Zeitung für Einsiedler: newspaper — Heidelberg, 1808

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rett soll, so Vies Muth traue ich euch Wohl nicht zu/ daß
ihr irgend eine- Sache nehmet oder anfhebt, die mein
ist/ und thut ihr cs/ so komm ich euch ans Leben/ drum
§ebt und suchet anderswo Gefälle/ ich sage euch einmal
für allemal/ von meinem Erbe werdet ihr nichts kriegen.
Der Pfaffe hütete sich vor dem Ritter/ denn er war
grausam/ und bestund nicht weiter darauf. Doch ent-
schloß er sich/ nach Avignon zurückzukehren/ und kam
vor seiner Abreise zu dem Seigneur de Corasse und
sprach: Mit eurer Gewalt und nicht mit Recht/ nehmet
ihr mir die Gerechtigkeiten meiner Kirche/ wodurch ihr
euch in eurem Gewissen schwer versündiget/ ich bin in
diesem Lande nicht so stark als iHv/ aber wißt/ daß ich
euch / so bald als möglich/ einen solchen Gesellen schik-
ken will / den ihr mehr fürchten sollet als mich. Der
Sire de Corasse gab nichts auf seine Drohungen und
sprach: Geh mit Gott/ geh/ mache was du kannst/ ich
fürchte dich mehr tod als lebendig/ und um deine Neben
werde ich mein Erbe nicht verlieren. So reißtc der
Pfaffe ab und vergaß nicht/ was er versprochen hatte.
Denn als der Ritter am wenigsten dran dachte / ohnge-
fähr 3 Monate nachher/ in seinem Schloß zu Corasse/
wo er in seinem Bett neben seiner Gemahlin schlief/
ließen sich unsichtbare Gäste spüren/ welche alles/ was
sich in dem Schlosse befand / umzuwenden anfingen/ und
schien eS/ als wollten sie alles zusammen schlagen / und
Haben sie solche Schläge an die Kammerthüre des Herrn/
daß die Dame/ die darin schlief/ höchlich erschrocken
war. Der Ritter hörte das alles recht gut/ aber er
wollte kein Wort davon sagen/ um nicht den Muth ei-
nes furchtsamen Menschen zu zeigen. Auch war er mu-
thig genug/ jegliches Abentheuer abzuwarten. Dieser
Lärm und Unruh dauerte in verschiedenen Theilen deS
Schlosses eine ziemliche Zeit/ und hörten denn auf.
Den folgenden Morgen kamen alle Diener des Schlos-
ses zusammen/ und begaben sich zu dem Herrn/ als er
aufgestanden war und fragten ihn: Herr habet ihr nicht
gehöret/ was wir heut Nacht gehört haben. Er ver-
stellte sich und sagte nein/ was habt ihr dann gehört?
Da erzählten sie ihni/ wie es die ganze Nacht im Schlosse
gclelmt/ alles umgekehrt/ und in der Küche alles Ge-
schirr zerbrochen habe. Er lachte und sagte: Es sey ein
Traum und nichts als der Wind gewesen. Um Gottes-
w'llen/ sprach die Dame/ ich hab es wohl gehört. In
der folgenden Nacht machten es die Ruhestörer noch är-
ger als vorher/ und schlugen dermaßen an die Thüre und
Fenster vor des Herrn Stube / daß der Ritter auS dem
Bett sprang/ und sich nicht enthalten konnte/ zu fragen:
Wer ,st es/ der also zu dieser Stunde an meine Stube
anpr/cht. Da antwprtete es ihm sogleich, sch bivs/ und
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wer schickt dich / sagte der Ritter / hierher zu mir; mich
schickt der Pfaffe von Castellogne/ dem du groß Unrecht
gethan und ihm daS Scinige entzogen / auch werde ich
-ich nicht eher in Ruh lassen/ bis du ihm alles wieder
ersetzet. Wie heißt du denn / daß du ein so guter Bote
bist? Man heißt mich Orthon. Orthon sagte der Ritter/
der Dienst eines Pfaffen taugt dir nicht/ wenn du mir
glauben willst/ er wird dich gewaltig plagen/ ich bitte
dich/ lasse ihn laufen und diene mir/ ich werde dir cS
gar wohl gedenken. Orthon hatte sich bald entschlossen/
denn er hatte sich in den Ritter verliebet und sagte:
Wollt ihr das? Ja/ sagte der Ritter/ aber du darfst
niemand von nun an Leides zufügen. Cv bewahre/
sagte Orthon/ auch vermag ich niemand Übels zu thun
als nur/ daß ich die Leute aufwccke und im Schlaf turbire.
Thue nur was ich dir sage/ sprach der Edelmann/ wir
wollen uns gut zusammen stehen/ und laß den bösen
Pfaffen laufen/ bey dem du nichts holen kannst als Müh
und Arbeit. Weil du eS dann willst/ sagte Orthon/ ich
bin cs zufrieden. Da verliebte sich dieser Orthon der-
maßen in den Seigneur de Corasse / daß er ihn sehr oft
NachtS besuchte/ und wenn er ihn schlafend fand/ so
zupfte er ihn am Kopfkissen / oder schlug an das Fenster
und die Thür mit großen Schlägen. Der Ritter/ wel-
cher erwachte/ sprach zu ihm: Orthon / laß mich schla-
fen; nein/ sagte Orthon/ ich muß dir erst was neues
erzählen. Da hatte die Gemahlin des Ritters solche
Furcht/ daß ihr alle Haare zu Berge standen/ und wlk-
kelte sie sich in ihre Decke. Da fragte ihn der Ritter/
was hast du dann gutes neues Orthon? Orthon sagte:
Ich komme von England / oder von Ungarn / oder ir-
gend einem andern Ort/ gestern bin ich da weggereißt
und dieses und jenes ist allda geschehen. So wußte der
Sire der Corasse durch Orthon alles/ was auf der Welt
geschah. Und blieb er wohl fünf Jahre in diesem sträf-
lichen Umgang / konnte es auch nicht verschweigen / un-
entdeckte sich dem Grafen de Foix folgendermaßen: DaS
erste Jahr traf er den Grafen zu Ortais oder anderswo
und sagte ihm da/ dieses oder jenes sey in England oder
Schottland oder sonst wo geschehen. Der Graf/ der
nachher erfuhr/ daß eS wahr gewesen/ drang ihm ein-
stens sein Geheimniß ab. Da war der Graf sehr froh
und sagte zu ihm: Sire de Corasse/ haltet ihn ja lrcb/
ich wollte gar gern einen solchen Boten haben. Er ko-
stet euch nichts/ und ihr erfahret alles wahrhaftig/ waS
geschieht. Der Ritter sprach: Herr so will ich thun.
Ich weiß nicht/ ob Orthon mehr als einen Meister hatte/
aber er erschien, dem. Ritter nur alle Woche zwey oder
dreimal / und dieser schrieb die Neuigkeiten dem Grafen.
Cmstens sprach dieser zu dem Eignem de Corasse; Hat

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