Zeitung für Einsiedler: newspaper — Heidelberg, 1808

Page: 119
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selbst hier! verleihe mir Kraft, steh b^. lkommt
hervor-kniet vor Siegfrieds H/rr / schäft Recht emerlM-
schuldigen Mutter, einer verstoßnen Waisen. S i eg f.
Weib/wie iommst du hierher, m b^eW'ftn'ß^un-
ter diese Felsen? Wer bist du? Was ">M^/?^Est
von Mtk? — Genö. O S>l^gfkled/ Slegsttttz/ Gl)tt
sey mein Richter hier unter dem Himmel, her vor die»
sen Menschen. ( sievr auf! Goto, wenn du noch emst Er^
barmen und Seligkeit hofst, iozcuge lchtdic Wahrheit,
bin Genovefa/ dre ungluMlche ?srau/ hier steht
mein Gemahl, den ihr fälschlich betwgen!' Äeuge -re
Wahrheit/ wir drcy stehn hier vor Gott^ Augen. —
Alle. Oh, Was ist das? Genovefa! Genovefa! —
Golo. Todte stehen auf mich zu richten! Weh! Sie rst
es! selbst! — Siegs. Wer bist du? Was sagst du?
Weib! Gott! o Gott! du. — Geno. Ach Siegfried!
Siegfried! — Ach Vettern, liebe Vettern, schaur mich
an/ — erbarmt euch mein, — niemals hab' ich eure
Flüche verdient. Falsche Zungen haben mich zu Grunde
gerichtet! Ich war niemals das / was sie mich beschul«
digt! — Siegf. Du solltest Genovefa — du lebendig
— du— ach/ bist du's? — Geno. Siegfried, ich
bin's / wahrhaftig und lebend, dir treu und rein immer,
so wahr meine Hand die deine faßt/ drinn in dieser
Höhle ist dein Sohn. — Siegs. O hervor! (Ulrich
hinein) Genofeoa/ bist du's? O wenn's nur kein Traum
ist! — Soll lch dich gewißlich wieder besitzen? — Bist
du von den Todten erstanden? Bist du vom Himmel ge-
stiegen hieher zu mir? — Geno. Ich war nicht gestor-
ben, der Allmächtige hat mich gnädig aus der Hand
bercr gerettet, die grausam mein Blut vergießen sollten.
Golo, ich klage dich nicht an, aber die Untreue gegen
-einen Freund verdammt dich. — Er war cs selbst,
Siegfried, der meine Treue zu dir zu fälschen gesucht,
ich hörte ihn nicht, das war meine Schuld. — Goto.
Begrabt mich doch lebendig! O schlagt mich todt! —
8a Siegfried, ich war's, der alles that, dich so ver-
rieth, gieb mir deine Rache jetzt gleich, und laß mich
in Ruhe.
Ulrich führt Schmerzenreich hervor, Schmer-
ze «reich starrt alle an.
Geno. Zu mir Lieber, zu deinem Vater! Hier ist
er, steh. — Schmerz. Ach, Mutter, haben mein Reh
geschlagen, drmn, drinn — ach! weh! (wieder jn die Hole)
Siegs. Ach Herz! Herz.' es weiH, zerspringt, daß ich
nrcht mehr kann. - Unglückliche!^- Ha Schlange, die
ich in meinem Busen ernährt — räuberischer Ubu, der
Mit stinkenden Flügeln Blüthen zerschlägt, die ihm nicht
duften! - Ach Gott! Gott! — La du sollst sterben,
Meder hier! (zieht das Weidmesser! — Golo. Hier — öffne
diesen Busen / — mein Blut laß abwaschen die schweren
Schulden an dir und an deiner Gemahlin, Siegfried.
Eern und lezcht sterb' ich, weil die noch lebt. — Geno.
Greb Gnade, Siegfried / verzeih ihm's, wie ich ihm ver-
Rem.— Zwar will ich am Taae,
/ meine Hand nicht mit verrä-
thrriichem Blut besudeln: fuhrt ihn weg von hier, fern
E Bach dort lohnt
nlUl) suncn Thaten.— Goll). Siegfried/ lebe lange
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d^Fvch zum letztenmal die Sand
- Auf demem Todeöbette, in der
letzten (stunde/ wo man alleö derzeitzt/ eriunre dich
merner und verzeih auch mir. - Bernh Fort jebt'
Mem Inwendiges hüpft, daß ich dich bald abthu! -
stoßen il>n ab! r k ^/tich. ^ran ! (enftvaffncn und
stoßen ihn ab! - Stegs, (bey Seck) Gvttl Wohin komm'tS


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mit dem Menschen! Er war mir ernst so lieb! Ach, ach»
und nun — daß ich ihn richten mußte! — Soll ich ihn
zurück rufen? — Verzeih ihm du ,m Himmel, wie ich
ihm jetzt verzeihe. — Komm, Liebe, laß uns forb, einen
Orr verlassen, wo alles meinen Schmer; vermehrt. —
Geno. Ein Gelübde thu' ich hier. — Siegs. Und mei-
nes dazu, (umarmt sie! Hier wollen wir einst sterben, hier
der Auferstehung entgegen ruhn unter diesem Felsen.
