Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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cirung für

Einsiedler.

Der Brocktophantasmist.
Ihr seyd noch immer da r Nein das ist unerhört.
Verschwindet doch ! Wir haben ja aufgeklärt.
Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel,
Wir sind fo klug und dennoch Huckt (der Schlegel)
Wie lauge hab ich nicht am Wahn hinausgekehrt
Llnd nie wirds rein, das ist doch unerhört.

22 -15. Juni.
Die Schöne.
So hört doch auf, uns hier zu ennuyiren.
Aus Göthes vermehrten Faust S. 205.
Um nicht die Leser mit Bemerkungen über einige nicht nach dem
Conststorialmaas gemessenen Herameter zu ennuyiren, während alle
noch in der ersten Freude des Lesens und Wiederlesens sind, zeigen wir
blos diese herrliche Erscheinung seiner stimmtlichen Werke an. Dem
Correktor hätten wir mehr Genauigkeit gewünscht, den» wir
wissen auS eigner Erfahrung!, wie schwer diese zu erreichen.
Einsiedler.


Geschichte und Ursprung des ersten Bärnhäuters.
Worin die Volkssage vom papiernen Calen-
Ler-Himmel und vom süßen breiten Gänsen
fuß, nach Erzählungen einer alten Kinder»
frau ausgeschrieben *) vom Herzbruder.
(Mit Lcr Abbildung des Bqrnhäutcrs.)
G _
I. Die Landsknechte vor -er Hölle, im Him-
mel, und endlich zu Warteinweil.
8m Jahr dreyzehnhundert sechs und neunzig, als
Kaiser SiegiSmunduS von dem türkischen Kaiser Celapino
geschlagen worden war, wollten die erschlagenen LandS-

»Z Wenn unser Freund Grimm in dem Aussatze über die Sa«
gen (19 u. >0 St. j das erste Verhältniß der Volkssagen zur
Volksgeschichte sdie genau genommen nichts anders ist als
diese Sagen selbst, bald wunderbar bald listig politisch nach
der Entwicke-ung des Volks ist, wobey das Leben der Ein-
zelnen nur in der Beziehung auf das Ganze angesehen wird)
entwickelt hat, von denen er manche der Unbekannteren auS
seiner reichen wohlgeordneten Sammlung uns mitzutheilen
geneigt ist, so glauben wir mit dieser heitern Anreihung alter
Sagen, die dem leichtberedten Witze eines andern lieben
Freundes so wohl gelungen, den scherzenden Sinn der an-
deren Volkssagen am besten eröffnen und darstellen zu kön-
nen, von denen wir durch Bekanntschaft und Reisen eine
hübsche Menge verschiedener Gegenden zusammengebracht ha-
Kren. Dieser scherzende Sinn der Volkssagen, dieser Spott
ohne Ort und Datum, der alle trift und darum keinen, diese
Saryre, womit keiner gemeint ist, die in einem erträumten
Lande mit allerley wunderlichen Lebensverhältnissen spieltf
fordert entweder große Unbefangenheit oder große Bildung
um erfunden und verstanden zu werden, daher die nahe Be-
rührung des alle Wissenschaften, Künste, Geschichten und
- Sprachen berührenden Jean Paul Fr. Richters mit manchen
der frühesten deutschen Erzähler, fo, daß jetzt fast niemand
von dieser Laune ergriffen werden kann, ohne von dem (lasst-
tzeirendln Publikum, das immer nach dem Bekanntesten die

knechte auf der Wahlstatt bey den Türken nicht liegen
bleiben, giengcn drum miteinander zu Nach, und rich-
teten ein Fähnlein auf, das war weiß mit einem rochen
Kreuz, und zogen miteinander -er Hölle zu, in der
Meynung dort, wo es, wie man sagt, fein warm seyn
sollte, ein gut Winterlager zu halten. Als die Teufel
sie aber mit ihrem KreuFähnlein ansichtig wurden, woll-
ten sie solchem Feldzeichen nicht trauen, als unter wel-
chem die Hölle immer bestritten worden. Sie verram-
melten daher alle Pforten, besetzten die Mauern, un-
rüsteten allerseits gute Gegenwehr an. Die frommen
Landsknechte zogen solches nicht erwartend ruhig heran,
aber die Teufel schossen nach ihnen, und da hierauf die
Landsknechte potz Marter Gottes Wunden und derglei-
chen ehrbahrliche Flüche zu reden ansiengen, riefen ih-
nen die Teufel zu, o ihr lieben frommen Leute, ihr

ganze Welt anordnet, als ein Nachahmer Jean Pauls an-
gezettelt zu werden. Diese Gattung freyen Scherzes, die
den Deutschen so ganz nationetl ist, daß sich später und
früher immerdar Äußerungen der Art finden werden, hat
in ihm bis jetzt ihr reichstes Denkmahl ausgestellt, es wäre
aber wunderlich, wenn einer darum seine Einfälle verschluk-
ken wollte, weil ein andrer auch Einfälle gehabt hat, die
Müschen kämen sonst endlich auf den Einfall rückwärts zu
gehen, weil man bis dahin vorwärts gegangen. Die eigent-
liche Originalität im Menschen ist unverwüstlich, das Ge-
meinsame ist aber das Organ, worin sich das Einzelne ver-
ständlich ausspricht, das Gemeinsame ist immerdar mehr
Werth als jedes Einzelne, die Originalitätswurh, die nichts
lesen, nichts lernen will, um sich vor Nachahmung in Acht
zu nehmen, giebt also das Höhere auf, und was es also ab-
geschieden der gemeinsamen Betrachtung giebt, wird daher
mit Recht wiederum von der Gemeine aufgegeben, wir find
cs gewiß, daß es diesen Sagen nicht also ergehen wird, die
bekannt und unbekannt zugleich scheinen, wie jene scherzende
Mahlereyen, wo mit neuen aufgelegten Scheiben von Ma-
rlenglas, ein alter Landsknecht bald in einen Einsiedler, bald
in einen Bärenhäuter, dann einen zierlichen Stutzer un»
Eydam verwandelt wird, notwendig gehört dazu diese Ab-
wechselung der Sprache und Umgebung, die freylich beym
ersten Anblick durchaus nicht objeetiv scheinen mag..
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