Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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ci kung für


Wahrsagung.
Hie kannst du nun verstehen, wie das Herze Gottes die Wurf-
schaufel in der Hand hat, und wird einmal seine Tenne fe-
gen: welches ich hiemit ernstlich anmelden thue als in Er.
kcrmtniß im Lichte des Ledens, wo das Herze im Lichte deö
Ledens durchbricht, und verkündet den Hellen Tag.
Wie nun die Liefe oder das Hans dieser Welt ist ein finster Haus,
da fiel) die Leiblichkeit ganz dicke, finster ängstlich und halb
todt gebäret, und nimmt von den Planeten und Sternen
sein Wallen, welche den Lerb in der äußersten Geburt am
-finden, davon der Elementen Beweglichkeit entstehet, so«
wohl das Figürliche als Ereatürliche Wesen; alfo ist auch
das Fleischhaus des Menschen ein finster Thal, da zwar die
Aengstlichkeit zur Geburt des Lebens innen ist, und sich nm
mer hoch bemühet, in willens sich ins Licht zu erheben»
weil sich aber das Herze Gottes im Kerne verbieget, so
kann es nicht seyrr.
Jak. Böhmens Morgenröthe Lm Aufgang 20. Kap».

E t n s.i edler.
23. April.
Wahrsagung.
Und immer näher rückt die Zeit heran, wo dieser Welt Himmel
und Erde sich enger mit einander verbinden werden, freund«
lich oder feindlich sich berühren müssen; große, wichtige Na-
turerscheinungen werden das künftige Zeitalter characterisi-
ren, höchster Zwiespalt und innigste Einigung werden wech-
seln, und Gott wird halten das Ganze, damit seine Wesen
nicht erblinden im Angesichte des Lichts, nicht verzweifeln in
der Nacht Finsterniß.
Von keinem Einsiedler.
Eingesandt d. lS. April 1308 von unbekannter Hand.


Scherzendes Gemisch von der Nachah-
mung des Heiligen.
Als eines Tages die Kinder mit Jesus zum Thore hinaus aufS
Feld gehen wollten, da kamen sie auf einen Platz, da man Lei-
men gegraben hatte, und Jesus setzte sich aus denselben Platz nie-
der und nahm mit seinen Händen von dem Leimen und machte
kleine Vögel daraus, so wie sie auf dem Felde fliegen; da die an-
dern Kinder sahen, daß Jesus solche schöne kleine Vögel gemacht
hatte, so freueten sie sich darüber und wollten auch solche Vögel
nachmachen. Während der Zeit kam ein alter Jude, der sähe,
daß sie mit einander scherzten und spielten, und er strafte sie und
sprach: Ihr haltet den Sabbath nickt heilig, ihr seyd Teufelskin-
der, ihr entheiligt den Sabbath, ihr erzürnet Gott. Er sagte
auch zu dem Kinde Jesus: Du bist Schuld daran, die andern
Kinder machten es dir nach, ihr gehet alle verloren. Jesus ant-
wortete : „ Gott weiß es am Vesten, ob du oder wir den Sab-
,/bath am besten heiligen, du darfst mich nicht beurtheilen." Der
alte Jud wurde bös und wollte sich auf der Stelle an dem Kind
Jesus rächen; er ging hinzu und wollte auf die Vögel treten, die
das Kind gemacht hatte. Alsbald klopfte Jesus in die Hände, als
wenn er die Vogel erschrecken wollte, da wurden sie lebendig und
Pogen aus gen Himmel, wie andere Vögel; der alte Jud mußte
sie auch lassen fliegen. Als das die anderen Kinder gewahreren,
liefen sie schnelle nach Haus und riefen ihre Aeltern und Lehrer,
wie sie könnten so schöne fliegende Vögel aus Leimen machen,
die Aeltern straferen sie des Muthwillens, aber sie bestanden auf
hrem Glauben. Da gingen die Aeltern und Lehrer mit ihnen
heraus, und pie Kinder machten Vögel aus Leimen und klopfeten
m ihre Hände, es flogen aber keine Vögel auf gen Himmel von
^o^eln von Leimen, sondern blieben alle qn der Erde sitzen;
d? Aeltern sie hart, und sie merkten es sich, daß es
""stes Herrn Jesu gehöre, baß niemand ihn nachahmen
. </. 4? niemand nachgeahmt habe; aber des alten Ju-
ven Troy und der jungen Kinder Einfalt har peydes nnserS Herrn

Heiligkeit erwiesen, darum belehret beyde, und spottet ihrer nick
nugehört, nickt derer die des Heiligen verachten, noch derer die
es kindisch nachmachcn, denn höret wie es weiter crgieng: Jo-
hannes kam in jenes Dorf und machte Vögel aus Leimen, die
alle flogen, es wollte aber keiner cs ansehen und glauben, er
zog also ein Dorf weiter und machte da alle die bunten singenden
zahmen Vögel, die den Bauern ihre Häuser von Fliegen uno
Mücken rein halten. Ihr lieben Bauern hört darüber nock weiter
ein anderes Mährchen, wenn ihr mir dies nicht verstanden, wie
es mit der Nachahmung des Heiligen ergeht. Der alte Jude hätte
unserm Herrn die Kunst mit den Vögeln gern nackgemackt, weil
er damit viel Geld hätte verdienen können, aber es ging nicht,
nun hörte er aber, daß unser Herr in der Wüste predige, da
wollte er auch in die Wüste gehen, weil da alles umsonst ist und
ein rechter Einsiedler werden. Da er in den Wald kam und der
war dunkel, da freute er sich sehr seines Vorhabens und baute
gleich eine Hütte von Bäumen, und der Wind blies durch Mor-
gens und Abends, und wenn er seine Metten gesungen hatte und
wollte einschlafen, so vfif der Wind gar saubere Melodeven ihm
in die Ohren, das mogte er nicht ertragen. Da grub er sich eine
Höhle dabey, .auch einen Brnnnen, daß ex gleich frisch Wasser
haben konnte, der Brunnen war aber nur so tief, als ihn ein
Mensch zu graben vermochte, sechs Fuß lang und zweye breit.
Da es aber Winter ward, so war der Brunnen zugefroren, da
es ihn durstete wußte er kein Wasser zu finden. Er paßte aber
auf eine Hirschin, die alle Tage kan^ seine Metten anzuhören,
wobey sie abwechselnd bald das eine, bald das andre Obr vor-
streckte , dann ging er ihr nach zu sehen, wo sie saufe. Das wilde
Gethier ging aber durch den Wald und er wußte nickt warum,
halb leckte es seinen Hinterfuß, bald kratzte es in der Erde, fraß
Moos von der Erden und nagte Knospen von den Zweigen und
Müden, aber gedachte nicht zu trinken, oder wollte es ihm nickt
entdecken. Als er aber diese Bosheit der Hirschin sah, hat er sie
gleich erschlagen und ihr warmes Blut trinken wollen, aber das
stollte ihm nicht schmecken, denn er sähe sich darin und sein Bild
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