Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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seyd irr, ihr redet dermaßen heillg/ wir lassen euch nicht
ein, haltet euch rechts auf der Himmelsstrllße / und wie-
sen das ehrbare Völklein also nach dem Himmel. Als
St. Peter sie anklopfen hörte/ fragte er sie/ wer sie wä-
ren / sie sagten/ er sollte aufthuN/ sie scyen fromme
Landsknechte in Kaiser Siegmunds Feldschlacht erschla-
gen / nnd hieher gewiesen. St. Petrus zeigte es -em
Herrn an / der aber sprach: laß sie nicht herein / ,
Es sind gar unnütze Gesellen, ,
Die nichts als böse Händel anstelle».
Da nun die Landsknechte mußten harren,
Fingen sic an zu fluchen und scharren,
Marter, Leiden nnd Sakrament,
St. Peter der die Fluche nicht kennt,
Meint, sie reden von geistlichen Dingen,
Gedacht in Himmel sie zu bringen,
Er -at daher für sie/ und erhielt die Erlaubnis sie
herein zu lassen; als sie aber bey ihm vorbey musterten /
ihre Fähnlein schwenkten und ihn auf gute Kriegsma-
nier mit ihren Waffen begrüßten/ hatte er eine große
Freude daran/ und grüßt sie wieder; zuletzt aber kam
einer/ der hatte nach Art dieser Hüncrdiebe und Bau-
ernfeinde/ einen Hahn/ den er unterwegs gestohlen/ an
seiner Wehr hängen/ und schwenkte/ St. Petrum zu
grüßen/ diesen ihm vor der Nase herum. St. Petrus
ward gar entrüstet darüber und sprach:
Du Svottvogel, letzt merke ich,
Willst mit dem Hahn vexiren mich,
Weil er nicht eher hat gekräht.
Vis ich den Herrn verläugnen thät.
und schlug somit die Thür zu/ ließ den mit dem Hah-
nen nicht ein. Der blieb stehn und brummlet und flucht/
und zog um den Himmel herum/ wie ein Vogel/ der»
Thürlein zum Kestcht nicht finden kann / wir wollen ihn
gehn lassen / vielleicht kommen wir/ wenn gleich so jung
nicht/ wieder mit ihm zusammen.
Kaum/ daß die übrigen Landsknechte im Himmel
waren/ so bettelten sie bey allen Heiligen herum/ und
als sie etliches Geld zusammen gebracht/ breiteten sie
ihre Mäntel aus/ setzten sich darauf/ und würfelten und
knöchelten so lang/ bis sie in Streit gerierhen/ da
sprangen sie auf/ zuckten von Leder/ und hieben mit
solchem Fluchen und Lärmen auf einander los/ daß St.
Peter die Haar zu Berg standen/ er sprach;
Wollt ihr im Himmel balgen,
Hebt euch hinaus an lichten Galgen.
Da schlugen sie gar auf St. Petrus los/ daß er mußt davon
laufen / und seinem Herrn und Meister die Noch klagen/
der ließ einen Engel mit einer Trommel vor den Him-
mel hinaustreten / und einen Allarm schlagen. Die
Landsknechte hatten sich eben etwas verschnauft und
sprachen untereinander:




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Wir wollen's nun gut lassen sein,
Gute Brüder sind wir insgemein,




Aber den alten grauen Falken, *
Wollen wir noch besser abwalkert.

Da hörten sie den Lärmen schlagen/ und konnte
keiner seine alte Gewohnheit lassen / rannten da mit ein-
ander dem Thor hinaus. St. Peter aber stand hinter
der Thür/ und schlug sie ihnen Hinterm Rücken zu mit
großen Freuden. Da die Landsknechte sahen/ daß man
sie zum Besten gehabt / hoben sie erst einen gewaltigen
Lärmen an. St. Peter trat hinters Schlüsselloch und
sprach: wer hat euch hier Herkommen heißen/ zieht fort/
nur fort ihr Blutzapfen/ ihr habt euer Leben den Frie-
den gehaßt / und sollt darum der ewigen Ruhe nicht ge-
nießen. Hierauf schrie ihr Hauptmann: „Wo bleiben
wir aber heut Nacht? in die Hölle will man uns nicht
etnlassen/ aus dem Himmel wirft man uns hinauS/ wo-
hin nun? wir müssen doch auch ein Ort haben / wo wir
bleiben sollen." St. Peter aber spracht trollt euch/
oder man wird euch was anders weißen; ihr seyd nichts
als Bluthunde/ Gotteslästerer/ arme Leutmacher/ ver-
fluchte/ verzweifelte/ gottlose Leute. Da ward der
Hauptmann gar erzürnt / und sprach: G
Hu Hu, fahr sacht du alrer Greis!
Fein säuberlich mit der Braut auf dem ELS.
Hui bist du nicht der kühne Degen,
Der sich feines Lebens darf erwegen,
Darf Ohr abhauen und seinem Herrn
Beistehn, mir Ernst, doch weit von fern,
Und ferner nicht, als bis zum Horde,
And daß ihn auch keine Magd gefehrde;
Wie darf der Fuchs den Wolf wohl schmähen,
Der Hahn thut ihnen beiden krähen.-
Wir sind gefallen in gutem Streit
Gegen den Türken auf grüner Heid,.
And wenn ichs riecht berichtet bin,
Es dünkt mir stets in meinem Sinn>
Du seist der Schelm, der unsern Herrk
Vor allen Jüngern weit und fern
Recht greulich, als ein Mamelucks,
Ja dreimal nach einander flucks,
Verläugnet und verschwur behend.
Bei Stein und Bein, ob er ihn kennt;
And liefst davon, fehlt auch nicht weit-;
Du sielst gar auf der Juden Seit,
Gelt unser armer Kriegskumpan,
Gesiel dir nicht mit seinem Hahn,
Häst Angst, er mögt dir wieder kräh».

Und nun/ -u Meineyb/ du willst uns nicht einlassen/
nun müssen wir doch wisse» / wo wir hin sollen. PctruS
war über das laute Schreyen des Hauptmanns scham-
roth geworden / und da er fürchtete/ die andern möaten
den Specktakel im Himmel hören / so sprach er zu den
frommen Landsknechten r u Liebe Freunde! ftyd still und
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