Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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E t n s i c r l e r.

1808.-



Eine Zeder wuchs aus zwischen Sträuchen, sie theilten mit
ihr Regen und Sonnenschein, und sie wuchs und wuchs
über ihre Häuvter und schaute weit ins Thal umher. Da
riefen die Straucher: Ist das der Dank, daß du dich nun
überhebest, dich, die du so klein warst, dich, die wir ge-
nährt haben? Und die Zeder sprach: Richtet mit dem,
der mich wachsen hieß! — Und um die Zeder standen
Sträuche. Da nun die Männer kamen vom Meer, und
die Art ihr an die Wurzel legten, da erhub sich ein Froh-
locken: Also strafet der Herr die Stolzen, also demüthigt

er die Gewaltigen. — Und sie stürzte und zerschmetterte
die Frohlocker, die zertreten wurden unter dem Reisig.
Und sie stürzte und rief: Ich habe gestanden und ich werde
stehen! Und die Männer richteten sie auf zum Maste
im Schiffe des Königs und die Segel wehten von ihr her
und brachten die Schätze in des Königs Kammer. — In-
dessen war die junge Zeder, die aus ihr entsprossen,
schlank aufgewachsen, und ein Held kam und hieb sie
nieder sich zur Lanze wider die Riesen, da riefen die
Sträucher: Schade! Schade!

Einer Jugendarbeit des Meisters aus der Erinnerung nacherzähtt»

König Rother zieht einer Jungfrau
Schuhe an.
Von Ludwig Tieck.
(Fortsetzung.)
Da sprang die fröhliche
Von dem Herren Dictheriche.
Herlind kam balde
Zu ihrer Frauen Kammer
Und sagete ihr von dem Herren/
Er pflege seiner Ehren
Sehre fleißigliche:
Das wisset wahrliche/
Hhm ist die Huld des Königes lieb/
Er mag dich darum sehen nicht/
Weil es sich nicht will fügen,
Nun schaue an diese Schuhe /
Die gab mir der Held gut
Und that mir auch Liebes genug/
Und einen Mantel wohlgethan,
Wohl mir/ daß ich je zu ihm kam.
Und zwölf Ringe die ich Han
Die gab mir der Held lustsam/
ES mochte nie auf der Erden
Ein schönerer Ritter werden
Als Dietherich der Degen
Gott laß es mich erleben/
Ich gafft ihn an ohn' danken/
Daß tch mich des immer mag schämen.
ES scheint wohl/ sprach die Königinne/
Daß ich nicht seliglich bin/
Nun er mich nicht will sehen
Magst du die Schuh mir geben.
Um des Herren Hulde,

d i e Schnell ward der Kauf gethan/
Sie zog den goldenen an/
Dann nahm sie den silbernen Schuh,
Der ging an denselben Fuß.
O weh! Sprach die schöne Königinn
Wie wir nun gehöhnet sind/
Denn mit den Schuhen lustsam
Ist ein Missegriff gethan,
Ich bringe ihn nimmermehr an.
In Treuen dü must zurücke gähn
Und bitten Dietheriche
Sehre gezogenliche,
Daß er dir den anderen Schuh gebe.
Und mich auch sehen wolle selber
Wenn er unter seinen Verwandten
He gut Geschlecht gewänne.
O weh, sprach Herlind/
Wie doch der Schade nun ifl
Fraue unser beiden,
Nun wisset es in Treuen
Sollt' ich immer Schande Han
Ich muß wieder zurücke gähn.
Da Hub die Fraue wohlgethan
Hhr Kleid lustsam
Hoch auf an die Knie,
Denn sie gedachte der Zucht nicht,
Frauelichen Ganges sie vergaß,
Wie schnelle sie über den Hof gelaufen was
Zu den Herren Dietheriche,
Er empfing sie frommliche
Hn allen den Geberden
Als wenn er sie nie gesehen.
Da wüste der Held wohlgethan
Wamme sie Mücke kam.
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