Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Seite: 160
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zu Grunde, weis doch bei einem gesetzten
Benehmen gerettet werden könnte!
Weingarten, 1. Juli 1801.
?. Joachim Kramer,
derzeit Großkeller.
l!i lmurre Mittel um geit.
M aler Ioh . (Bapt.) Enderle a u s M i n -
delheim, i n M a i n z thätig (zu „D.-A." XV
1897, S. 116.). Die Deckenstücke der hervor-
ragend schönen, i. I. 1896 verrestaurierten Rokoko-
kirche zu St. Ignaz in Mainz galten bisher
als Arbeiten eines der bedeutendsten Freskomaler
des 18. Jahrhdts. des (seit 1794) kurtrierischen
Hofmalers Januar Zick, welcher bekanntlich
auch da und dort in Schwaben thätig war. Bei der
zwecks abermaliger Restauration in letzter Zeit vor-
genommenen Untersuchung der Fresken ergab sich
jedoch die Unrichtigkeit dieser Künstlerbestimmung
durch die Entdeckung einer Inschrift an dem Ge-
mälde der Uebersührung der Gebeine des hl.
Ignatius in die St. Klemenskirche nach Nom,
welche lautet: 1. D n ck e r I e , pinx. 1774, welcher
bekanntlich Ende der 70er I. des 18. Jahrhdts.
die Fresken in der jetzt teilweise verwüsteten
Augustinerklosterkirche von Oberndorf a. N.
geschaffen hat. Es dürfte schwer werden, nach
dem heutigen Zustande der Deckenbilder in
Mainz, welche unter einer dem Stilcharakter der
Erbauungszeit völlig zuwiderlanfenden grauen
Tünche stark gelitten habe::, durch Stilvergleichung
allein ein bestimmtes Urteil über den Zusammen-
hang mit anderen Arbeiten des w. Enderle fallen
zu können. Zweifellos zählen aber die Mainzer
Fresken zu den besten Arbeiten der Nokokomalerei
am Rhein und sie beanspruchen neben den Leist-
ungen Zicks oder Nik. Stübers re. einen gleich her-
vorragenden Platz. Die Malereien behandeln das
Leben und Martyrium des Patrons der Kirche
in vier größeren und einer Anzahl kleinerer Bilder,
unter denen als das räumlich und malerisch be-
deutendste „St. Ignatius in der Arena von Nom"
mit einer prächtigen Löwengruppe hervorragt. Die
Gleichstellung der malerischen Schöpfungen Ender-
les nnt den Malereien I. Zicks und die Berufung
des schwäbischen Malers bis nach Mainz kann
nur dessen Künstlerrus erhöhen. Zum Restaurator
bezw. Renovator hat inan nun in der Person von
von Pros. Wald. Kolmsperger in München
einen für Restauration und nötigenfalls Ergänzung
bezw. Neuschöpfung von Nokokomalereien sehr be-
fähigten und hierin schon mehrfach, so an den
Deckenstücken der vorm. Prämonftratenserklofter-
kirche von Noggenburg bewährten Künstler ge-
funden. Außer den schon gen. Arbeiten hat E.
auch die Deckengemälde des Schiffes'der Pfarr-
kirche von Seeg im b. Allgäu um d. I. 1770
geschaffen. Uecll.
Drcerarischey.
Hugo, Jos. Aut., Psr., Diesseu, Chro-
nik des Marktes und der Pfarrei D. am
Ammersee nebst kurzer Gesch. des ehe-

maligen Chorherrnstiftes das. Diessen
1901, Verl. n. Druck von Jos. C. Huber,
186 S. Qu.-Fol. mit vielen Abbildungen
von Ed. Gabelsberger, cart. Preis ?
Giebt in 22 Kap. eine populäre gelungene
historische mW statistische Beschreibung der gen.
Pfarrei und macht dem lokalpatriotischen Sinne
der vorgen. Verfasser bezw. Herausgeber alle
Ehre. Daran reiht sich die Gesch. des Chorherrn-
stiftes D. (im 23. Kap.); aus derselben möchten
wir die Persönlichkeit eines schwäb. Landsmannes,
des 31. Propstes Renatus Sontag (1973—90),
hervorheben, welcher 1932 zuWaldsee geboren
war und am 15. Dez. d. I. 1990 mit Tod
abging. Er mag wohl deswegen nach D. ge-
kommen sein, weil das. das gleiche Kloster (von
reg. Aug. Chorherrn) sich befand, wie in seiner
Heimat Waldsee. „Obwohl ein Eiferer für die
von Propst Simon Wörle eingeführte strenge
Observanz, war der Prälat durch die äußeren
Verhältnisse gezwungen, Milderungen eintreten
zu lassen. Durch sparsame Hauswirtschaft war
es ihn: gelungen, die große Schuldenlast des
Stiftes, ca. 19 000 fl., welche dem Kl. infolge der
Kriegszeiten erwachsen war, vollständig zu tilgen.
Nun ging er daran, das Klostergebäude von Grund
aus neu zu erbauen; im Jahre 1681 begann er
mit den: Bau, welcher 1688 vollendet wurde.
I. I. 1688 begann er auch den Neubau der ge-
genwärtigen Wallfahrtskirche zu Grafrath, deffen
Vollendung er aber nicht mehr erlebte. Von
ihm wurde 1687 die Armenseelenbruderschaft ein-
geführt" (S. 161/162.) Die prachtvolle Kloster-
kirche in D., jetzt Pfarrkirche, welche ob ihrer
Pracht novum coelum in Diessen genannt wurde,
wurde aber erst unter einem seiner Nachfolger,
dem Propst Herculan Karg und unter der
Oberleitung des kurbayer. Oberbaumeisters Frz.
Cuvillie in den I. 1733—39 erbaut. Einer der
zahlreichen Nebenaltären dieses Tempels, der St.
Sebastiansaltar, trägt als 4 in hohes, 1,71 in
breites Altarblatt (auf Leinwand) den Martyrer-
I tod des hl. Sebastian, welches i. I. 1739 von
dem berühmten Venetianer Joh. B. Tiepolo um
600 fl. gemalt wurde und von Kunstkennern hoch
gewertet, von vielen als das Wertvollste in der
ganzen Kirche bezeichnet wird. Damit ist auch die
Urheberschaft Tiepolos zu verschiedenen demselben
zugeschriebenen, auf Leinwand gemalten und als
Wandgemälde und Plafondstück verwendeten Bil-
dern im alten Refektorium des vormaligen Bene-
diktinerklosters Jsny i. A. näher gerückt, wenn
nicht geradezu wahrscheinlich gemacht. Eine echte
Arbeit von T., das Bildnis eines Kardinals im
jetzigen Schloß zu I., stammt noch aus Kloster-
zeiten. Die äußere Ausstattung, Druck wie
Büttenpapier ist vorzüglich. Auch die Illustra-
tionen find befriedigend.
B r u n ner, vr. Karl, die Pflege der Hei-
matgeschichte in Baden rc. Karlsruhe.
Druck und Verlag von I. I. Reiff,
1901, VIII n. 153 S., br., Preis
1.20 M.

Stuttgart, Vuchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches VoNsblntt".
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