Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1898

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AMT TAUBERBISCHOFSHEIM. — KRAUTHEIM

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Krutheims befand sich die feste Reichsstadt Hall, in welcher Konrad selbst begütert war, im Osten
und Norden wohnten im Taubergau, bis nach Würzburg und Wertheim und auch im Westen nur
gute Freunde und Verwandte der Herren von Krutheim, während diese selbst als Lehensträger des
Bisfhums Würzburg den Schutz der mit Herzogsgewalt begabten Bischöfe genossen.

Als Nachkomme des genannten Eberhard von Krutheim ist Wolferad von Krut-
heim anzusehen, welcher i. J. 119 2 für den Grafen von Wertheim als Zeuge auftritt und
sich auch schon von Sweneburch [vergl. ein Sigill Wolfrads von Sweneburch von 1231]
nennt. Durch ihn und seine Heirath mit einer Tochter des Hauses B o x b e r g gelangen
seine Söhne Konrad (der oben genannte Erbauer der Burg Krautheim), Wolferad und
Kr äfft sowohl in den Besitz von Schwanberg (Schweinberg, Amt Buchen), als auch
von Boxberg. Konrad selbst nennt sich nie von Schwanberg, ist jedoch Mitbesitzer
von Burg und Herrschaft Boxberg, welchen Antheil er in einem Verkaufbriefe von 1239
an Gottfried von Hohenlohe übergiebt. Kraft von Boxberg.vermachte eben-
demselben im Jahre 1245 seinen Antheil an Boxberg, falls er kinderlos stürbe (was indess
nicht der Fall gewesen). Wolferad dürfte seinen Antheil an Schwanberg schon kurz nach
1238 veräussert haben; der Antheil an der Herrschaft Krutheim fällt seinem Schwieger-
sohne Otto von Eberstein kurz nach 1246 zu.

Das Jahr zuvorhatte nämlich Konrad von Krutheim einen grossen Theil seiner Güter
an Wolferad, welcher Mitbesitzer der Burg Krautheim gewesen war, verkauft, den Rest
derselben vermachte er dem von ihm um d. J. 1245 begründeten Kloster Gnaden-
thal, in das er sich seit dieser Zeit zurückzieht, in welchem er 1267 stirbt und allwo er
begraben ist. Seine Kinder widmeten sich dem geistlichen Stande, so dass also schon
in der Mitte des 13. Jhs. die stattliche Herrschaft Krutheim an andere Dynasten und zwar
an die Hohenlohe und Eberstein, die nächsten Verwandten, übergeht.

Das Wappen der Herren von Krutheim ist ein durch sechs wagrechte Balken getheilter
Schild. Wolfrad siegelt 1231 als Mitbesitzer von Schwanberg mit einem Wappen, auf welchem ein
fliegender Schwan mit der Umschrift: Wolferad de Cruthei<n zu sehen ist. Konrads
und Krafts Siegel vom Jahre 1228 besitzt sechs wagrechte Balken, die sich bei beiden Siegeln nur
durch verschiedene Verzierung der Balkenstreifen unterscheiden 1 bei des ersteren Siegel ist ein
Rautenmuster, beim andern ein schuppenartiges vorhanden.

Die weitere Geschichte der Stadt und Burg Krautheim geben wir
nachstehend in Regestenform1).

1330. »Gotfrit von Hohenloch« und seine Frau »Elizabeth kommen mit »Baldewin,
Erzbischof zu Triere« und Vormund des Stiftes »Menczei wegen der »Veste Krutheim
bürg und Stadt« überein, dass sie dieselbe zur Hälfte haben sollen. (Wzb. Kr.)

Diese Urkunde ist insbesondere wichtig wegen der Bestimmungen über Burgbesitz und Burg-
frieden. Beide Besitzer sollen »die vorbenant bürg und Stadt mit allem dem, daz darzu gehört . . .
habin und nyzzen halbis, also daz die tore und wege, die yn die ebengenant bürg und stad (führen?)
gemeyn sul in sin. Es sal auch der turne, der in der ebengenanten veste steet, gemeyn sin und
sullen yn gemeynlich besitzin, wir stillen auch mit dem vorbenanten unserem gnedigen herrn an der
ebenanten bürg und stad eynen gemeynen burgfriede habin, als des landes gtwonheit ist. Es sal
auch unser keyner des andern lute in sinen teile enphahen, die mit der vorbenanten vesten getelet
sin, ez were dan, ob ander lute, cristen odir juddin, dahin komen .... Es ist auch gerit worden,
were daz broch und kriege zwischen uns und unserm vorbenanten herren wurde, so sal unser
beyder lute und gute zu Krutheim und, waz darzu gehöret, in gutem fryde genandir sin ane alles

1) Verfasser veröffentlicht hier nur einen kleinen Theil der in seinem Besitz befindlichen
Regesten und verweist zugleich auf seine Aufsätze über das von Konrad von Krutheim begründete
Kloster Gnadenthal in Nr. 26 bis 29 und 45 bis 52 der südd. Bauzeitung 1897. (St.)
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