Bauern Wörlin von Kaltenbach, den Schnei-
der auf der Stelle für eine Fuhre Holz malte.
Dessen Sohn war Karl Imma-
nuel; Schubart erzählt von ihm in
seiner Lebensgeschichte I. S. 96: „In
Geislingen hielt sich ein junger Maler-
Namens Schneider auf, ein Zögling der
Jesuiten, der meinem Urteile über die
Werke der Kunst nachhalf und mir einige
praktische Anweisung gab. Er hätte ver-
möge seines trefflichen Genies ein großer
Künstler werden können, wenn er nicht
durch die ausgelassenste Liederlichkeit sich
selbst gemordet hätte. Er war Tonkünst-
ler, las die Dichter mit Empfindung,
schrieb und sprach gut in mehr als einer
Sprache, erhaschte in seinen Gemälden
die Natur oft auf der Thal, war sonder-
lich zum hogartischen Stil geneigt, ver-
säumte aber die Zeichnung; sein Kolorit
war anfangs glühend, stand aber in
weniger Zeit ab. Sonst hatte er große
Entwürfe in seiner Seele. Er malte ein-
mal in einer Dorfkirche die zwölf Apostel
nach dem dritten Gesang des Messias mit
ungemein vielem Geist. Er ging von
Geislingen nach Ulm, von da unter die
kaiserlichen Soldaten, ward losgekauft,
in Augsburg sehr unterstützt — und starb,
oder verweste vielmehr au den Folgen
seiner Ausschweifungen noch bei lebendigem
Leibe, mit Gellerts Moral in der Hand,
nachdem er mit schwachem Odem seufzte:
„so sollte ich gelebt haben!" Er nährte
seine arme Mutter und all' die Seinigen
bis in den Tod, war barmherzig gegen
die Notleidenden, und, wenn er nicht be-
soffen, war er der angenehmste, witzigste
und lehrreichste Gesellschafter." Er starb
1773. Ihm wurden auf der Ulmer Aus-
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