Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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^Lch ziehe meine Emsicdsermas'ke ab/ und möchte dir
geehrtes Publikum die Geschichte dieser Maskerade / die-
ses Buchs und aller darin erlebten und gemachten Spässe
erzählen/ zugleich möchte ich das lästige den Herausge-
bern zulommliche Wir mit dem bequemeren Ich ver-
tauschen. Ja wir waren wirklich eins/ und Eine? wird
aus allen/ wie meine Ankündigung versicherte; aber wie
soll dieser Eine nun sein geehrtes Publikum sich denken/
um den rechten anständigen Ton zu treffen / denn die
Maskenfreiheit hört jetzt auf. Siehe mein Leiden / ge-
ehrtes Publikum/ da blätterte ich schon drei Tage in al-
lerley alten und neuen Bildnissen herum/ und konnte
das Deine nicht finden/ bis endlich ein sehr wunderbarer
Zufall mir diesen beiliegenden Kopf in der dicken Nacht-
mütze zuführte.*) Es würde dir äußerst unterhaltend seyN/
die Geschichte dieses Funds zu erfahren / und wie dich

ein eigensinniger Grabstichel nicht des TodtengräberS/
sondern des Kupferstechers mehrmals zu untergraben
drohte / doch das alles sey Dir künftig erzählt in einer
Geschichte der Entstehung und deS Verfalls des Publi-
kums/ mit der ich an allen Festtagen beschäftigt bin.
Treffend ist die Aehnlichkeit deines BildeS/ geehrtes Pu-
blikum/ dieses listige Lauern: dieser schiefe Mund/ der
auf eine Autoritär oder Kritik wartet / um sein Urtheil
zu bestimmen; die steifen Locken/ die sich aus der Nacht-
mütze drängen / wie alte verrostete- Gedanken / die du
immer wieder hören möchtest; nach einer Seite ist sie
aufgcschoben/ denn auch Du hast einmal gedacht/ und
Dir die Stirne gerieben/ und weist eS noch recht gut
und meinst/ daß die Verfasser von Dir erst denken und
fühlen lernen sollten. Hat Dir meine Zeitung Sorge
gemacht/ ich sehe e§ an Deinen bedenklichen Augen?

*) Hierzu die Kupferplatte.
Der Auctor von den M. Korte/ hat eine weitläustige Neeension gemacht von Gelehrten/ die sich
gerne haben wollen mahlen oder in Kupfer stechen lassen/ desgleichen auch Hr. Theo. Knank. Es fragt sich demnach: Ob sie Rai«
son dazu gehabt/ und die/ fo sie haben mahlen lassen/ oder noch thun/ solches haben erlauben können? — Nun bemerke ich freilich/ daß
man selbst nach dieser Ehre nicht allzu eifrig trachte/ und sich nicht gleich in Kuvfer stechen lassen müsse/ wenn man kaum einen
Lracrat von zwei Alphabeten / oder einen Jahrgang über die Sonn - und Festragsevangelien in die Welt fliegen lassen. Warm
man aber von den Seinigen, von guten Freunden/ von Beichtkindern/ von den Verlegern einiger Schriften ersuchet und öfters
angetriclcn/ sein Vildniß ihnen zu gönnen und seinen Schriften vorsetzen zu lassen/ so kann ich noch nicht sehen/ wie ich solches
abschlagen, oder mir von andern mr einen Hochmuth ausgeleget werden könne. Denn warum sott ich Bedenken tragen/ meine
Visage, die mir Gott gegeben, nicht jedermann vorzuweisen? — Ein Wort zur rechten Zeit/ welches Apin in seiner Anleitung/
wie man die Bildnisse berühmter und gelehrter Manner mit Nutzen sammeln und dagegen gemachte Einwendungen gründlich be*
segnen soll/ gesagt hat. Nürnberg 1723 S. '-5.
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