Zeitung für Einsiedler: newspaper — Heidelberg, 1808

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Die Einsiedlerin.
D lasse Geliebter mich einsam leben!
Dem Tode bin ich früh geweiht,
Ich kann dir nicht Friede nicht Freude ge<
ben.
Doch beten für dich in Einsamkeit.
Ick) rvitt dir Geliebte dein Zellchen bauen -
Mein Herz ist einsam und dir geweiht.
Und durch meine Augen kannst du wohl
schauen
Den Hinunel so nah, die Welt ft weit.
Die Arme, ich Witt sie dicht um dich schlin-
gen,
Wie Liebeszweige, an Früchten schwer.
Die Lippe, sie soll dir wie Echo klingen,
Wie Vöglein springen mein Lied umher..
Dein Händchen, o legs an mein Herz, eS
schlaget
2m Busen mir ein lebend'ger Quell
Und wie sich in Liebe Liebe beweget,
Springt er dir entgegen so freudig Helt,
Du Lannst nicht lieben, nicht glauben, so
ziehe
So ziehe nur hin in deinen Tod,
Die Sonne schien in dein Bettchen zu
frühe,
Verschlafe nur nicht dein Abendroth.
Noch alle Tag ist's nicht Abend geworden.
Mir bringet die Zeit noch Rosen einst,
Ich ziehe nach Süden, leb' wohl in Nor-
den,
Du lachst mir noch, wie du nun weinst.
Und hinter dem Berge der Freund ver-
schwindet,
Die Sonne geht durchs Himmelsthor,
Sein Bündelchen traurig das Mädchen
bindet,
Steigt mit -em Mond am Berg empor.
Es stehen die Wälder so stille, stille,
Des Berges Ströme sausen wild,
O stärke den Murv mir, stark ist der Wille,
So betet sie am Heilgenbitd.
Da läutet im Winde ein SLlberglöckchen,
Sie tritt in die Zelle von Rosenholz,
Und nimmt das hraunseidene Klausnerröck-
chen,
"gt an die Demuth, legt ab den Stolz,

Und wie sie die bunten Kleider hinleget,
Schlägt ihr das Herz im Busen laut.
Die Flöte der Wanduhr so sanft sich re¬
ger,
Und singt das Nachtlied der Himmelsbraut,
»Gut Nacht, o mein Liebchen, auf seidnem
Mooße,
„Ach wie so sehnend die Nachtigall singt,
„Am Fensterchen glühet die treue Rose,
„Die Rose, die einst die ZeLt mir bringt.«
„Ich mußte -Le Hütte, -en Garten geben,
„Zu bauen dein Zellchen so schön und fein,
„Und muß nun wie du in der Wildniß le-
ben,
„Mit meirrex Sehnsucht so einsam seyn."
„O Liebchen schlaf wohl, von deinem
. Schooße,
„Fällt klingend der perlene Rosenkranz,
„Es schläft nicht der Treue auf seidnem
Mooße,
„Ihm flicht wohl die Liebe -en Dornen-
kranz,"
So singt ihr die Flöte, -och verstehen
Kann Liebchen nicht deS Liedes Leid,
Der Liebe Birten, der Liebe Flehen,
Scheint ihr das Lied der Einsamkeit.
So lebt sie lange, ungeschmücket
Die Tage hin, die Nächte hin,
Und schon die Rose sich niederbttcket
Sieht nicht mehr nach der Klausnerin,
Die Stürme sausen in wilden Nächten,
Wohl lauter als die Flöte sang,
Im Walde die Hirsche brünstig fechten
Die Welt wie wild, die Zeit wie lang.
Und sitzet sie traurig an der Thüre,
So eilen auf verschlungner Bahn
Die Rehe paarweiß, die scheuen THLere
Und stehen still und sehn sie an.
„O Zeit o wolle die Rosen brechen,
„Wie einsam ist Liebchen, wie allein,
„In Sehnsucht will ihr das Herz zerbre¬
chen, «
So schreibt sie ost auf Läfelein.
Und heftet sie dann an die Geweihe
Der Hirsche, die sie zahm gemacht,
Und mustert sie ängstlich nach der Reihe,
Ob keiner Antwort ihr gebracht.

s i c d l e r,
31. Mai.

Weint Liebesthränen, schlingt durch die
Locken
So weltlich den verlernen Rosenkranz,
Und schürzt das Röckchen, schmückt ihre
Socken
Mit Waldes Blumen, mögt gern zum
Tanz.
Und regen die Büsche im Mond sich Helle,
Und flötet die Nachtigall süß und mild,
So kann sie nicht schlafen, steht an der
Zelle,
Und glaubet/ sie sähe des Lieben Bild.
Umarmt die Bäume mit Liebesgeberde,
Und reicht den blühenden Zweigen die
Hand,
Und kühlt sich den Busen an kühler Erde,
Und zeichnet sein BUdniß in reinen Sand.
Oft hebt sie die Füßchen, sie tanzt so gerne
Und beißt sich die Lippen, sie küßt so gern.
Am Himmel da stehen so ruhig die Sterne,
O weh mir wie einsam, die Liebe ist fern.
So eilet -er Frühling, der Sommer ge¬
het,
ES senken die Büsche das grüne Dach,
Und sie wird nicht ärndten, die nicht gesäet.
Nicht ruhig schlafen, die Reue ist wach.
„Du hast reicht geglaubt, nicht geliebt, so
blühe,
„Verblühe nur hin in deinen Tod
„DieSonne schien in deinBettchen zu frühe,
„Verschlafe nur nicht -ein Abendroth.«
So wiederholt sie im Traum seine Worte
Es pochet im Herzen, ia poche nur,
Sie gehet im Traume wohl an die Pforte,
O Wehe es pochte im Herzen nur:
Sie weinet getäuschet, und bleibet stehen,
Da tönen Worte zu ihr hin,
O laßt otm' Obdach mich nicht gehen
Gott lohnt euch, fromme Klausnerin.
Sie öfnet die Thüre, in lauter Freude
Kann sie nicht reden, ihr Auge bricht,
In Liebesthränen, und Freud und Leide,
Denn ach es ist -er Geliebte nicht.
Und wie sie so weinet, steht still der Alte
DaS Haupt gesenket, blickt sie nicht an,
O Jungfrau verzeih', daß ich krank dich
halte,
Du bist wohl der Welt noch zugetha».
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