Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Ei nsiedler.

1808.-

»9

- 4. Juny.

Die smaragdene Tafel des Hermes TrismegiKus.
1. Wahr ist es ohne Lügen, gewiß und aufs atterwahrhaftigste.
2. Dasjenige, welches unten ist, ist gleich demjenigen, welches
oben ist: "ttd "ben ist, ist gleich demjeni-
gen, welches unten ist, um zu vollbringen die Wunderwerke
eines einigen Dinges.
3. Und gleichwie von dem einigen Gott erschaffen sind alle Din-
ge, in der Ausdeutung eines einigen Dinges: also sind von
diesem einigen Dinge gebohren alle Dinge in der Nachah-
mung.
4. Desselben Dirrges Vater ist die Sonne, desselben Mutter ist
der Mond»
5. Der Wind hat es hi seinem Bauch getragen.
6. Desselben Dinges Amme ist die Erde.
7. Bey diesem einigen Dinge ist der Vater aller Vollkommenheit
irr der ganzen Welt.
8. Desselben Dinges Kraft ist ganz beysammen, wmn es in Er-
de verwandelt worden.

9. Die Erde mußt du scheiden vom Feuer, das Subtile vom Gro,
den, lieblicher Weise mit großem Verstände.
IS. Es steigt von der Erde gen Himmel und wieder hernnter zur
Erde, und empfängt die Kraft der obern und untern Dinge.
11. Also wirst du haben die Herrlichkeit der ganzen Welt. Dero-
halben wird von dir weichen aller Unverstand. Dieses einige
Ding ist von aller Stärke die härteste Stärke, weil es alle
Subtilitäten überwinden, und alle Festigkeiten durchdringen
wird.
12. Auf diese Weise ist die Welt erschaffen.
13. Daher werden wunderlich Nachahmungen semr, bereu Weise
hier beschrieben ist.
1--. Und also bin ich genannt Hermes TrismegLstus, der ich besitze
die drey Theile der Weisheit der ganzen Welt.
15. Was ich gesagt habe von dem Werke der Sonnen, ist gan-
vollkommen, daran fehler nichts.
Mitgetheilt von I. Görres.


Der steinerne Bräutigam und sein Liebchen. *)
Sonnet.

Die Ev Heustaude.
Ich muß den To-ten an mein Leben binden,
umschlingen ihn, wie wir uns einst umschlangen,
Und lebensaugend wieder an ihm hangen,
Und wieder er in mir sein Leben finden :
Der Warrthurm.
Nicht kann er meiner Fesseln sich entwinden,
Und nickt dem Schoß, aus dem er aufgegangen;
Den Steingebohrnen muß der Stein umfangen.
Und Leben muß im starren Tode schwinden.
Der Pfalzgraf.
Fest angeschmiedet hier im engen 'Räume
Erblick ich nichts, dock fühl ich Morgenwehen,
Und wie es mich umschlingt mit Liebesbebenr

») Am Wartrhurm des Heidelberger Schlosses steht in eirwr Ni-
sche die Starüe eines Pfalzgrafen fast ganz von emer Epheu-
staube überwachsen, die sich an ihn schmiegt wie an den -le-
benden die Geliebte. Und warum sollte auch nickt, was ver-
eint dem Lickt entfloß, und dann fick trennte, um unter tau-
sendfacher Form immer herrlicher wieder ineinander zu mes-
sen; warum sollte es sich nicht auch finden und erkennen kön-
nen, als Stein und Pflanze? — So entstand dieses Sonnet,
in dem der Thurm das Fatum und der dieiem obliegende
Engel der Liebe den Evilogus spielt. Nehmt es, ihr Lreben,
zum Gedächtrriß der schonen Momente unsers Erkennen» gü-
tig auf:- W,

Der Engel.
Gelobt sey Gott im Thal und auf den Hohen,
Der der Gestalt sich ossenbahrr im Traume,
Und eint, was ihm entquoll, das Doppelleben! —
Werner.

Die grausame Schwester.
Alt von der Schottischen Gränze. Ucbersetzt von
Henriette Schubert-*)
Es wohnten zwen Schwestern in einem Schloß,
Binnorie, o Binnorie;
Um die bewarb sich ein Ritter groß,
Bei dem muntern Mühldamm von Binnorie.
Er warb um die ältste mit Handschuh und Ring,
Binnorie, o Binnorie;
Doch dre jüngste liebt er über jegliches Ding,
Bei dem muntern Mühldamm von Binnorie.
Er warb um die ältste mit Spieß und Sch werbt,
Binnorie, o Binnorie;
Doch die jüngste war ihm sein Leben werrh,
Bei dem muntern Mühldamm von Binnorie.
Die älteste fühlte Verdruß und Pein,
Binnorie, o Binnorie;
Und neidete sehr ihre Sckwestcr fein,
Bei dem muntern Mühldamm von Binnorie,

*) Ucber das merkwürdige in Deutschland noch unbekannte Werk
ot tlre 8cotl» 6oräer5 III Vvl.» woraus dies eine
Probe: künftig einiges Historische.
Einsiedler.
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