Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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c i t u ii g

für

1808.

5

E t n s i e d l c r.
.. 15. April.

Der Jäger an den Hirten.
Durch dm Wald mit raschen Schritten
Trage ich die Laute hin,
Freude singt, was Leid gelitten,
Schweres Herz hat leichten Sinn.
Durch die Büsche muß ich dringen
Nieder zu dem Felsenborn,
Und es schlingen sich mit Klingen
In die Satten Nöl' und Dorn.
In -er Wildniß wild Gewässer
Breche ich mir kühne Bahn,
Klimm' ich aufwärts in die Schlösser,
Schaun sie mich befreundet an.
Weil ich alles Leben ehre,
Scheuen mich die Geister nicht.
Und ich spring durch ihre Chöre
Wie ein irrend Zauberlicht.
Hau,"' ich nächtlich in Kapellen
Stört sich kein Gespenst an mir,
Weil sich Wandrer gern gesellen.
Denn auch ich bin nicht von hier.

Geister reichen mir den Becher,
Reichen mir die kalte Hand,
Denn ich bin ein frommer Zecher,
Scheue nicht den glühen Rand.
Die Sirene in den Wogen,
Hatt sie mich im Wasserschloß,
Gäbe, den sie hingezogen,
Gern den Fischer wieder los.
Aber ich muß fort nach Thule,
Suchen auf des Meeres Grund
Einen Becher, meine Buhle
Trinkt sich nur aus ihm gesund.
Wo die Schätze sind begraben
Weiß ich längst, Geduld, Geduld,
Alle Schätze werd ich haben
Zu bezahlen alle Schuld.
Während ich dies Lied gesungen.
Nahet sich des Waldes Rand,
Aus des Laubes Dämmerungen
Trete ich ins offne Land.

Aus den Eichen zu den Myrthen,
Aus der Laube in das Zelt,
Hat der Jäger sich dem Hirten,
Flöte sich dem Horn gesellt.
Daß du leicht die Lämmer hütest
Zähm ich dir des Wolfes Wuth,
Weil du fromm die Hände biethest.
Werd ich deines Heerdes Gluth.
Und willst du die Arme schlingen
Um dein Liebchen zwey und zwey,
Will ich dir den Fels schon zwingen.
Daß er eine Laube sey.
Du kannst Kränze schlingen, singen.
Schnitzen, spitzen Pfeile süß,
Ich kann ringen, klingen, schwingen
Schlank und blank den JägerspLeß.
Gieb die Pfeile, nimm den Bogen,
Mir ists Ernst und dir ists Scherz,
Hab die Senne ich gezogen
Du gezielt, so trifts ins Herz.
Clemens Brentano.

(Die Melodie wird in der Folge nachgeliefert.)

König Rother zieht einer Jungfrau die
Schuhe an.
Von Ludwig Tieck.
(Beschluß.)

Die Bothen gab da Constantin
Dietheriche auf den Leib sein ,
Der Herre sie da übernahm ,
Da folgeren ihm des Königes Mann
Zu dem Kerker,
Wo sie waren mit Röthen ,
Die elend Verhaften
Lagen in Unkräften
Und lebeten erbärmliche.
Berther der reiche
Stund und weinete,
Da er den Schall erhöret,.'
Den Kerker man aufbrach,
Darein schien da der Tag,
Schnelle kam ihnen das Licht,
Des waren sie ^wohnet nicht,

Erwin war der exste Mann
Der aus dem Kerker kam,
Als ihn der Vater ansah,
Wie groß seine Herzens-Reue war.
Herum er sich kehrte
Und rang seine Hände,
Er durfte nicht weinen
Und war ihm doch nie so leide
Seit ihn seine Mutter trug.
Erwin der Held gut
War von dem Leibe gethan,
So wie mit Recht ein armer Mann.
Sie nahmen die Grafen zwölfe
Her aus dem Kerker,
Und iegelich seine Mann,
Die Ritter sonst so lustsam,
Sie waren beschmuzt und schwarz,
Von grossen Nöthen bleich gefärbt,
Leopold der Meister
Der hatte keine Kleider
M nur rin -ünneö Schürzelein,
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