Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 64
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I

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ch eii) nannte (Dizinget, Denkwürdig-
keiten aus m. Leben und rn. Zeit, Tüb.
bei F. E. Osiander S. 136/137; bei
Schmid a. a. O. fehlen diese Bedeu-
tungen von Hut!). Ziemlich allgemein
wurde in Schwaben (und zum Teil heute
noch) der Hut (ähnlich wie der Schurz)
als Matz (z. B. „einen Hut voll —")
gebraucht; „einen Hut voll englischer Frei-
heit" begehrte seiner Zeit Schubart i. I.
1775 (s. dessen Erinnerungen rc., II, S.
12/13) von der Reichsstadt Augsburg für
seine „Deutsche Chronik", ohne aber nur
„eine Nußschale voll" zu erhalten!
Die Schlußbemerknng W.'s zum Amadis,
daß eben Verschiedenes darin vorkomme,
das sich auf Gewohnheiten, Moden und
Sitten beziehe, die im zweiten Drittel des
18. Jahrhunderts noch ziemlich gemein in
Deutschland waren, seit 15 oder 20 Jahren
aber nach und nach so gänzlich verschwan-
den, daß viele darauf anspielende Stellen
unverständlich bezw. unfnglich geworden
sind, dürfte mehr oder weniger für alle
Arbeiten Wielands Geltung haben.

Aleinere Mitteilungen.
Ucll. Studierende aus Oberschwaben, !
und besonders aus Alts Hausen, auf der
Hochschule von Freiburg i. B.
Nach Mitteilungen aus Matrikelbüchern der
vorgen. Universität aus dem 15. u. 16. Jahr-
hundert von Dr. Herm. Mayer in der Frei-
burger „Zeitschrift f. Ges. s. Beförderung der
Geschichte re.", XIII, 1897, S. 1—77, stellte
das ehemalige Bistum Konstanz, namentlich da-
von Oberschwaben, das Hauptkontingent von
Studenten dahin, so in der Zeit von 1461 bis
1584 die Frei- u. Reichsstadt Rottweil a. N.
170 Studierende (47 im 15. u. 123 im 16. Jahr-
hundert), Ehingen a. D., wo die Universität
Freiburg noch bis vor kurzem eine eigene Schaff-
nerei hatte (fnlls keine Verwechslung ab und zu
mit Ehingen a. N. obwaltet?) 146 (48 und 98),
Saulgau 105 (18 u. 87), Mengen, bekannt-
lich in den Jahren 1540/41 und 1564 Zufluchts-
ort der Universität in Pestzeiten, 97 (24 u. 73),
Ulm 92 (58 u. 34), Rottenburg a. N. (trotz
der Nähe von Tübingen!) 76 (27 und 49),
Mund erkin gen 74 (31 u. 43), Ravens-
burg 69 (25 und 44), Reutlingen 65,
Schwüb. Gmünd 62 (39 u. 23), Stuttgart
60 (37 u. 23), Horb 58 (24 u. 34) w.; und
in der Zeit von 1585—1656 nach einer weiteren
Arbeit desselben Verfassers in der Alemannia,
n. F., II, 1901, S. 23-52, Rottweil 131
Frequentanten, Ehingen a. D. 80, Munder-
kingen 44, N o t t e n b u r g a. N. 43, Horb 40,
Saulgau 29, Mengen 28 u. s. w. Ganz
auffallend und geradezu unverhältnismäßig ist
aber in beiden Zeitperioden der Besuch der Frei-

burger Hochschule durch Studierende aus Altsch-
Hausen (Altshausen, Alschhausen, Alshausen rc.),
einer damaligen zur Ballei, Elsaß und Burgund
gehörigen Kommende des Deutschordens, nämlich
durch 79 Jünglinge in der Zeit von 1512—1584
(bis 1517 nur 2; S. 41 a. a. O.), und in der
zweiten Periode durch 103 (S. 43 a. a. O.).
Daß nun diese Menge Studenten samt und son-
ders aus dem Pfarrdorf Altshausen, dem
Sitze der genannten Kommende stammte, bezw.
daß Altshausen der Geburtsort (welchen
die Universitätsmatrikel gewöhnlich dem Namen
und der Diöcese zusetzt) all' dieser Studenten
war, ist nicht möglich, denn A. zählte im 15., 16.
und 17. Jahrh. im höchsten Falle einige 100 Ein-
wohner! Cs kann dies kaum aus der ganzen
Kommende A., zu welcher damals außer A. selbst
die Herrschaften Arnegg, Jllerrieden, Ellenhofen,
Achberg, Blumenfeld (z. T.), Hohenfels zählten,
bezw. aus der Reichsgrafschaft A., welcher auch
noch die Kommenden Mainau, Rohr u. Blaichen
angehörten, der Fall gewesen sein! Ob nicht um
jene Zeit in A. eine Art Gymnasium bestanden
hat, an welchem die aus dem Deutschordensgebiet
stammenden Studienaspiranten ihre Vorbildung
auf die ihnen zugewiesene Hochschule Freiburg
erhielten, woselbst dieselben dann kurzweg in der
Matrikel als aus Altschhausen angeführt wur-
den?! Darauf könnte u. a. die heute noch hör-
bare Bezeichnung des (allerdings erst später, aber
eben an Stelle eines Altbaues entstandenen)
prächtigen Portalgebäudes zum Schlosse als
„Seminar" (!) etwas Hinweisen. Wahrschein-
lich befand sich zu Altshausen, wie später zu
! Mergentheim von 1606—1804, eine Zeit lang
ein Seminar zur Heranbildung von künftigen
Geistlichen, aus welchem sich die vielen Studieren-
den von A. zu Freiburg rekrutiert haben mögen.
Vielleicht waren weiter an die Hochschule F. auch
Stipendien für Studierende aus dem Deutsch-
ordensgebiete gestiftet?! Der Beginn der starken
Frequenz Freiburgs von Altshausen aus erst
vom Jahre 1517 an scheint offenbar mit der
Reformation bezw. mit der Errichtung eines Se-
minars zusammenzuhängen. Die Sache wäre schon
weiterer Nachforschung wert!
Zur Oberamtsbeschreibung von
Rottenburg (II, S. 48 u. 111/112). Der
von mir im „D.-A." X IX., S. 47 nachgetragene
meä. Or. Martin Holtzapfel erscheintauch —
nach Knod, „Oberrh. Studenten in Padua" in
der Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins, 16. Bd.,
4. Heft, S. 628, S. 901 — in der „rnatricula
nationis Aermanicas artistarum" von Padua
unter folgendem Eintrag: 1582 Nov. 22. „M a r-
tinus Holtzapffel UottendurZensis 8aevus
kllil. et Necl. 4)r. krok. kli^gices KridurZi
LrisAoiae; säur meclicus Uu§§eroruM guorun-
äani XuZustae". (Nach Schreiber, Gesch. der
Universität Freiburg, II, S. 236, übernahm H.
den Lehrstuhl für Physik an dieser Hochschule
i. I. 1584.) —cll.

Hiezu eine Beilage von Martin Fischet,
Weingutsbesitzer und Meßweinliefe-
rant in Neckarsulm, betreffend Empfehlung
von Meßwein.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt",
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