Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

Page: 17
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/einsiedler/0022
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
1808.- - S
i j.'-rn i
sm geschaffen dieß All hatte/-der sich undenkbar entwickel
. - j. : -> i stets/ ! .' : z .::».-.n r.
Sank zurück in sich selbst wieder/ Zeit mit Zeit nun Vertäu?
", schcnd, Er. . ' . '
' Wahrend der Gott nun wachend ist/ dir regt strebend sich
hier die Welt/
Doch wenn ruhigen Sinns er schlaft/ sodann schwindend
vergeht es all. — .

——- 9. April.
----- l r?j» » , '»lck. , ! ' ' ' . . :...
' Sb mit Wachen tmd Schlaf wechselnd / dies Sm was sich
r: " .-z> -n»' 1 /.'tt i'j-ewegt was nicht
Bringt rup^ Lsben^er stets hervor,/- vertilgt es selbst nm-
L,- . d lü'l i, , , sytz»^ar. ' -
Zahllose Weitcntwicklüngen giebts, Schöpfungen / Zerstör
>r-r-'. ?! ' --' 'rungen/'' "
Spielend gleichsam wirket er dies / der höchste Schöpfer für
r -- l ? .. . UNd fÜ<. -.j

! t




, -7- t!- -- -
V-ne Jena dre Ehre einer. Entbindungsanstalt mehrerer
Philosophen. Was ist nun politisch das,/worMf die
deutsche Masse/., nicht d^ Einzelne seine. Nazionalehre
und Liebe gründet? Rechtlichkeit/ sie verknüpft die
Deutschen — eigentlich die Menschen — und Wehe dem,
der das Band durchschneidet/ woran die Welt hängt
und er selber/ und Heil dem Fürsten/ dem die Geschichte
den neuen Beynamen des Rechtlichen gewähren kann.—
Bis hieher wurde das deutsche Volk wie eine vergoldete
Silberstange durch ümner engere Löcher durchgetrieben
um verfeinert zu werden; aber eben wie die dicke Stange
lang und dünn ausgezogen/ doch noch den Goldbelag
behält/ so haben wir unser Gold der Weltseitigkeit und
Treue fortbewahrt. Es scheint darum ordentlich/ da wir
geistige Gütergemeinschaft mit allen Völkern haben/ und
so wie die Franzosen die Herren des Landes sind / dre
Engländer die des grösseren Meeres/ wir die der beydö
und alles umfassenden Luft sind.

Aus dem Indischen des'Mon«, von Fr. Sch leset.-
D e nksp rü ch e . ?
aus einer Friedenspredigt an Deutschland
von Jean Paul Fr. Richter,
Der Krieg hat über Deutschland ausgedonnert. Die
Römer feierten einen Tag des Donners heilig/ und die
Bezirke/ in die er geschlagen/ wurden von der gemeinen
Erde geschieden. - Wie viele Tage und Länder sind in
diesem Sinne uns jezt geheiligt/ eine Ungerechtigkeit/ die
nun an verwundeten Völkern begangen wird/ schreiet mit
zwei Stimmen gen Himmel. — In jeder Sünde wehet
der ganze Krieg wie in jedem Funken eine Feuersbrunst:
Mancher aussen unbescholtene Mann ist vielleicht in nichts
von einer Geissel Gottes verschieden / als im Mangel des
Ruhms und des Geisselgriffs; der Krieg ist nur der ver-
größernde Hohlspiegel der Wunden/ die wir so leicht
machen/ nur das Sprachrohr und Sprachgewölbe der
Seufzer/ die wir einzeln auspressen. — Laßt uns als»

richtiger und ruhiger die Schwärze wie den Glan; des
Krieges ins Auge fassen/ und wenn wir auf der einen
Seite oft den Siegeshelden nur als ein Sternbild aus
den Hellen Thaten einer Menge zusammengesetzt beobach-
ten/ so wollen wir auch auf der andern uns seinen Schat-
tenriß nicht aus den Thatflecken seines Herzens zusam-
menmalen/ oder seinen Namenszug in den Steppenfeuern
seines Volks erblicken. — Gab es eine Tag- und Nacht-
gleiche für Fürsten/ worin sie selber entscheiden/ was nach
ihr erfolgen soll/ ob ein Frühling/ oder ein Herbst/ ob
ein Gang in warme fruchtbringende Zeit / oder in eine
kalte Blat und Frucht verlierende: so ist es diese Zeit
jetzt — Napoleon rette die letzten Deutschen und form«
die übrigen! — Man kann überall geboren werden/ auch
in Bethlehem/ aber nicht überall gepflegt; die Erhaltung
eines Genius ist wie in der Theologie die zweite Schö-
pfung und so hat die Wiedergeburtsstadt Weimar die Ehre
die GeburtSstadt von vier grossen Dichtern zu seyn/ s»

Wenn in der ganzen Geschichte die gebildete Nazion
die ungebildete Nazion auflöSt/ gleichgültig ob siegend
oder besiegt/so ist hier zwischen zwey gebildeten Nazionen
keine historische Möglichkeit eines nazionellen Vertilgungs-
Friedens. — Weniger über die politische als über die
Religionsfreiheit können wir am gewissesten seyn/ die
Derstandeskraft der Zeit/ die Gewalt und der Glan;
grosser Beispiele und Gesetze/ ganze mit Licht bedeckte
Länder und selber der Mangel, an Religionsfeuer sagen
dem Religionslichte die alte Fortbreitung zu; löscht
heute den Fixstern-Himmel aus/ er leuchtet noch viele
Jahre in unsre Nächte hinein/ blos weil sein Licht schon
so lange unterwegs ist. — Hingegen die politische Frey-
heit? Aus dem Kriege als aus einem Looseziehcn der
Gewalt und des Faust - Unrechts/ trägt man leicht ein
Stück dieser willkührlichen Gewalt in den Anfang dcS
Friedens aus Gewohnheit hinein; zu oft ist der Friedens-
schluß selber nur die letzte Schlacht und die Taube mit
loading ...