Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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cinnig für Einsiedler.
,'irn? -
1808,- - 8 —-26. April.

M, wär ick daheim geblieben
An dem kleinen Felsenthal ;
Würd ich so nicht umgetrieben
Von der Sehnsucht heißer Quaal.
Nicht- will recht mein Herz erquicken,
Nicht der Wald und nicht die Flur.
Sterne, Blumen seh ich blicken
Doch ich werde traurig nur.
s Stern und Blumen sind die gleichen
Wie sie blühn im Va terland
Doch mein Sehnen will nicht weichen;
Dorthin ist mein Sinn gewandt.
r
Nicht in Sälen kann ich bleiben,
Wo die Menschen um mich sind,
Außen muß umher ich treiben
Wie ein mutterloses Kind.
Fragen Freunde was mich quäle,
Greift nur heißer mich der Schmer»
Was ich schaffe, was ich wähle,
Nichts heilt mir das wunde Herz.
Hätt' ich Schwingen, hätt' ich Flügel
Gleich dem Adler flog ich weg
Heber Strom und über Hügel
Bis zum fernen Felsensteeg.

Heimweh des Schweizers
Und vom Felsen stieg' ich nieder
Wo der Strom in Staub verspritzt r
Und ich sah die Hütte wieher,
Die mich einst al- Kind beschützt.
Warum mußt ich fort denn geben,
Ungetreu dem eignen Heerd,
Hier dieß fremde Land zu sehen,
Wo die Sehnsucht mich verzehrt?
Wo sind denn die schroffen Zinken
Schneeverhüllt und sonnumglänzt
Die den blauen Aether trinken,
Von Gestirnen hoch umkränzt?
Wo der See, aus dessen Fluthen
Wolkenhoch der Berg sich streckt;
Trunken von des Himmels Gluthen
In der Ngcht den Schiffer neckt?
' Horst du Venn -en Waldstrom brausen.
Der von Fels zu Felsen stürzt?
Weißt du, wo die Adler Hausen,
Donnernd die Lawine stürzt?
Siehst du denn die Gemsen springm
Hoch die Felsenwand entlang;
Menn die Thäler unten klingen
Von des Alphorn hehrem Klang?
-r r: .t r' .

Siehst du dort die Heerben weiden,
Wo die Hütt' am Abgrund hängt,
Wo sich Lenz und Winter scheiden
Und das Eis die Blume drängt?
Hirten, die im Wechsel mitten
Treu geblieben alter Zeit,
Redlich üben Väter Sitten,
Wie es laut ihr Herz gebeut.
Wär ich nur daheim geblieben,
Warum gieng ich denn hinaus 5
Wer hat mich denn fortgetrieben
Aus des Vaters liebem Haus?
Wohl habt ihr in diesen Zonen
Vieles was uns dort gebricht;
Aber die auf Bergen wohnen
Tragen euer Elend nicht.
Großer Glanz und reicher Schimnre
Zeichnet diese fremde Welt!
Doch erfrischt das Herz nicht immer
Was den Augen wohlgefättt.
Und so strömt, ihr dunkeln Thränen,
Wie zu Nacht ein Brunnen quillt,
Bis mich selbst mit meinem Sehnen
Freundlich still der Tod verhüllt.
I. C. Nänny.

Der gehörnte Siegfried und die Nibelungen.
Von I. Görres.
Wilkinasgga. -*)
Ganz auf nordischem Boden, war in den Dichtungen, die,
x»ir bisher angeführt, der Schauplatz der Begebenheiten gegründet
in jener aber, zu der wir gegenwärtig übergehen, ist die Fabel,
aus jenen engen Schranken hervorgebrochen, oder vielmehr noch
nicht in sie eingefangen, das ganze gotische Europa ist in den Kreis


*) Wir Herausgeber ergreifen die Gelegenheit bey der Fortsetzung
dieser Aufsätze unseres Freundes (vergl. 5. Stück) einem'Vor-
wurfe zu begegnen, der uns leicht von denen gemacht werden
könnte, -ie unsre Zeitung eigentlich nicht lesen, sondern nur
beurtbeilen; al- zerstücktcn wir die Aufsätze, die nur in ihrem
Zusammenhänge verstanden werden könnten; einige Aufmerk-
samkeit wird jeden überzeugen, daß diese Abtheilungen nie
willkührlich sind, sondern daß jedes für sich ein Ganzes aus-
macht , das freilich auf eine weitere Verbindung hindeutet,
Pie alles in der Welt. Mit einem glücklichen Ausdrucke deS
H, v* Kleist sagen wir, daß es organische Fragment; sint^

ihres Spieles ausgenommen, Deutschland der Mittelpunkt. Es ist
das große Gedicht, pon dem wir gegenwärtig sprechen, jenes, das

in denen die Lebensverbindung zum Ganzen erkennbar, so sind
wir mit dem König Rother verfahren, so auch mit der Reihe
dieser Aufsätze. Dem mannigfaltigen Interesse der Leser sez-
zen wir, wie billig, unser eignes Haupt-Interesse an gewissen
Untersuchungen nach, doch erkennen wir dankbar in dem
mannigfaltig uns geäusserten Beyfatte über die Förderung
alter deutscher Kunst, daß wenn auch jn langer Erfahrung
manches Hervorstechende unsrer Zeit sich vergänglich und ver-
ächtlich zeigte, doch das heimlich Grosse in ihr viel zu groß
ist, um eben in Worten sagen zu können, was es woll«».
Der blinpe Streit zwischen sogenanntem Nonrgntikern und so-
genannten Classikern endet sich; was übrig bleibt, das lebt,
unsre Blätter werden sich mit beyden und für beyde beschäf-
tigen; man lernt das Eigenthümliche beyder Stämme wie in
einzelnen Individuen erkennen, achten, und ksich gegenseitig
erläutern, und in seiner Entwickelung erkennen., wir brau-
chen über diese Entwickelung unsre Leser wohl nicht erst auf
Hrn. Schlegels nun erschienenes Werk über Indien (Heidel-
berg bei Mohr und Zimmer) aus dem unsre Blätter einige
pebcrsetzungen nüttheilten, aufmerksam zu machen,
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