Helbig, Wolfgang
Untersuchungen über die Campanische Wandmalerei — Leipzig, 1873

Seite: 60
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(30 Kunstvermögen der griechisch-römischen Epoche.

ein Ereigniss aus der Jugend des Schauspielers Eoscius dar, in
welchem man ein Vorzeichen der späteren Berühmtheit desselben
erkennen wollte, wie Roscius als Knabe von einer Schlange um-
wunden wurdeJ). Ueber die Behandlung der Composition er-
fahren wir nichts; doch kann ich nicht unterlassen darauf hinzu-
weisen , dass Kekule2) die Frage aufwirft, ob sich nicht der
Künstler dabei das Gemälde des Zeuxis zu Nutzen gemacht habe,
welches den Schlangen würgenden Herakles darstellte und, wie es
scheint, vonPasiteles in seiner Schrift über die mirabilia opera mit
besonderem Lobe hervorgehoben wurde. Wenn wir es bei Betrach-
tung der Sculptur als ein Zeichen der Schwäche des Kunstver-
mögens anführten, dass viele Copien nach Meisterwerken der
griechischen Kunst gearbeitet wurden, so wissen wir, dass bereits
Zonodoros, der Künstler des neronischen Kolosses, genaue Copien
zweier Becher des Kaiamis arbeitete:i). Unter solchen Umständen
dürfen wir mit hinreichender Sicherheit annehmen, dass es sich
während der ganzen Epoche, mit der wir uns gegenwärtig be-
schäftigen, mit der Toreutik ähnlich verhielt wie mit der idealen
Plastik, dass das poetische Gestaltungsvermögen hier wie dort
gering war, dass beide Künste mehr oder'minder von der Erb-
schaft zehrten, welche ihnen aus einer reicher begabten Ver-
gangenheit zugefallen war.

IV. Die Ueberliefernng über die Malerei.

Einer der feinsten Kunstkenner unter den erhaltenen römi-
schen Schriftstellern, Pctronius'), der vermuthlich unter Nero
lebte, urtheilt über die Malerei seiner Zeit in der abschätzigsten
Weise. Nach seiner Ansicht war es mit dieser Kunst vollständig
zu Ende. Auch Pliniuss) bezeichnet dieselbe als eine ars mori-

1) Cicero, de div. I 36.

2) Die Gruppe des Menelaos p. 20.

3) Plin. XXXIV 47.

4) Petron.sat. 88 : Erectus his sermonibus consulere prudentiorem
coepi aetates tabularum et quaedam argumenta mihi obscura, simulque
causam desidiae praosentis excutere, cum pulcherrimae artes periissent,
inter quas picturä no minimum quidem sui vestigium reliquisset. Ueber
die bekannte Stelle im Kap. 2 »pictura quoque non alium exitum fecit,
postquam« etc. vergleiche den fünfzehnten Abschnitt.

5) Plin. XXXV 29. Vgl. XXXV 50. Ueber die entsprechende
Ansicht des Lucian s. Blümner, arch. Stud. zu Lucian p. 89.
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