Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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cttung für


Einsiedler.
- «»
——-11. Mai.

Nah' ist
Und schwer zu fasten der Gott.
Und wenn die Himmlischen jetzt.
So wie ich glaube, mich lieben.
Wie vielmehr Dich,
Denn Eines weiß ich,
Daß nehmlich der Wille ,
Des ervigen Vaters viel ,
Dir gilt. Srill ist sein Zeichen

. Am donnernden Himmel. Und einer steher darunter
Sein Leven lang. Denn noch lebt Christus»
Es sind aber die Helden, seine Söhne,
Gekommen all und heilige Schriften
Von ihm und den B!is erklären
Die Thaten der Erde bis jetzt,
ßin Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabey,
Denn seine Werke sind
Ihm alle bewußt von jeher. Hölderlin.


Der gehörnte Siegfried und dir Nibelungen,
von I, GdrreS.
HI.
Di« zwölfSäulen amRiesenwege.

Fassen wir genauer das Bild ins Auge, das wir in
jenerSage eben an uns vorübergehen sehe»/ dann dringt
sich ein merkwürdiges Resultat uns auf. Zunächst er-
giebt sich / daß das Ganze ans eigentlichen teutschen Ge-
dichten ruht/ die hier nur in Prosa aufgelöst, und in
Form eines Romans gebracht erscheinen. Ausdrückliche
Zeugnisse dessen, der die Paraphrase unternommen, hier
und da durch das Buch zerstreut, bestättigen diese An-
nahme. So sagt er i>. 44§ bey Gelegenheit des Zuges
von König Jsung nach Wilkinaland, wo die Königin
Ostaeia ein Heer von wilden Bestien durch ihren Zau-
der ihm cntgegeusandte: „Teutsche Liederbeschreiben,
wie sie ein Heer von Wehrwölfen gehabt, und selbst als
Drache dabey gewesen sey": dann heißt eS auch wieder
x. 494 gegen das Ende der Nibelungen: „Denkwürdig
sind die teutschen Berichte der Einwohner von Susa
(so heißt hier Attila's Hauptstadt), die erzählen,
was Alles damal sich zugetragen. Sie bezeugen den Tod
Hagene'S und Jrungs; weisen den Kerker noch,
worin König Günther starb; den Garten, der von der
Niederlage noch jetzt der Nibelungen Garten heißt. Auch
andere glaubwürdige Männer von Münster und Bre-
m e y haben, ohne von jenen etwas zu wissen, mit der
treffendsten Uebcreinstimmung alles beynahe mit densel-
ben Umständen beschrieben, Daraus ergiebt sich die unbe-
zweifelte Wahrheit der VplkStraditionen, die man in
Gedichten teutscher Sprache zur Verherrlichung
der Thaten großer Männer zu singen die Sitte hatte."
Wieder an einem andern Orte: „die teutschen Ge-
dichte reden von dem blutigen Streite Dieterichs
und der Niflunger, und wie das Schwert Eckisax
auf dm Helmen geklungen; endlich im Zorne sprühte

Dieterich Feuerfunken, daher der Ursprung der Sage,
Hagen es Panzer sey glühend davon geworden."
Unter diesen Gedichten waren nun auch, wie sich aus
der Vergleichung ergiebt, die Nibelungen; und andere,
die sich mit etwas veränderten Formen im Held en bu-
che, in den Dänischen WiSkerS und der Edda erhalten
haben. Betrachten wir unter dieser Voraussetzung die
innere Construction der Sage, und sehen wir auf den
genauen und innigen Zusammenhang, in dem alle Thet-
le derselben ineinander greifen; wie sie keineswegs blös
durch einen zufälligen äußern Faden verbunden sind,
neben einander gestellt etwa durch die Wrllkühr
des Sammlers, sondern wie ein inneres Band sie in sich
selbst zu einem OrganiSm verknüpft, in dem Jedes
mit dem Andern und dem Ganzen auf eine solche Weise
verkettet ist, daß immer das Erste sich auf das Letzte und
hinwiederum zurück bezieht: dann steigt die Wahrschein-
lichkeit uns auf, daß die Sage keineswegs auf'eine Rei-
he nur lose untereinander verbundener Romanzen sich
gründe, sondern daß ein großes kolossales Gedicht ihr
unterliege, in dem die Nibelungen nur em Gesang ge-
wesen sind, während Trümmer der Andern im Helden-
buche und sonstwo sich erhalten haben. Wir würden
dann, ausgehend von dieser Annahme, und verfolgend
die Spuren der Gliederung, die unverkennbar durch das
Werk durchgehen, das Ganze etwa so eintheilen, -aß
im ersten Gesänge die Erzählung von Dieterich und
Hildebrand das Gedicht begonnen habe, dann Iltee
Gesang Delent und Vidga diesem sich angeschlossen,
III Osantrix und Attila, IV Detlef und Si-
gurd von Griechenland, V Dieterichs HülfSzug nach
Hunnenland,. VI Sigmund und Sigurd fwen,
VII Der Zug -er dreyzehn Helden nach Bertaogelland,
VIII Jron Jarl und Salomon, IX Sifka und
Ermenrek und Dieterichs Vertreibung, XZug nach
Italien mit den Hunney, XI die Nibelungen, XII
Diererichs Rückkehr. So würde das Ganze also in
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