Nur so lange, Traute, laß uns zur Welt zurück kehren,
-iS wir unfern Sohn zu seinen Würden eingesetzt, bis
er mannhaft, stark, selbst gelernt, Hirt seiner Heerde
zu scyn, dann wieder hieher, und wir wollen, so wie
wir geliebet, Hand in Hand wallfahrten hinauf. Dann
sey mir deine freundliche Dunklung willkommen, wohl-
thätige Höhle, gesegnet bis dahin. — Wo ist dann mein
Sohn? — Lieber, wo bist du? Komm, dein Vater ruft.
Komin doch, komm, (hinein in die Hdhie) — Geno. (kniet!
Segen ruhe über dir, freundliche Höhle, die mich aus-
genommen und bewahrt, steh immer grün zu meinem
Andenken, sey ferner noch gedrückter Unschuld Freystadt,
Nimm vom Unglück Verfolgte in sichern Schirm auf,
— meine Verbannung hat nun ein Ende.
Zwölfte Scene.
lWeidengebirsch. Von fern die Melodie vom Liede: Mein Grab
sey unter Weiden — mit Waldhörnern, j
Golo, Bernhart, Ulrich.
Golo. Ha! mein Sterbegesang. — Ulrich. Drun-
ten rauscht der Bach, sag an seinen Tod, wie er ster-
ben soll. — Bernh. Niedergestochen wie ein Thier,
dem Blut im Bach rinnend / zerhauen die Glieder und
aufgehengt in die Reste, daß einmal deS Himmels Geyer
in seinen Knochen horsten. — Golo (laßt wuthig Bern«
Hardt, wirft ihn nieder, reift das Schwerdt ihm aus der Faust
und verwundet ihn! Noch brennt Mannheit in mir.—Der-
. flucht neunmal die Zunge, die solch Urcheil mir sprach!
— Ulrich. Ha! noch meinen Bruder erschlagen! —
Blutdürstiger! Höllischer! — Golo. Bin ich nicht Rit-
ter so edel gebohren wie ihr? — Schlachtet ihr mich
wie ein Thier? — Ulrich. Hund! wüthiger! will dirS
geben! — Bernh. Halt ein Bruder Ulrich! —Ulrich.
Nein, soll mir darnieder — Bernh. Sonst bathest du
mich, bitte jetzt dich, (umch sicht) — Golo (schlägt ihm
das Schwerdt aus der Hand) Ihr Wäret mir nichts, — ich
wollte euch eh beyde Wolf und Geyern vorschmeißen,
-aß sie eure Glieder zerhackten, eh ihr mich zu Boden
brächtet! — Ihr Niederträchtigen! Die ihr schnöde ver-
dammt, ihr Elenden, die nicht fühlen, wie jammervoll
dem Unglücklichen ist. — Ihr schmähet mich, schaut auf
mein Verbrechen aber nicht auf das Schicksal, das mich
: bis dahin trieb. — Oh! ich wollte mich jetzt stellen gleich
vor euch allen an die Spitze, — hundert Bewaffneter
hinter mir, — wer wagt eS, mich dann noch zu richten,
wo tausend und tausend! — Aber hier, in me.nein Bu-
sen, — da — ich habe Unglückliche gemacht, habe mei-
nen edelsten Freund hintergangen, ach! (wirft das Schwerdt
weg) Stehe hier unbewaffnet wieder. — Ritter-Tod und
Bcgräbniß ehrlich / — mehr begehr' ich nicht. — Bern.
Labe mich zu sehr auf deinen Tod gefreut, habe zu sehr
nach deinem Blut gelechzt, — geb deines Weges', Gott
wird dich finden. — Goto. Ich bin müde, wer mir den
Tod qiebt mir Ruhe. — Ulri ch. csasir das Schwerst, Un-
glücklicher! Sollst haben Ritteltvd und Begräbniß / ehr-
lich bendes von meiner Hand. — Steh her, ich will
dein Richter seyN. (reckt das Schwerdt- Golo. ffällt hinein)
Verzeiht mir, eh ich sterbe. — Beyde. Wir verzeihen
dir» . , ...» .....
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