Heidelberger Volksblatt — 7.1874

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eidelberger

Bolksblatt.

Ar. 28.

Mittwoch, den 8. April 1874.

7. Jahrg.

Erſcheint Mittwoch und Samſtag. Preis monatlich 12 kr. Einzelne Nummer a 2 kr. Man abonnirt beim Verleger, Schiffgaſſe 4
und bei den Trägern. Auswärts bei den Landboten und Poſtanſtalten.

Der Mulatte

Novelle von C. Brunn-Gabris.

(Fortſetzung).

Luxus, war es nicht, was mein Erſtaunen erregte, viel"
mehr wunderte ich mich, bei dieſem Geldmenſchen eine
ſolche Fürſorge zu entdecken, wie ſie offenbar in dieſer
Einrichtung liegt; er ſcheint Alles genau Jhren Liebha-
bereien angepaßt zu haben."
"Herr Graf", erwiderte Fenno, nachdem er ſeinem
Gaſt einen Seſſel angeboten, "Sie verkennen Herrn
Walden, wenn Sie ihn einen Geldmenſchen nennen -
er iſt mein Wohlthäter."
"Pah; jeder einſichtsvolle Menſch würde an ſeiner
Stelle eben ſo gehandelt haben; von "Wohlthun" iſt
keine Rede."
"Jch muß mir erlauben, dies zu beſtreiten, nicht
Jeder würde an dem Mulatten -"
"Horſt", unterbrach ihn der Graf, "thun Sie mir
einmal den Gefallen, all' Dergleichen für eine Stunde
zu vergeſſen."
"Jch glaube kaum, daß es mir möglich iſt, meine
Stellung und die Verhältniſſe, in denen ich lebe, eine
Stunde zu ignoriren, geſchweige denn zu vergeſſen; ich
muß alſo bedauern, Jhren Wünſchen nicht nachkommen
zu können."
"Wenn Sie das wirklich bedauern, alſo bereit ſind,
einen andern Wunſch zu erfüllen, ſo laſſen Sie diefen
entſetzlich förmlichen Ton fallen, wir kommen ſonſt nicht
über die ſteifen, kalten Redensarten hinaus, und ich
wünſche dies doch."
"Sie hatten mir etwas zu ſagen!"
"Ja, und das iſt dies: Jch kann mich nicht ſo kalt
und fremd von Jhnen trennen, wie wir bisher neben
einander hergingen; ich möchte die Hoffnung mit mir
nehmen, daß es einer ſpäteren Zeit vorhehalten ſei,
Jhren eiſernen Willen zu erweichen. Mit einem Wort,
ich möchte das Verſprchen von Jhnen haben, daß Sie,
wenn je eine Zeit kommen ſollte, in der Sie eines
Freundes bedürfen, nach einem ſolchen verlangen, ſich
an mich wenden. - Schlagen Sie ein."
Er reichte ihm die Hand hin.
Das Auge des Andern ſchien ſich für einen Moment
zu trüben, ſein Antlitz zeigte eine ſo ernſte Unbeweg-
lichkeit wie immer, dann ſagte er, ohne die dargebotene
Hand zu ergreifen:
"Jch kann Jhnen das Verſprechen nicht geben.
Unterbrechen Sie mich nicht. - Jch verkenne Jhre
wohlmeinende Abſicht nicht und bin überzeugt, daß Sie
wirklich Antheil an mir nehmen. Mein Streben geht
aber dahin, niemals eines Menſchen zu bedürfen, ſon-
dern mich ganz auf mich ſelbſt zu ſtellen, und ich müßte

Vor einem eleganten Hauſe in einer der beſten
Straßen hielt die Droſchke, Fenno ſprang heraus und
betrat mit elaſtiſchem Schritt die Schwelle. Jn der
erſten Etage angelangt, wandte er ſich einem der hinte-
ren Zimmer zu, die, auf einen geräumigen Garten hin-
ausgehend, durch einen langen Korridor von den vor-
deren getrennt waren, - als ſich die Thür der letzte-
ren öffnete und ein älterer Herr herausſah.
"Guten Tag, Herr Walden!" begrüßte Fenno ihn.
"Gulen Tag, Fenno, iſt Dir etwas zugeſtoßen?"
"Nein."
"Jch dachte, weil Du es ſonſt verſchmähſt, zu
fahren."
"Es kam durch Zufall."
"Auf Wiederſehen nachher."
Fenno verneigte ſich leicht und betrat ſein Zimmer
Kaum eine halbe Stunde hatte er dort zugebracht, als
ein Diener eintrat und ihm eine Karte überreichend, im
devoteſten Ton ſagte:
"Der Herr Graf laſſen um die Ehre bitten, Jhnen
ſeine Aufwartung machen zu dürfen."
Ein flüchtiges Roth überzog Fenno's Antlitz.
"Er wird willkommen ſein."
Gleich darauf trat Ludwig von Falkenburg ein
"Da bin ich, Herr Horſt; Sie wollten mir durchaus
nicht die Ehre Jhrer Begleitung gönnen, zogen es ſo-
gar vor, in einen der engen, heißen Käſten, die man
Droſchke nennt, zu kriechen, damit mich Niemand an Jh-
rer Seite ſähe, ſo blieb mir nichts übrig, als ganz
nach der Etikette bei Jhnen vorzufahren, mich melden
zu laſſen und voilà, da bin ich!"
Bei dieſen letzten Worten ließ er einen ſchnellen
Blick über die Einrichtung des Zimmers gleiten; Fenno,
der dies bemerkte, ſagte: -
"Sie wundern ſich, Herr Graf, mich ſo luxuriös ein-
gerichtet zu ſehen. Herr Walden liebt die Eleganz ſo
ſehr, daß es mir nicht möglich war, ihn zu hindern,
dieſelbe auch in meinen Zimmern zur Geltnng kommen
zu laſſen."
"Das kann ich Herrn Walden nicht verdenken.
Ehrlich geſtanden, die Eleganz, um nicht zu ſagen der
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