Harth, Dietrich [Editor]
Finale!: das kleine Buch vom Weltuntergang — München, 1999

Page: 183
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das Eingreifen dieses schöpferischen Zufalls würde alles, wür-
den wir alle versteinert sein, eingeweckt wie Pfirsiche in der
Dose.

Du läßt den Vorhang in deiner einzigen Hand los. Du wirst
die drei Überlebenden niemals wiedersehen. Das Schweigen
der Stadt unter der Schneedecke sagt alles. Alle sind tot. Die
Reihenfolge der Faktoren ändert das Produkt nicht. Die Män-
ner, aus der Vergangenheit gekommen, die Frauen der Gegen-
wart, von ihnen geschwängert, und die Kinder, für die Zukunft
bestimmt, die Neugeborenen auf den Quais der Seine: alle
Cäsar, alle Christus, keiner Cäsar, keiner Christus. Vernunft?
Torheit? Ironie? Zufall? Antimaterie? Die Spielregeln wur-
den eingehalten: Täglich müssen soviele sterben wie geboren
werden. Der Flötenspieler, der Mönch und das Mädchen, sie
waren als die Überlebenden notwendigerweise die Henker.
Jetzt würden sie heraufkommen, um dich zu töten, und dann
würden sie sich selbst umbringen.

Miroslav Krleza
Der flammende Wind

Eines Tages wird der blutige Morgen dämmern,

eines Tags wird der rote Sturm losbrechen -

o eines Tages -

über der Pyramide der toten Landwehrmänner!

Lodern wird die Flamme aus unzähligen Wunden.

Und in dem grauenvollen Aufruhr werden

zergehen die Symbole von Flüchen und Weihrauch,

Komödien und Kirchen, Hospitäler und Kaffeestuben,

Irrenhäuser, Bordelle und Klöster,

eines Tages, o eines Tages!

Und singen werden Glocken,

Fahnen und Musikkapellen und der Grimm der

Zuchthäuser.
Singen wird die Flamme des Sturms das heilige Lied

des Feuers, des Chaos und des Äons:

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