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Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Tauberbischofsheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1898

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.1372#0246

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KREIS MOSBACH.

Thorweg

Wirthsschild

Friedhof

Kruzifix

Gemeindebuch

Sammlung

Kelch

Am Eingänge zum Ort von Osten her in der Hauptstrasse hübsches Hof portal
mit der Jahreszahl 1691 und den Buchstaben I. H. I. M. am Schlussstein der kleinen
Nebenthür; dabei Abzeichen des Weinbaues (Scheere, Hacke, Trauben etc.). Der
Schlussstein des grossen Rundthors zeigt ein derbes Fratzengesicht.

Der sogen. Marktbrunnen mit schmucklosem, steinernem Wasserkasten trägt ein
geschildetes Meisterzeichen mit der Jahreszahl 1561.

Schönes Wirtkshausschild in Rococo am »Adler«, auf dessen Wetterfahne die
Jahreszahl 1735 zu lesen ist.

Der nach Oberschüpf zu gelegene alte Friedhofist eine Gründung des Alb recht
von Rosenberg und seiner Gemahlin Rufina vom Jahre 1564, wie aus dem
aussen eingemauerten, ehemaligen Thorschlussstein mit dem Doppelwappen und der
betr. Jahreszahl hervorgeht. Ein zweiter Stein oben an der Ecke der Umfassungsmauer
mit der Jahreszahl 1612 deutet vielleicht auf eine Vergrösserung des Friedhofes in dieser
Zeit hin.

Von demselben Ehepaar (s. oben Grabstein 1 in der Kirche) und aus demselben
Jahre stammt auch der steinerne Crucifixus daselbst (Wappen und Jahreszahl unten am
Sockel), eine künstlerisch unbedeutende, aber wirkungsvolle Arbeit.

Im Besitz der Gemeinde befindet sich ein interessantes Buch (fol.), leider in defektem
Zustande, in rothen Atlas mit Goldschnitt gebunden. Es enthält sämmtliche von
Albrecht von Rosenberg für den Ort gegebenen Ordnungen und Vor-
schriften (Kirchen-, Schul-, Markt-, Polizeiordnung u. dergl.) und trägt auf jeder Seite
die eigenhändige Unterschrift Albrechts.

Beim kunstsinnigen Pfarrer Schenck eine hübsche Sammlung von prä-
historischen, römischen und mittelalterlichen Gegenständen, meist aus der Umgegend
stammend, besonders auch von der Oberschüpfer Burg.

Im Pfarrhause auch ein kleiner Krankenkelch und Patene (silbervergoldet) mit
dem Wappen des Konrad Wölffing und seiner Ehefrau Ursula vom Jahre 1637.

Das im Pfarrarchive aufbewahrte Manuskript des Pfarrers Leutwein ist
oben (S. 123) besprochen.

UNTERWITTIGHAUSEN

Schreibweisen und Geschichtliches s. oben unter Oberwittighausen.

Münzen Auf dem Felde in der Nähe des Dorfes wurden 1883 zwei sogenannte „Regen-

bogenschüsselchen1', d. h. näpfchenförmig gehöhlte keltische Goldmünzen mit erhöhten
rohen Zeichnungen gefunden, welche in Privatbesitz übergegangen sind. Gleiche Funde
werden auch sonst-in der Nähe bezeugt, so bei Hundheim und Kembach (s. Amt Wert-
heim). (W.)
Pfarrkirche Die Pfarrkirche (tit. Ad omnes Sanctos) wurde an Stelle eines alten, baufälligen

Gotteshauses i. J. 1739 (Grundsteinlegung 16. Juni) nach Plänen und unter Leitung des
berühmten Würzburger Architekten Obrist B. Neumann neu errichtet, doch mussten
bereits i. J. 1790 der Chor und das Gewölbe des Mittelschiffes wegen drohender Gefahr des
Einsturzes abgetragen werden. Renovation mit flacher Decke. Neuerdings (1880) aber-
 
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