Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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eitung für
18 08.- —Ar
Fräuleinswache,
Ich geh' all Nacht die Runde
Um Vaters Hof und Halt,
Es schlafen zu dieser Stunde,
Die trägen Wachrcr all.
Ich Fräulein zart muß streifen /
Shn' Wehr und Waffen schweifen,
Den Feind der Nacht zu greifen.
O weh des schlimmen Gesellen;
Nach Argem steht sein Sinn;
Würd' ich nicht kühn mich stellen,
Wohl stieg er über die Zinn.
Wann ich denselben finde,
Wie er lauert bei der Linde,
Ich widersag' ihm geschwinde.

Einsiedler.
——-16. July.

Da muß ich mit ihm ringen,
Allein die Nacht entlang;
Cr will mich stets umschlingen,
Wie eine wilde Schlang,
Er kommt vom Höllengrunde,
Wie aus ein's Drachen Schlunde,
Gehn Flammen aus seinem Munde.
Und hab' ich ihn überwunden,
Halt ihn im Arme dicht:
Poch eh' die Sterye geschwunden,
Entschlüpft mir stets der Wicht.
Ich kann ihn Niemand zeigen,
Muß meinen Sieg verschweigen,
Md mich in Trauer neigen.
Ludwig Uhlan»»


Alte Briefe eines Einsiedlers und einer Mohrin,
die Nonne wurde.

i.
DaS edle Saitenspiel deS heiligen Geistes, der Pro-
phet David, ward einSmalS ertrunken in der Stille des
göttlichen Schauens, und sprach daS edle Wörtlein:
Mir ist gut, daß ich Gott anhange. S wohl mir, zarte
Kinder, was mein Mund euch oft begreiflich gesagt hat,
da ich bei euch war, das rufet zu euch mein Herz.
Das ist gut, und ist besser und ist das allerbeste! Der
Gott anhänget wird ein Geist mit Gott, und verschwim«
met in das Einige ein. DaS begehrte der Widerglanz
des ewigen Lichtes an dem letzten Nachtmahle, das er
hätte mit seinen Jüngern: Heiliger Vater ich begehr,
-aß sie Eins mit uns seyn, als ich und du Eins und
Eine sind, ynd welche also mit der Allheit in Einig-
keit worden sind, alle ihre Sinne kommen in solche Ein-
gezogenheit und ihr Verständniß ist ein Schauen der
bloßen Wahrheit. Ach hebet auf euere Augen, sehet
was freuen sich jetzuud Berg und Thal, Laub und GraS,
wie lachet jetzt die schöne Heyde? Nicht anders denn
von der klaren Sonne. Ach darum mein Kind, er-
schwinge dich m die wilde stille Wüste der Gottheit, leide
und wisse, daß ein schwacher Leib und ein starkes Ge«
müth mit Gott alle Ding überwinden möge. Nehmet
- wahr, wer der schönen Rosen Augen wieder tugentlich
haben will, und wonnigliche Früchte -er Balsamen

genießen, -er muß ihre natürliche Art erwarten in Ge-
mach und in Ungemach, bis daß der fröhliche Tag kom-
met, daß er sie in spielender Wonne fröhlich genießen
wir- nach aller seiner Herzenslust.
Der Einsiedler.
r.
Ich danke euch für euer Schreiben, so weit ich es
verstehe, und auch was ich nicht verstehe tröstet mich
göttlich. Heiliger Vater! Ich bin erst einige Tag von
euch entfernt und meine, eS wäre eine Ewigkeit, ich
werbe euch wohl nicht wieder sehen! Wie war ich so
traurig, als ihr mit einem Segen von mir geschieden,
die Schwestern sahen mich alle so neugierig an und be-
fühlten meine Hand, ob die schwarze Farbe darauf säße
oder darunter; meine Seele umzog bald ein so trübes
Dunkel, daß ich nicht schlafen konnte, sondern an das
Fenster ging, und mich über den Mond verwunderte,
wie er so Helle durch die Linden schimmerte, die Linden
rauschten ihm entgegen, und ich fühlte mich umfaßt,
von der kranken Schwester Therese, die auch nicht schla-
fen konnte. Sie ist auch so gut, beinahe so gut wie
ihr, und klagt nur immer, daß sie mich nicht genug
lieben könne. Die andern Novizen denken alle noch
weit hinaus in die Welt, und wissen alles waö da ge-
schieht, wir beyde denken nur an euch, und wie wir
gerne mit euch lernen und lehren möchten, so weit ihr
uns Kraft gebet, und könnten wir nicht lehren die Hey-
Zen, so könnten wir -och eure Füße salben, für euch
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