Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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citung für Einsiedler.
1808. ' 2 — -22. Juni.
oorrstae) ^esser^'nuL Bokker, T^e^ser/ers O^a/o^rs /r/ü/i, per/mer/ Irr', to^e/'s, «k^ue paernr, ourn ^erKr/rett's0?ienr
Ln/str- co/r^r>o /Xü^s^ek. ^n» Zrr/L. ncrl. L. ca/2. 27, ec/. A

Geschichte des ersten BärnhäuterS.
(Fortsetzung.)

V. Auflösung der gelehrten Thiergesell-
schaft, Bernhäuter privatisirt, Mes-
salinus Cotta der breite Gänsefüßler,
Heurathsvors ch läge.
Als die sieben Jahre beynahe mn waren, kam der
Leusel, seine Reitschule einmal zu visitiren, und fand
allerdings alles zu seinem Vergnügen. Des Bernhäu-
ters Haare waren lauter Höllenzöpfe geworden, sein
Batt schien an Unlust ein dichter Filz (daher die Er-
findung des Hutsilzes) seine Nägel glichen Adlers-
klauen, rmd war er sonstig also beschaffen, daß man ihn
nur zu ackern brauchte, um auf ihn zu säen, ja das
Ebenbild Gottes war genugsam verloschen, um in ihm
ein geschmackvolles Kunstwerk zu bewundern. Der Teu-
fel fand es nun für gut, den Bernhäuter, dessen er sich
genugsam versichert glaubte, nebst der ganzen gelehrten
Gesellschaft auseinander gehen zu lassen, damit die brod-
loscn Künste und Wissenschaften mehr um sich greifen
Möchten, und das machte er sehr einfach, indem er die
Einfuhr des Tabacks verbot, und das Bierbrauen als
seine Erfindung sich allein vindizirte, das Brandweinbrcn-
ncn aber untersagte, und das viele zurückbleibende Com-
misbrod an den Meistbietenden verkaufen ließ, da Ver-
lobten sich sehr bald die gelehrten Thiere und gieng die
Kunst damals zuerst nach Brod, was nachmals ein betrete-
ner Viehweg geworden. Dem Bernhäuter steckte er beyde
Hosensäcke voll Dukaten und Pistolen, und befahl ihm,
alles zu treiben, was ihm wohl und dem Geld weh
thäte, da aber die sieben Jahre des ContraktS noch nicht
um waren, durfte er in seinem Lebenswandel noch
nichts verändern, und wurde darum seiner großen Ab-
scheulichkeit wegen, von niemand ausgenommen, was
ihn gar traurig machte. Da kam er endlich zu dem be-
rühmten Wirthshaus, wo der Wolf den Gänsen predigt,
und ward von dem Wirthe, als er ihm eine Handvoll
Duplonen zeigte, unter dem Namen eines Iloinme äs
lettl-es ausgenommen und gut bewitthet, doch mnßte er
iu einem besonder» Zimmer esse» und wohnen, um die

Gänse nicht aus der Predigt zu verscheuchen. Als mm
der Teufel wußte, daß nächstens ein sehr edler Herr in
dem Gasthaus einkehren würde, eilte er in der Nacht zu
dem Bärnhäuter, und machte an die Wände seines Zim-
mers die Kontrafaits von allen berühmten Leuten, die
gttlorben, die noch lebten, und die noch gebohren wer-
den sollten, recht vortrefflich nach der Natur. Als zum
Beyspiel das Bild des KainS, Lamechs, Nimrods, Nini,
AoroastriS, der Helena, der trojanischen und griechischen
Helden, nicht weniger SesostriS, Nabuchodonosoris,
Cyri, Alexanders, Cäsars, NeroniS, Caligulä, Maho-
metS, SchelmufskiS, -eS Bruder Grafen, Gottscheds,
ü. s. w. vor allem aber das Bild des edlen ManneS,
der dahin kommen sollte selbst, worüber der Wirth sich
sehr verwunderte, besonders als der Bernhäuter alle-
dieses für seine Arbeit ausgab. Gegen Abend kam an-
geregter edler Herr in dem Wirthshauße an, wo er sehr
oft mit dem Wolf Geschäfte hatte, denn er war nie-
mand anders als jener berühmte Römer Meffalinus
Cotta, Meßalä des Wohlredners Sohn, von welchem
Plinius schreibt: llist. nat. über X. eap. 27. daß er
die breiten Gänsefüße so wohlschmeckend und süß zu be-
reiten wußte, welche er im Land hemm, und vorzüglich
hier aufkanfte. Als er den Wirth um Neuigkeiten fragte,
erzählte ihm dieser von seinem seltsamen Gast, dessen
Aufzug, Mahlcrkunst, und großem Reichthum. Nessa«
linuS Cotta konnte nur durch den Augenschein überzeugt
werden, und da er besonders sein eignes Portrait in ei-
ner delikaten Kreidezeichnung, wie er eben einige breite
Gänsefüße in der Pfanne schmort, andere an der Sonne
trocknet, erblickte, wurde er mit einem panischen Selbst-
gefühl erfüllt, und sprach, nachdem er von seinen eig-
nen uneigennützigen Bemühungen für die Repubik ge-
sprochen, auch mit Achtung von dem Künstler, der sich
besonders in dem leichten Hauch, der über den Gänse-
füßen schwebte, gezeigt hatte, denn das Ganze war ein«
Wtnterlandschaft, und sah man in dem Schnee, der
Ellendicke örauf lag, die Fußstapfeu.aller Thiere, wie
sie der Hirt zmii .Thor hinaus treibt. Er sprach zum
Beruhäuter, du mußr eine wunderbare Kunst besitzen,
daß du mich selbst aus der' Einbildung so gezeichnet;
fteylich, antwortete der Beruhter, weiß ich mehr al-
mancher andre. — Wer bist du? — bin der ObriA
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