Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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So redet er zürnend, vnd vor ihm nieder,
Kniet weinend die arme Klausnerin /
Und fleht, gieb mir den Geliebten wieder^
O fuhr' mich wieder ins Leben hin.
Der Alte spricht ruhig in jener Klause,
Die gestern mein Dach gewesen ist.
Ist Andacht und Friede wohl mehr rir
Hause
Da wohnet wohl ein beßrer Christ.
Da wohnet ein Jüngling, fromm uud
stille,
Und thuet Gutes, ist ohne Tand,
Er wählte durch der Geliebten Witte
Sich also stlnver betrübten Stand.
Die Klausnerin jammert und ringet die
Hände,
Und will nicht bleiben, will zu ihm hin,

S sage mir Greis, wohin ich mich wenden
In welchem Thale stnde ich ihn.
Es weinet der Alte, so tief gerührel
Hat ihn der ird'schen Liebe Streit,
Es schmückt sich die Holde, als Brant ge-
rieret
Steht sie im braunen seidnen Kleid,
Und hastig zieht sie ihn von der Schwelte,
Witt mit ihm nach dem Thale gehn,
Die Nacht ist so r-uhig, -er Mond so Helle,
Der Greis bleibt bey den Rosen stehn»
Und bricht die Rosen, und knieet nieder
Ein JLmgli.rg vor der geliebten Braur,
Sie kann ihn umarmen, und wieder, wie¬
der,
Sie weint so stille und lacht so laut.





Schlaf' wohl. » mein Liebchen auf seinem
Mooße,
Die Zeit bringt Rosen, o süße Zeit:
Das Einsiedlerröckchen ist leichrund istlose-
Der Himmel so nahe die Wett so weit,.

Aus, qufch mein Liebchen, ich Witt uns
bringen,
Zur Freude hin, geschwind nste der Wirr-,
And auf die gesattelten Hirsche sich schwin-
gen. - >
Der Jüngling und sein getreues Kind.

Es fliehen die Berge, es fliehen die Haine,
Die Städte stehen, und sehen nach,
Dann setzt er sie nieder und küßt sie am
Rheine,
O Liebchen, wer flöhe den Bevden rricht
nach.
Clemens Brenrano.

Die geistliche Spinnerin.*)
(Hierzu die Kupfertafel.)

Groß Gnad und Barmherzigkeit sey mit der hoch ge-
lobten und weitberühmten Wittwen Elisabeth/ die da
gewesen ist ein Herzogin und Landgräsin- von Hessen.
Wiewohl sie eine Königin war der Geburt/ denn ihr
Vater war ein König zu Hungarn / und kam sie doch
von Gottes Gnade zu solcher Armuth / daß sie sich mit
ihren eigen Händen mußt ernähren. Was sie leiblich
gespunnen hat/ drückt die Historie aus/ was sie aber
geistlich gespunnen hat inwendig in ihrer Seel/ und wie
ein andächtige Seel spinnen soll/ darauf will ich mein
Red kehren. Und zu Beßerung, wenn ich anseh das
Spinnen Elisabeth / so begegnet mir ein ander Spinnen
das sie gethan hat/ und ein jeglich Seel thun sM WaS
ist daffelb Spinnen? Nichts anders dann ein ernstliche
Betrachtung göttlicher und geistlicher Ding/ wie ein
Mensch die Sprudel erwischet oder begreift/ und sie
schlägt an das Werk der Kunkel/ und heftet mit seinen
Fingern an. Also ein bettachtende Seel schlägt ihre
Finger an zu ersuchen um zu vernehmen was Gott anbc-
trifft, Nun wohlan: was hat gespunnen die andächtig Wit-
tib Elisabeth? Sie hat sich selb gespunnen einen Mantel
inwendig an ihrer Seel mit den Fingern ihrer Betrach-
tung; mit welchem Mantel sie hat bedeckt all ihre Sund/
in welchem Mantel sie ist erschienen vor dem Angesicht
dcS allmächtigen Gottes und vor allem himmlischen Heer,
Was ist dieser Mantel? Es ist nichts anders dann chri,!-
*) Indores ruos äisperrit «t äeäit psuperiLvs, iäeo juLÜtis ejus
CLru»x1rtri» ro reculur» teouli eie.

liehe Lieb/ damit bedeut muß werden alle Sund; wer
dies Kleid an hat/ der wird fröhlich eingelassen iu die
ewige Seeligkeit.
AuS de;n Buch Granatapfel / von Zoh.
Gayler von Kaysersperg.

Von dem Leben und Sterben des' Gra-
fen Gaston Phöbus von Foip, und-
von dem traurigen Tode des Kindes
Gaston^
(Fortsetzung. Vergl. 11. Stücke)

IV. Don einem Nachtkämpfev und einem
bezauberten Bären.
Noch oft sah ich den Edelmann/ der mir solches er-
zählt auf dem Schlosse von Foip / und einiiens fragte
ich ihn/ warum doch Messire Pierre de Bearn/ der mir
ein gar tapferer und reicher Herr schien/ nicht verhey-
rathet sey. Verheyrathet ist er wohl sprach er/ aber
seine Frau und seine Kinder wohnen nicht bey ihm.
klnd warum das? sprach ich da. Das will ich euch
wohl erzählen sagte der Edelmann. Messire Pierre de
Bearn hat die Gewohnheit/ daß er Nachts aus dem
Schlgf erwacht/ aufsteht/ sich bewaffnet/ fernen Degen
zieht/ um sich her kämpft/ und man weiß nicht gegen
wen / was denn sehr sorglich ist. Aber seine Diener/
die in seiner Stube schlafen und ihn bewachen/ sprin-
gen dann auf/ wenn sie ihn so fechten sehen und sagen
ihm/ was er treibt? Er sagt dann aber zu ihnen/ ev
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