Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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1808.-

I I

Romanze.
Klein Christel und ihre Mutter.
Wer bricht das Laub von den Bäumen?
Sie nähen die seidene Mütze.
So tritt sie den Lhau von de* Erde?
Die Mutter nähere den Saum so klein/
So heftig weinte das Töchterlein.
Hör du klein Christel lieb Tochter mein.
Wie verbleicht das Haar wie verblüht die Wang dein!«
Das ist kein Wunder/ muß bleich aussehn,
Ich hab so vieles zu schneiden und nähn.
„Doch sind noch mehr Jungfrauen im Land,
Mit Schneiden und Nahm viel besser bekannt."
Das darf ich länger nicht bergen vor dir:
Unser junger König har gelocket mir.
„Hat unser nmg König gelocket dir,
Was hat er gegeben zur Ehre dir?"
Er hat mir gegeben ein seiden Hemdleiu,
Das hab ich getragen mit mancher Pein.
Er gab mir silbergespangte Schuh;
Ich trug sie mit so großer Unruh,

Einsiedler.
——————-7. Mai.

Er gab mir eine Harfe von Gold,
Hu brauclmr wenn ich sey sorgenvoll.
Sie schlug an den ersten Strang,
Da hört der jung König im Bett den Klang.
Sie schlug an den andern Strang,
Der jung König eit der schläft lang;
Da rief der jung König zwey Diener sein:
Klein Christel bittet zn mir herein.
Her kam klein Christel vor der Burg sie stund:
Was will der jung König, sein Wort macht mir kund.
Da streicht der jung König am Kissen blau,
Setz dich klein Christel und ruhe darauf.
Ich bin nicht müd, und kann wohl stehn.
Sag was ich soll, und laß mich gehn."
Er zog klein Christel zu sich her
Gab ihr die Goldkron mrrd der Königin Llw.
Nun ist verschwun-on klein Christel ihr Leid:
Wer bricht das Laub von den Bäumen.
Sie schläft alle Nacht an des Königes Seit.
So tritt sie den Than von der Erde.
Aus dem Dänischen von Wilhelm Grimm.

Von dem Leben und Sterben des Gra-
sen Gaston Phöbus von Foix und
von dem traurigen Tode seines
KindeS Gaston.
Geschrieben um das Jahr IM — -t.

(Beschluß.)
Run dann, sagte der Graf, setzt mir ihn in den
Thurm und bewacht ihn so/ daß ihr mir für ihn gut
ßcht. Da ward das Kind von Stund an in den Thurm
gesetzt. Der Graf ließ nun eine Menge von jenen , die
seinen Sohn bedienten/ gefangen nehmen, aber er fing
sie nicht alle, denn viele entflohen / so auch ist der Bi-
schof de Lesealle noch außer Lands, der mit im Ver-
dacht stand, wie andre mehr. Aber er ließ ihrer wohl
an fünfzehn sehr schrecklich ennorden, die Ursache davon
war, daß sie seines Kindes Heimlichkeit hätten wissen
und ihm hätten sagen sollen: Unser Herr Gaston trägt

ein Beutlein auf seiner Brust, der und der Art, aber
davon thaten sie nichts, und darum starben sie schreck-
lich , und es war wohl ein Jammer um mehrere dieser
Hofleute, denn in ganz GaScognien waren keine sc»
wohl versehen als diese es gewesen, denn immer war der
Graf von Foix von guter Dienerschaft umgeben. Gar
sehr nahm sich der Graf diese Sache zu Herzen, und
zeigte eS wohl, denn er ließ eines Tages alle Edelleute
und alle Prälaten von Foix und Bearn, und alle an-
sehnliche Leute dieses Landes zusammen rufen gen Or-
tais, und als sie gekommen waren, erklärte er ihnen,
warum er sie gerufen und wie er seinen Sohn in solcher
Schuld und so großem Verbrechen befunden habe, daß
es sein Entschluß sey, daß er sterbe und daß er den Tod
verdienet. Alles Volk antwortete auf diese Rede eiu-
stimmig: Herr, haltet uns zu Gnaden, wir wollen nicht,
daß Gaston sterbe, er ist euer Erbe, und ihr habt keinen
mehr. Als der Graf sein Volk für seinen Sohn bitten
hörte, bezähmte er sich ein wenig und entschloß sich,
ihn mit Gefängniß zu strafen, er wollte ihn 2 -der s
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