Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Kienöl, Pfannkuchen und Butterwecki
Haben da all einen hohen Zweck,
Dreschflegel muntern sich mit Gedichten/
Das Stroh zu dreschen, die Spreu zu sichten-
Kunst, Wissenschaft, auf grünem Ast,
Ob du ihn lange nicht gesehen hast.
Den Objektiv, den Subjektiv,
Der hundert Jahr garrz ruhig schlief,
Auftvacht, Lärm macht,
Kzird ausgelacht,
Hanswurst ist an der Natur gestorben,
Natur ist an der Kunst verdorben,
Und Kunst hat die Religion gefressen,
Und Religion hat den Glauben vergessen
Und Glauben hat alles wissen wollen.
Und Wissen sitzt auf dem Eisschollen,
Und fährt hinab ins weite Meer,
Und wird zu Wasser wie vorher,
Aber die Gans ist ein Predikant,
Auch hat? ^iel Hasen in dem Land,
Welche auf Gartenschnecken reiten,
Die für das Vaterland da streiten,
Küniglein *) die Trommel schlagen,
Eichhörnlein die Fahnen ragen,
Der Hunger ist ihr bester Koch,
Karfunkel wächst im Sfenlocb
Die Mäuß, die bauen dort das Feld,
Die Katz ist als Organist bestellt,
Der wilde Eber ist ihr Badknecht,
Ein Hering ist ihr Wildschütz recht,
Der Bär ist ein Informator gut,
Ungelecktes er locken thut,
Und Reinecke Fuchs das Schemelbein,
Möcht gar zu gern der Pabst auch seyn,!
Ein Schemelbein in feinem Bau
Ein Schelmenbein, liest man's genau.**)
Nun mags gut seyn, da trank er dem Landsknecht
einen Trunk des neuen Biers zu, der sprach aber/ ge»
segn es dir Gott Bruder / nach Landsknechts Brauch /
das war dem hinterm Ofen gar zu wieder / konnte drum
nicht in ihn fahren/ der Landsknecht aber konnte nicht
trinken ohne den Spruchs Der Brauer Teufel sagt/
laß mir deinen Segen weg / du machst mir das Bier
sauer/ da antwortete der Landsknecht: laß es eine Weil
geruhen/ ich will uns einen Braten anrichten lassen / du
hast mir so gute Schwänke erzählt / daß ich gern mit
dir essen mag; da rief er dem Wirth:
He lieber Wirth mein gut Gesell ,
Geht Hintern Ofen in die Höll,
DkÄ armen Leusel nehmt darin,
Rupfer und dann bratet ihn,

*) Kanincl>en.
»») Die Einsiedler bekennen freu,
Sie waren auch gern all dabey;
Nun sitzen sie mitten in der Natur-
Bey ihrer Cvrrectur. Einsiedler.

Den wollen wkr fressen und zerreiße^
That damit Hintern Ofen weihen
Auf den hängenden tvdten Hahn,
Als der Wirth ging zu der Höll hinan.
Wollt den Hahn von den, Nagel schnavven,
Meint der Teufel, er wollt nach ihm tappen.
Ihn rupfen und dem Landsknecht braten,
Und that sich da nicht lang beralhen
Und stieß ein Ofenkachel aus.
Und fuhr zum Sfenloch hinaus.
Das ward ein großer Lärm tm Gänsehimmel/ denn
die wachsamen Gänse erhoben ein gewaltig Geschrey,
und da sah der andere Teufel auch / wie er davon kam,
und riß ein groß Loch in den papiernen Himmel, der
gut Landsknecht aber ließ seinen Hahn an Zahlungsstatt
im Stich / nahm anch im Zorn das Bierglaß, und
schmicß es gegen die Wand/ der Teufel hole deinen neuen
Trank/ sprach er/ was hängen bleibt an der Wand,
mag dein Bier seyn, was abläuft ist der alt Gänsewein,
dies sey die ewige Bierprobe, und so machte er fich durch
-aS Loch aus dem papiernen Hrmmel hinaus.
L Pie Fortsetzung im nächsten Blatt.)

Die Meerfrau.
Der König eine Meerfrau greisen läßt,
And setzet in den Thurm sie fest.
Die Königin ruft zwey Gesellen zu sich:
Bittet die Meerfrau zu geben vor mich.
Die Meerfrau kam und stand vor ihr,
Was wollt Ihr Königin, was rufet ihr mir?
Die Königin streicht übers Kissen blau,
Setz dich Meerfrau, und ruhe darauf.
. „So wollt ihr verrathen den jungen Leib mein,
Hrer unten liegt scharf ein Messerlein."
Und weißt du das, auch mehr du weißt.
Sag mir von meinem Schicksal das meist.
„Weiß ich dein Schicksal und sag es dir.
Du laßt mich im Feuer verbrennen hier."
Du bringst zur Welt drey Söhne kühn,
Dein junger Leib der ist dahin.
Soll mir's ergehen nicht besser hie,
Sag mir, welch Schicksal empfangen sie?
„ Der eine wird König von Dänemark seyn,
Der andere tragen die Goldkrone fein."
.. Der dritte wird werden so weis ein Mann,
Für ihn mußt du dein Leben lan.
Die Königin zog über ihr Haupt das Kleid,
Sie ging vor den König in die Stube ein.
Hört ihr allerliebster Herr mein,
Gebt mir doch diese Meerftau fein.
Der Meersrau Leid nickt geb ich dir,
Sie verräth meine sieben Sckisslein mir.
Wie Erde schwarz wird die Königin,'
Wie todt fällt sie vor den König hin.
Meine Liebste, nehmt das euch nicht so an,
Folgt ihr mit allen Jungfrauen zum Strand.
Sie kleidet die Meerfrau in Sckarlachroth,
Weil sie weisagt ihren eignen Tod.
Ihren Jungfraun sagt die Königin:
Zur See folg ich der Meerfrau hin.
Auf Wellen blau wird die Meersrau gebracht:
Die Königin weint gar niemand lacht.
Ihr dürft nicht weinen, weint nicht vor nrir,
Des Himmels Thor steht offen vor dir.
Im Himmelreich sollst du bauen und lebeu.
Da wird dir erst Stille und Ruhe gegeben.
Aus dem Dänischen von Wilhelm Grimm-

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