Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Zeitung für
18 08.-—,
Zwey Särge.
Zwey Särge einsam stehen
Lief im zerfallnen Dom,
König Ottmar liegt in dem einen,
Im andern der Sänger fromm.
Der König saß einst mächtig
Hoch auf der Vater Thron;
Ihm liegt das Schwcrd irr der Rechten
Und auf dem Haupte die Kron.
Und neben dem stolzen König,
Da liegt der Sänger traut,
Man noch in seinen Händen
Die fromme Harfe schaut..
Die Burgen rings zerfallen,
Schlachtruf tönr durch das Land —
Das Sckwerd, das regt sich nimyltp
Da in des Königs Hand.

Einsiedler
. .18. Mai.
Die drey Lieder.
In der hohen Hall' saß König Sifrid:
„Ihr Harfner; wer weiß mir das schönste Lied
Und ein Jüngling trat aus der Schaar behende,
Die Hgrst in der Hand, da- Schwerd an der Lerche»
„Drey Lieder weiß ich; den ersten Sang,
Den hast du ja wol vergessen schon lang:
Meinen Bruder hast du rneuchlings erstochen?
Und aber: hast ihn meuchlings erstochen!
Das andr.e Lied, das hab' ich erdacht
In einer flüstern, stürmischen Nacht:
Mußt nliLDür fechten auf Leben und Sterben!
Und aber^nußt fechten auf Leben und Sterben!"
Da lehnt* er die Harfe nwl an den Tisch,
Und sie zogen beide die Schwerder frisch,
Und fochten lange nut wildem Schatte,
Bis der König sank in der hohen Hatte,
„ Nun sag' ich das dritte, das schönste Lied,
Das werd' ich nimmer zu singen nmd:
König Sifrid liegt in scim rothen Blute!
ttnb aher: liegt in seim rothen Blute!«
Ludwig Uhlan»,

Blüthen und milde Lüfte
Wehen das A)al entlang -»
Des Sängers Harfe tönet >
Sn ewigen; Gesang,

JustlnuS Kernet,


Goto und Genovefa,
ein Schauspiel in fünf Auszügen/
vom Maler Müller.
(Fortsetzung.)
- - — —.
Genovefa. Dachte an ihn/ meinen Gemahl/ wo
vnter'm weilen Sternenhimmel -der jetzt ruht. (Küßt ihre
H>md> winkt vorwärts.) Flieg hin zu ihm/
Borg' Flügel vom Wind/
Den schon Lieben bald sind''
Math. Ha ha ha.'
Genov. Warum —
".Math. Das arm? Küßchen dauert mich/ solltet
Mm ein Mäntelchen mitgehen / damit's nicht so weiten
Weg's durch die Nacht hin friert und am Catharr oder
Cchnupfen wie halb stücke Vögelchen zu Grunde geht.
Genoy, Wäre mir doch leid drum. .
Math. Mir auch. Sy einem verschmähten Küß-
chen thut'S wehe/ wenn's vielleicht wärmem dort wei-
chen muß. . - .
Genov. Wie versteht ihr das?
Math. Wäre denn das so was Ungeheures / Uner-
hörtes? Wer kennt der Männer Puppenspiel ganz mit

uns armen Weibern? Auf Sand gebaut/ wer Männern
traut/ ist kluger Weiber Denkspruch/ darin sie den Trau-
ring binden/ und unter'm Gürtel fest am Fischbein tra->
gen/ bis ein oder der andere pfiffige Ritter das Räthsel
versteht/ ihn da weg zu praktiziren/ dann ist eö auS/
und das Sprüchwort trillt um.
Genov. Was regt sich durch's Gebüsch drunten?.
Math. Der Wind. - r,
Genov. Die Sterne wie klar.
Math. Stimmen nun all auf einen Lobgesang für
ihre schöne Genovefa. . .
Golo/Adam/Brandfuchs/DragoneS
und Andre / Unten.
Golo. Greift euch jetzt an! daß ftinex fehlt!
Chor. Klarer LiebeS-Sterii/
Du leuchtest fern und fern
Am blauen Himmelsbogen;
Dich rufen wir heut alle an/
Wir sind der Liebe zugethan/
Die hat uns ganz und gar zu sich gezogen.
2 Stimmen. Still und hehr die Nacht/
Des Himmels Augen-Pracht
Hat nun den Rechn begangen.
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