Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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schäftigt und opferte sein Vermögen, indem
er sein ganzes HanSwesen dem raubsüch-
tigen Feind preisgab. Drei- bis viermal
wurde sein Haus geplündert; er ließ sich
aber dadurch nicht irre machen, sondern
besorgte unterdessen das gemeine Beste.
Der Marktflecken war an Zugvieh so sehr
entblößt, daß nur noch ein Schimmel und
ein Ochs, welche dem hiesigen Bärenwirt
Ant. Krug gehörten, übrig geblieben; und
so diese mit Fuhrwerk beschäftigt waren,
trug manchesmal Haller Brot und Fourage
ans dem Rücken zusammen. — Durch die
Kanonade am 29. wurden zwei Häuser
durch Haubitzen beschädigt und wenn nicht
gleich Hilfe geleistet worden wäre, hätte
gar leicht, besonders in des Arneggers
Hans, Feuer anskommen und das Elend
vergrößert werden können.
Die kaiserl. Truppen mußten sich wegen
offenbarer Uebermacht deö Feindes, wie
schon gesagt, an diesem Tage znrückziehen;
cs ließ sich aber am 1. Oktober eine
kaiserl. Patrouille wieder sehen. Das
Plänkeln zwischen dieser und einer feind-
lichen Patrouille fieng nachts um 9 Uhl
wieder an, ängstigte die Einwohner Alt-
dorss und viele derselben nahmen die
Flucht, weil sie besorgten, daß den folgen-
den Tag eine fürchterliche Kanonade den
hiesigen Ort verwüsten werde. Viele Ein-
wohner fluchteten sich in das Landschafts-
Hans; selbst das Sanktissimum wurde ans
der Pfarrkirche dahin übertragen. Herr
Pfarrhelser Merz, welcher das Sank-
ttssimnm in die Landschaftskapelle heranf-
trng, war ganz weltlich gekleidet und hatte
die Haare in einen Zopf eingebunden.
Dieser wie die übrigen Benesiziaten wur-
den^ ansgeplündert und entfernten sich ans
Furcht persönlicher Mißhandlungen einige
"Tage von hier weg. Pfarrer Gramm
hingegen blieb, weil er sich durch eine
Sauve-Garde gesichert hielt, zurück. Nach-
dem er aber nach und nach vom Geld
auch entblößt worden, und für seine Person
keine hinlängliche Sicherheit zu haben
glaubte, ging er mit seinem MeSner eben-
mäßig fort und ließ alles im Stich. Seine
Abwesenheit von Hanse kam ihm aber
teuer zu stehen. Das Hans wurde ans-
geplündert, der Keller, worinnen 10 Fuder-
Wein waren, ausgeleert, und alle Kästen
und Kommoden anfgesprengt. Herr Ne-

giernngörat und Landrichter v. Straßer
hatte beinahe ein gleiches Schicksal. Er
verlor zwei Pferde, mehrere goldene Sack-
nhren, vieles Geld und andere Kostbar-
keiten. Doch blieb der Keller und das
Hans von einer förmlichen Plünderung
befreit, wozu ein gewisser Kapuziner mit
Namen ?. Gratian vieles mag beige-
tragen haben. Dieser zeigte sich bei den
diebischen Besuchen der Franzosen besonders
herzhaft und verhinderte hiedurch manchen
räuberischen Angriff. In das Hans des
Klosterkanzlers v. Prestel brachen die
Kerle auch ein und erpreßten einige 100 fl.
Geld und Geldeswert. Desgleichen wurde
auch das Haus des Klosteroberamimanns
Steffel in diebischerweise heimgesncht.
Er und Kanzleirat Sterk flohen am
2. Oktober mit ihren Familien ans einem
Leiterwagen nach Wangen i. A. und von
da nach Jsny, wohin sich auch der
Herr Reichsprälat von W. geflüchtet hatte.
Die Konventsherren gingen ebenmäßig
fort, die Hofherren hingegen blieben zu
Hanse, unerachtet die Franzosen im Kloster-
erbärmlich hausten. Sie sprengten die
mehrsten Thüren ein, raubten die Abtei-
nnd Landschaftskasse, worin 30 000 fl.
gewesen sein sollen; in der Abtei blieb
keine Sache an ihrem Ort; alles wurde
durcheinander geworfen und was anständig
war, von den französ. Räubern mitge-
nommen. Nebst dieser starken Plünderung
wurde das NeichSstift mit häufigen Requi-
sitionen an Brot, Fleisch, Wein, Pferden re.
geplagt. Zn den Beamten, die beraubt
worden sind, gehören auch Oberamtsrat
v. Arand und Oberzoller Walther.
Auch mußte Oberamtsrat v. Echbegg
sein Sackgeld, das ungefähr 12 sl. machle,
^ zur nämlichen Zeit, wo sein Kollege
v. Arand bestohlen wurde, hergeben. Die
Plünderungen dauerten in den Bürgers-
Häusern vom 30. September bis 5. Oktober
fort, an welchem Tage die Franzosen ans
^ der hiesigen Gegend über Psnllendorf
nach Stockach gingen. — Am selben
! Tage, wo vormittags die Franzosen ab-
marschierten, kam nachmittags ein kaiserl.
Offizier vom Regiment Bender mit einem
Trompeter und zwei Grenzhnsaren hier-
durch und verfügt sich nach Ravensburg,
wohin tags darauf das Klinglinsche Korps
nachfolgte.
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