Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Goto und Genovefa,
ein Schauspiel in fünf Aufzügen von Maler Müller.
(Beschluß.)

Siebente Scene.
(Mathildens Zimmer. — Bett/ worin Mathilde liegt/
zwe» Kerzen brennend / Franziskaner knieend/ Doctor.
Do et. Leise — hm — noch. — Franc, (steht auf)
Vielleicht schläft sie. (Doctor ruckt den Vorhang) —
Math, (stöhnt) Golol Sohn Golo! — Franc. Un-
ruhe nach ihm, — beständig/ - wie dumpf hohl/ —
arbeitet mit der Hand in der Decke. — D oft t. Grft-
Krampf. — Franc. Erstickt — schäumt — bäumt.
Dock. Der Tod liegt nun gewaltig ihr über den Ner-
ven und spannt. — Franc. Hier geistlicher und leibli-
cher Rath umsonst/ — seht / wie gräßlich sie jetzt knirscht.
— Docr. Murmelt. — Math. Ißt dem Gift allein/
hab schon mein Theil verschluckt. — Oh! Oh! Helft!—
Franc. Arme Seele/ dir steh die Gnade bey. — Math.
Ha! DiagoncS! Genovefa! laßt mich — helft! — Doct.
Schwere Nahmen/ Zentnerschwer. — Math. Helft!
Helft! O laßt mich doch nur einmal! Doch nur ein
einzigmal! Oh! — Franc. Zerschlagnes Herz/ Gott
heile dich. — Math. Bist der Waldbruder? Kriech her
unter die Mecke, — wart noch! — Still drunten! —
Tief drunten/ bereiten sie unser Hochzeitbett/ — stille,
daß keine Maus hört/ wenn wir beysammen sind. —
Franc. Sie will auf. — Doct. Die Gicht krümmt
sie. — Math. Sie haben's Kist und Kasten voll / —
sie tischen's uns voll/ — wenn nur deren ihr Gesicht
nicht dabey wäre — deren dort — mir schmeckt nichts —
fort/ gebt ihr ein Stück — haltet ihr die Hände vor,
mag ihre leeren Auglöcher nicht sehn/ — fort / — be-
grabt sie/ bevor cS Tag wird/ stille/ daß es Niemand
weiß — Siegfried nichts erfährt.— Ach ! Oh! Ob! (stirbt)
Docr. Zerschnitten der Faden/ ausgelöscht die Lam-
Pe, todt. — Franc. Gott/ welch ein Ende! — Do c t.
Schrecklich/ wie ich kein'S sah. — Franc. Der Spie-
gel ihres vergangenen Lebens. — Gott/ du Gnadenquell/
richte nach deiner großen Barmherzigkeit/ fasse auf ihre
sinkende Seele. — Doct. Sie hat wichtige Worte fah-
ren lassen, sehr wichtige. — Franc. Wir stehen am
Rande, sie mißt den Weg hin durch daS Land der Ewig-
keit / wo Gott als Richter steht / müssen Menschen
Mwclgen. Rückt den Vorhang und zugleich auch einen
Vorhang über diese traurige Scene. — Doct. Hier
kommt der Ritter.
