Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Zci kling für


16

Einsiedler.
-——-25. M a i.

Wohl hab' ick solche gekannt,
Die man nennen möchte
Eigner Kühnheit gebildet:
Doch sind diese nur, wie die Perle,
Die vom Lhaue blinckt,


Geheimnisschörr.
Was aber dauernd ist und allen gemein.
Das Tugendreiche, die Wohlfahrt,
Das lobe ich mir.
Crisalin.
Im Sekerrdorstschen Musenalmanache für 1806, den wir allen Lesern empfehlen.


Der Ring.
Ein Gedankenspiel.

Spielende:
Vater.
M u t t o r.
Kind,

(Gartenplatz vor einem Hause. Morgen.)
1.
Mutter. Vom guten Morgen kommt mir dieser
Grus,
Der einz'ge jetzt/ ich kann ihn ganz verstehen!
Ja wohl du Mer GruS aus klarem Auge/
Der Schlaf sogar versteht dein süß Erhellen /
Ob schnell/ ob langsamere die dunklen Hände
Hinwegzieht / die er über die Geschenke
Der neuen Welt/ der hochgeschmückten hat gelegt,
DaS weiß er dir am Auge abzuschen:
Zum heitern Morgen dringt ein schnell Erwachen.
Wo endet Schlaf? Wann gehet auf das Sehen?
Wie wird es Tag? Wann löschen aus die Sterne?
Wo endet -Ferne / und waS ist zu nah?
Wa§ grünt zuerst / wo steigt der erste Klang?
Unendlich rief ist Schlaf/ unendlich weit der Morgen! —
So ist das Gestern nun zum Heut geworden,
Dem Auge fern, dem Geiste gegenwärtig.
Hier saß ich gestern Abend/ schrieb im Sande
Und fuhr erschrocken auf/ was ich geschrieben.
Der Morgenwind hat'S sorglich auSgewischet,
Was unvereinbar ist mit meiner Ruhe,
Der Sonne Mahlerblick weiß alles zu verschmelzen,
Aus Meer und Wolken zieht sie Helle Strahlen
8n träger Nacht die Geisterwelt zu mahlen.
So unbemerkt entfaltet sich das Schöne;
Unendlich wir- ein Frühling allen Sinnen.

Die Tage sind nun liebliche Geschwister,
Die jüngern stets dem Mutterherzen lieber.
Sie sprechen nach, was jene ältern fragen.
Sie haben noch waS Süsseres zu sagen:
O Sonne, Mutter zahllos lieber Kinder,
Warum bin Mutssr ich und ohne Kind?
O Sonne, einen Augenblick zum Beten! —
Du willst es nicht, die Augen gehn mir über,
c Sic h'at in Gedanken einige Blume» gebrochen, die sie
ins Gesicht drückt.»
Wie verlieren sich die Blätter
Wunderbar in Flammenlicht,
Drinnen haucht ein kühlend Wetter,
Drück ich sie ins Angesicht,
Alle die Blumen sind ohne Harm,
Nur die rothe Rose nicht,
Sie sticht!
Sticht wie die liebe Sonne so warm;
May ist ohne die Rose nur Qual,
Ihr stillen Gründe, du einsam Thal.
LSie vertieft sich abgehend in dem Garten.)
2.
tVarer und Kind, beyde in Kriegskteibern, das Kind sieht sich
um und läßt den Vater oft allein.)
Vater. So ist des Unglücks Fluch,
Daß es unS unterwirft der leeren Furcht,
Wie schaudernd hält der Boden heiße Eile:
Ein Schritt, ein Druck der Land, ein Wort wie leicht,
Wie schwer, wenn unser Schicksal daran hänget.
Tod, Leben giebt der Ucberraschung Wunder.
Kind. ES wird so schwühl, wir Zehen doch nicht
weiter?
Vater, Nein, lieber Sohn! - Wir sind schon
allzuweit! —
Zum Ufer wallt, vom Ufer sinkt die Woge,
WaS zog mich her, was weist mich nun zurück?
Mich stößt zurück, was lange mich gezogen.
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