Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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Mit Anspielung ans das Haus am Bodensee
und dessen Insassen meint Murer, der
Konvent habe unter Abt Schnz »nraAnanr
narmeam« durchmachen müssen. Freilich
muß in andern Fällen auch das volle
Recht des Abts zum Einschreiten anerkannt
werden: so, wenn er sich weigerte, dem
Konvent gegen bares Geld zu einer Kol-
latio „auf ein Treger Donnstag Nacht"
(wohl Donnerstag vor Aschermittwoch)
den Wein zu liefern, wenn er die Schmau-
serei der Mehrzahl des Konvents im
Siechenhaus nicht dulden wollte, wenn er
dem Koch verbot, den Konventualen zu
jeder Zeit Eier und Suppen gegen Bar-
geld zu verabreichen oder wenn er ihre
Ausgänge einschränkte. Allerdings wollte
er damit nur die beiden Weiber am Kon-
vent rächen, an der Regel lag ihm wenig. ^)
1483 befreite die Pest den Konvent von
seinem Quäler. An seine Stelle trat als
Folge einer selbstverständlichen Reaktion
der fromme und milde Joh. Gäßler, der
lahm und blind geworden 1495 abdankte.
Gegenüber dem Abt Joh. Mayer bean-
spruchte der Konvent als alte Gewohn-
heiten die Verteilung der Kleider eines
verstorbenen Prälaten unter die Chorherren,
die Einrichtung des Krankenhauses durch
den Abt, das Recht, im Herbst Fische und
neuen Wein holen zu dürfen u. s. w.
1523 wurde Jakob Murer Abt von
Weißenau. Durch Krankheit und Tod
schmolz der Konvent so zusammen, daß es
kaum möglich war, täglich drei Messen
zu lesen und das Chorgebet zu verrichten.
Infolge dessen mußte Murer äußerste
Milde walten lassen, wenngleich er klagen
konnte: »Ux parte conventrm erant
frutres pruetensi et culpudiles: exeuirteg
monusteriuirr; se invicem verb>eralrte8;
proles Aenerantes; laici trlms srms in
ckormitorio cfuaerebairt; victualidrm mi-
nime contentch viaa optima expo3celaairt
et cibaria ultra ianua8 proiiciebant." ^ >
Roth.
Von größter Wichtigkeit für die Aus-
breitung des Ordens des hl. Norbert in
Schwaben war Roth, wenn auch seine
Gründung kaum auf den Ordensstifter
zurückgeführt werden kann. Die Besiede-
') 1.. x. 290 ff. 2, p, Z03 f. John 80.
») I.. P. 311 ff. 4) Z9Z,

lung erfolgte direkt von Premontre. Das
Verdienst, diese Stiftung dauernd gesichert
zu haben, .gebührt dem Abt Otto von
Waldburg. Nach der Gewohnheit der
Prämonstratenser verband sich mit dem
Männerkloster ein Frauenkonvent, die
beide Otto als »verrm Osi cultor,
^slator et amator orckinm 3ollerti38imu8«
mit Eifer und Umsicht leitete. Der neue
Orden übte eine große Anziehungskraft
aus. Schon gegen die Mitte des elften
Jabrhunderts fanden sich unter diesem Abte
200 Chorherren und Laienbrüder und
Schwestern in großer Anzahl in Roth zu
strengem Ordensleben zusammen. Das
rasche Aufblühen und Gedeihen der
Neugründungen in Wilten, Weißenau,
Steingaden (Oberbayern) und March-
thal unter der Leitung von Nother
Mönchen H spricht am besten für reguläre
Zucht und Ordnung in Roth. Freilich
erschöpfte die große Anzahl von Brüdern
und Schwestern den materiellen Wohlstand
des Klosters auf lange Zeit. Mit dem
Tode Ottos und der fortschreitenden Ver-
armung verlor es bald den Ruhm einer
Ordensschule, wenn auch noch manche
tüchtige Männer aus seinen Mauern zur
Leitung anderer Klöster berufen wurden.
1341 war Roth so verarmt, daß der
Bischof von Augsburg ihm die Pfarrei
Omendingen zuwies, damit der Konvent
sich das ganze Jahr an Weizenbrot er-
freuen könne, wobei er die »opera pietati3,
lro8pitaliti8 benivolentia«, so zu Roth
geübt worden, rühmend hervorhebt?)
1350 sind die Einkünfte des Klosters so
gering, daß der Chordienst nicht mehr in
der gewohnten Weise begangen werden
konnte. Damit das Kloster nicht weiteren
Schaden im geistlichen Leben nehme,
wurden ihm drei weitere Pfarreien völlig
inkorporiert und mit Chorherren besetzt?)
Konrad v. Au (1307—1346) soll mit
Eifer den Gottesdienst gefördert und streng
auf Beobachtung der Statuten gesehen
haben?) Unter Abt Eglols (1346—1368)
stand seine Schwester dem Frauenkloster
vor und starb seine Nichte dort im Rufe
der Heiligkeit?) 1381 mußte in Roth,
*) Hist. eccl. Narclit. in W. G. IV, 7 f.
2) Stadelhofer I, 156 Nr. 31. Stadelhofer I,
157 ff. Nr. 32. U Stadelhoser I, 85. Stadel-
hofer I, 91 u. 94.
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