Goto. Wie steht's mit ihr dort? (zieht den Vorhang
wider weg) — Franc. Verschied so eben/ sie starb ei-
uev schweren Todes/ hat ost vor ihrem Ende nach euch
verlangt. — Golo. Besorgt ihr Leichenbegängnis Ich
kann nicht selbst dabey seyn/ habe mein Wort gegeben/
drüben m Pfelzel zu erscheinen/ muß jetzt dorthin. Or-
drnirt rhr alles / wie ihr's für gut und nöthig findet. —
Franc. Ich unterziehe mich gern dieser Mühe, aber

eure Gegenwart dünkt mich dabey höchst nothwendig und
auch anständig. — Goto. Ein andermal, im Fall wo
ihr wollt — nur diesmal unmöglich, es thut sich nicht,
— auf Pfelzel hinüber muß ich, wir haben nach der
Jagd noch nochwendige Dinge miteinander abzumachen,
Siegfried und ich — eS geschieht eine Gränzabthetlung
uusers Forstes. — Franc. Aber auf einen Tag, was
kommt drauf an? Siegfried wird euch gewißlich ent-
schuldigen. — Golo. Auf eine Stunde, Herr! — ich
sollte schon nicht so lange hier schwätzen. — Morgen ist
HubertuS, den kein braver Jäger ungejagt vorbey läßt,
meine Pferdewechsel sind schon auf diese Nacht bestellt,
morgen bey guter Zeit drüben zn seyn. — Ueberrechnet
die Mühe auch ihr, Doctor, und macht mir nachher
Rechnung, es soll euch nichts schaden. — Franc.
Bleibt diesmal von der Jagd, ich bitte euch sehr. —
Goto. Unmöglich — Jagen ist für mich noch das Ein-
zige, man vergißt so vieles darüber. — Doct. Jagen
ist schon gesund, wie alle Bewegung überhaupt, die
den Körper nicht zu heftig anstrcngt und mit Vergnü-
gen verbunden ist, aber auch alles mit rechtem Maaß
und zur rechten Zeit. — Golo. Da werde der Henker
fertig. AdjeS. (Nb) — Doct. Im Ernst fort. —
Franc. O mein Gott! Noch raucht der Leichnam,
der eben verschiedncn Mutter, und ihr Sohn hat sie schon
vergessen! Was soll's noch in dieser Zeit? Elternliebe,
Liebe zu Gott, wo sind' ich die? — Doct. Wenn ihr
wüstet, was sich die Bedienten des Schlosses einander
hier in die Ohren raunen, mit dem Waldbruder soll'S
eine besondre Bewandniß haben, er hat sich gewiß zu
Trier dem Herzog offenbahrt, der ihn alsbald gegen Go-
lo'S Nachstellungen in Schutz genommen, er soll der
verlohrne Sohn einer großen Familie seyn, den dieser
Strudel Mathilde, die alles was' ihr nahe kommt in sich
zieht, verschlungen. Man spricht Dinge davon, die
eines Ehrenmann s Zunge nachzusprechen sich schämt,
unter dem Vorwande geistlicher Uebung, trieben sie sich-
rer ihr unzüchtig Spiel. — Franc. O Schande! Er-
röthe die Erde, die solche Ungeheuer trägt! Das Ge-
wand , das frommer Andacht gewöhnt ist / so zu enteh-
ren, so den Bußrock zur geilen unzüchtigen Buhldecke
besudlen! — Ach! Ach!— Doct. Die Zeit bringt
doch alles endlich ans Licht. — Laßt uns, es ist spät/
die Nachtglocke wurde lange schon geläutet. — Franc.
Was für ein Lärm unten? — draußen, — wer schreit?
(Bedienter stürzt herein.) — Bedt. Feuer! Feuer!
das ganze Schloß in Flammen! — Doct. Wo rett'
ich mich? Hülfe! (läuft ab) — Franc. Gott, woher?
Wo ist Golo? — Bedt. Vor einigen Minuten fort
Pfelzel zu. — Flieht! Rettet euch! — Franc. Wer
kommt da? — Bedt. Ob! er ist's! der verstellte Wald-
bruder mit der Mordfackel, — stiebt, rettet euch —bald,
bald, lab) — Franc. O Wallrod von Sponheim was
macht ihr hier? Im Nahmen Gottes, steht, sagt! (hält
das Cruisicr vor) .
(Wallrod mit Fackel und Dolch inRitterkleidung.)
— Hinweg wer Tod und Verderben nicht sucht! fort!
reizt mich nicht zu neuen / habe schon zu viel Sünden
auf mir. — Franc, Kehre wieder, verlohrnes Schaaf
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