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Weiss, Gerd [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 22,2): Landkreis Lüneburg — Braunschweig, 1981

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https://doi.org/10.11588/diglit.44750#0050
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Die Siedlungsform bestätigt das hohe Alter
des Ortes. Es ist ungeklärt, ob Bardowick
Stadtrechte besessen hat. Jedenfalls ist der
Ort baulich über das Entwicklungsstadium
eines Handelsplatzes, eines „Wiekortes”,
nicht hinausgekommen. Dementsprechend
zeigen auch die historischen Ansichten und
Pläne die Unregelmäßigkeit des Straßennet-
zes. Als Zentrum ist einzig der ohne plan-
mäßige Anordnung gestaltete Markt hervor-
gehoben. Als Hauptstraße führen auf ihn zu
die Große Straße von Lüneburg, die
Hudestraße direkt von der Hude, wo der
Warenumschlagplatz, der Wiek gelegen ha-
ben dürfte. Weiterhin vom Dom die Dom-
straße und die Große Bäckerstraße, die als
Fernverbindung nach Norden über die Ilme-
nau führt. Die übrigen Straßen verlaufen
regellos. Auch der Lage der ehemals neun
Kirchen oder Kapellen liegt kein erkennba-
rer Plan zugrunde.
Die Straßennamen Wallstraße und Am Wall
deuten auf eine Befestigung hin, die aus ei-
ner Erdaufschüttung mit Pfahlwerk bestan-
den haben dürfte (vgl. Ansicht von Frese,

Bardowick, Im Sande, St. Viti, Glockenturm,
wohl Mitte 18. Jh.


Bardowick, An der Ilmenau 5,1784


1588). Sie verlief halbkreisförmig entlang der
Linie Wittorfer Straße, Hinter der Schmiede,
Wallstraße, Hinter der Worth und Große
Worth. Die Endpunkte stießen jeweils auf
den Flußlauf. Innerhalb dieses von Wall und
Ilmenau begrenzten Bereichs liegen die re-
lativ wenigen bebauten Grundstücke wahl-
los verstreut. Am Markt und entlang der vier
oben erwähnten Hauptstraßen ist eine ge-
wisse Konzentration der Bebauung festzu-
stellen. In der Folge der Eröffnung der west-
lich am Ort vorbeiführenden Bahnlinie zwi-
schen Lüneburg und Harburg (1847) setzte
entlang der Bahnhofstraße/Pieperstraße ei-
ne Neubebauung ein. Südlich des Bahnhofs
und südlich des ehemals umwallten Be-
reichs entstanden nach 1945 Neubausied-
lungen; dagegen wurden innerhalb des
alten Siedlungsbereichs kaum Neubauten
errichtet, so daß große Freiflächen erhalten
blieben.
Die Altbebauung vor 1900 ist durch länd-
liche Hausformen geprägt. Es herrschen
Flettdielenhäuser vor, die überwiegend in
Rohziegelbauweise ganz oder teilweise

Bardowick, St. Wilhadistraße 3 a,
Ursprungsbau 1714


Bardowick, Mühlenstraße 4, Ursprungsbau 18. Jh.


Bardowick, Hinterm See 20,1930


erneuert worden sind. Altbausubstanz des
17. Jh. findet sich vereinzelt (Beim Dom 1,
Johannisstraße 3a, Große Straße 30).
Um 1900 entstehen neben qualitätsvollen
Rohziegelbauten einige auffallende Wohn-
bauten des Bardowicker Architekten Wil-
helm Matthies, zu denen auch das ehemali-
ge Künstlerheim St. Lukas (Im Grimm 3) als
Sitz einer kleinen Malerkolonie gehört.
An kirchlichen Bauten hat sich neben dem
Dom die zu Lüneburg gehörende Anlage
des St. Nikolaihofes im Süden des Ortes
erhalten. Weiterhin verweisen zwei Fried-
höfe in der Johannisstraße und St. Wilhadi-
straße sowie der Glockenturm von St. Viti
auf ehemalige kirchliche Bereiche.

Bardowick, Mühlenstraße 3,1908,
Architekt: W. Matthies


Bardowick, Im Grimm 3,1898,
Architekt: W. Matthies


Bardowick, Wittorfer Straße 10, um 1900


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