Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

Page: 129
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/einsiedler/0084
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Des Knaben Tod.

Der Traum.

Jeuch nicht -en dunkeln Wald hinab r
Es gilt dein Leben, du junger Knab' !
»Mein Gott im Himmel, der ist mein Licht,
Der läßt mich im dunkeln Walde nicht."
Da zeucht er hinunter, der junge Knab',
Es braust ihm zu Füssen der Strom hinab.
Es saust ihm zu Haupte der schwarze Wald,
Uud die Sonn versinket in Wolken bald.
Und er kommt ans finstere Räuberhaus,
Eine holde Jungfrau schauet heraus:

«O wehe r du bist so ein junger Knab',
Was kommst du in's Thal-es Todes herab?«
Aus dem Thor die mördrische Rotte bricht,
Die Jungfrau decket ihr Angesicht,
Sie stossen ihn nieder, sie rauben sein Gut,
Sie lassen ihn liegen im rothen Blut.
»Ö weh! wie dunkel! keineSonne, keinStern r
Wen ruf' ich an? ist mein Gott so fern?
Ha! Jungfrau dort, im himmlischen Schein,
Nimm auf meine Seel' in die Hände dein r «

Im schönsten Garten wallten
Zwei Buhten Hand in Hand,
Zwo bleiche, kranke Gestalten,
Sie fassen in's Blumentand.
Sie küßten sich auf die Wange«,
Sie küßten sich auf den Mund,
Sie hielten sich fest umfangen.
Sie wurden jung und gesund.
Zwei Glöcklein klangen Helle,
Der Traum entschwaud zur Stund';
Sie lag in der Klosterzelle,
Er fern in Thurmes Grund.
Ludwig Uh land.


Der Ring.
Ein Gedankenspiel.
< Beschluß.)

Mutter. Du hast kein freundliches Geschick erfahren/
Doch ist dem Ruhm so groß/ dein Wirken würdig;
Man neidet mir/ den Namen dein zu tragen.
Vater. Ich wirkte auswärts um mir zu entfliehen;
Beftiedgung / eigne selbst erfreute nicht/
Ach/ wem das Beste fehlt / dem fehlt'S an allem.
Mutter. Du sprichst wohl herzlich/ doch du bist
ein Staatsmann.
Vater. Der Staatsmann sey das ganze Herz vom
Staate /
Doch ich war nirgends/ nirgends mehr zu Hause.
Das Neue konnte mir nur herrlich scheine«/
Die goldene Alltäglichkeit war nichtS/
An mir wollt' sich Gewohnheit nicht gewöhne«/
Was mir gewöhnlich ward / schien mir zuwider.
Mutter. Bald würde dich bey mir dasselbe quäle«/
Dasselbe / wo du sonst dich nicht verstanden.
Vater. Warum ist mir denn jenes Zimmer lieb/
Das wir mit manchem Spielzeug angeordnet/
Mit mancher Inschrift, manchem kleinen Bild/
Das räthselhafr den Fremden / uns verständlich/
Go daß wir stets geheime Sprache führte«/
Und wunderbar mir in Gedanken lag/
Daß ich des meinen oft darum vergessen.

Mutter. O sieh an dieser Gluth in meinen Wange«/
Ob ich die holde Zeit nicht ganz gefühlt.
Vater. Was ich bisher bewohnt / sind wilde Höhlen/
So ganz verhaßt durch einsam wache Nächte/
8ch mochte sie nicht schmücken und nicht ordnen/
Daß ich nicht aussen fänd' / was Innen mißte.
Erinnerung lag fern und unerreichlich.
Und Reue folgte mir/ daß ich'S verscherzt',
Was meines wahren Lebens Ernst und Sim.
Für wen ich sorgte, wußt' ich nicht zu sagen.
Und was ich that, das war voraus mir Sorge.
Ich hatte Furcht, und sollte Zutrau n wecken,
Verantwortung ruht schwer auf dem Gesandten,
Vertrauen darf ihn nimmer unterstützen,
Er muß eS brauchen, aber nimmer theilen.
Mutter. Er muß es brauchen, aber nimmer theilen!
Und die Gewohnheit sollte dir nicht bleiben?
Vater. O lehr' mich nicht, noch an mir selber
zweifeln;
Ich mußte viel schon thun, was ich nicht mochte.
Als Schlange mußt Geliebte ich belauschen,
Der Liebe Schein auch zwischendrängend nehmen.
Der Freundschaft hingegebne Worte nutzen,
WaS ich für mich wohl nie gethan, nein nimmer.
Gesellschaft, die ich haßte, mußt ich suchen,
Und die gemüthlich mir kaum heimlich sehen.
Ein Kartenspul aus blosser Ehre suchen,
Die Nacht vergähnen, Morgen zu verfehlen,
Und reden, wo ich lieber schweigen mogte.
So wurden bessre Menschen mir zu Schatten,
loading ...