Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Zeitung für Einsiedler.
1808. ' 36 -27. August.

Sieh viese heil'ge Waldkavell!
Sie ist geweiht an selber Stell,
Wo Geßlers Hochmuth Test erschoß,
Und edle Schweizer Freyheit sproß.
Hubertus habe Dank und Lohn,
Des wackern Waidwerks Schutzpatron!
Test klomm, ein rascher Jägersmann,
Die Schluft' hinab und Alpen an.
Den Steinbock hat er oft gefällt,
Der Gem? in Wolken nachgestellt;
Er scheute nicht den Wolf und Bär,
Mit seiner guren Armbrust Wehr.
Da rief ibn Gott zu höherm Werk
Und gab ihm Muth und Heldenstärk.
Vollbringen sollt' er das Gericht,
Das Geßlern Todes schuldig spricht.

§Wenn so wacker ist dein Herz,
„Zaide, als dein Hochmuth prahlend,
„Und nach Maassen deiner Hände
„Du den Worten gönnst zu flattern;
„Wenn du in der Vega kämpfest,
„Wie du redest bey den Damen,
„Und auf deinem Rosse wendest
„So den Leib, als in der Zambra;
„Wenn den Anstand aus Turnieren
„Du bewahrst im Spiel der Lanze,
„Und, wie tanzend schön die Toca,
„Schön auch mit dem Säbel tanzest;
-Wenn gewandt du bist im Kriege,
„Wie zu sprengen durch die Strassen,
„Und wie du auf Feste sinnest,
„Gleichen Eifer's sinnst ausSchlachten;
„Wenn du so wie höf'schcn Zierrath
„Tragen magst den lichten Panzer,

Tells Kapelle
bey K u ß n a ch t.
Hier in dem Hohlweg kam zu Roß
Der Landvogt mit der Knechte Troß;
Tell lauschet stilt, und zielt so wohl,
Daß ihn sein Volk noch preisen soll.
Die Senne schnellt, es faust der Pfeil,
Des Himmels Blitzen gleich all Eil:
Cs spaltet recht der scharfe Bolz
Des Geßlers Herz, so frech und stolz.
Gepriesen fey der gute Schütz,
Er ist für manches Raubthier nütz.
Sein Äug' ist hell, sein Sinn ist frey,
Feind aller Schmach und Drängerey.
Sein bestes Ziel ist ein Tyrann,
In aller Menschen Acht und Bann.
Kein Forstrecht, kein Gehege gilt
Zu Gunsten solchem argen Wild.
Ausfoderung.
Spanisch.
„Und aufs Schallen der Trompete
„Hörst wie aus der Flöte Schallen;
„Wenn, gleichwie bei lust'gen Spielen
„Rüstig du die Röhre warfest,
„Auch im Felde du den Gegner
„Niederstürzest und mishandelst;
„Wenn in s Antlitz du erwiederst,
„Wie du Hinterm Rücken sprachest,
„Komm heraus, ob du dich schirmest,
„Wie du schmähest im Alhambra.
„Und wofern du's nicht allein wagst,
„Wie es der thut, der Dein warret,
„Komm mit Einem deiner Freunde,
„Daß er helfend dich bewahre.
„Nicht ist's guter Ritter Weise,
„So in: Pauast, als bey Damen
„Sich der Zunge zu bedienen,
„Denn es schweigen dort die Arme.

Drum ehrt die heil'ge Waldkapels,
Allhier geweiht an selber Stell',
Wo Geßlers Hochmuth Tell erschoß,
Und edle Schweizer Freyheit sproß.
A.W. Schlegel,

Alte Aufschrift
in Basel.
Demuth hat mich lieb gemacht,
Lieb har mich zu Ehr gebracht,
Ehre hat mir Reichtlmm gebeut
Reichthum rhat nach Hochmuth streben,
Hochmuth stürzt in Elend nieder,
Elend gab mir Demurh wieder.
Mitgetheilt vom Hrn. Hosr.
Blumenbach.

„Aber hier, wo Arme sprechen,
„Komm' und sieh nun dessen Sprache,
„Der in König's Gegenwart
„Schwieg, von Ehrfurcht still gehalten."
Dies des Mohren Tarse Schreiben,
Welchen Zorn und Wut!) so fassen,'.'
Daß, wo er die Feder hinsetzt,
Er das zarte Blatt zerspaltet.
Einen seiner Pagen rufend,
Sagt er ihm: Geh' zum Alhambra,
Gleb geheim dem Mohren Zaide
Dieses Blatt voll meinen Händen.
Sag' ihm auch, ich warte seiner
Dorten, wo die schnellen Wasser
Des cristallenen Xenil
Den Generalise baden.
P el legrin.


Scherzendes Gemisch von der Nachahr
mung des Heiligen.
(Fortsetzung.)

Worin der Geist gefangen haust.
Dem wird nimmermehr Nuhe zusagcn,
Der hört noch nicht,
Der sieht kein Licht,
Er wähnt sich Gort,
Weis viel von sich zu sagen.

Wer nie mit wilder Faust
An die eherne Glocke geschlagen.
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