Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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-sr*£>> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

den Rahmen auf der vorderen Seite ver-
letzt; dadurch entsteht ein Raum, zwischen
welchem die Luft frei zirkulieren kann.
Holzwände, die nicht mit Oelfarbe gestrichen
sind, sind die besten für Bilder, wo diese
nicht sind — und sie sind an und für sich
selten — sollte jeder Bilderfreund die kleine
Mühe nicht scheuen, durch dieses einfache
Mittel seine Kunstschätze vor dem Ruin zu
bewahren. Achtet doch ohnehin jede Haus-
frau darauf, dass Möbel nicht direkt an die
Wand gestellt werden. Wenn auch die Lein-
wand so wie so durch den Blendrahmen
und den Rahmen von der Wand entfernt ist,
so bleibt doch immer die Feuchtigkeit der
ringsum ganz oder teilweise bedeckten Wand-
fläche länger darauf festgehalten. Eine Ent-
fernung des Rahmens von der Wand, selbst
in Länge eines Weinpfropfens, ist ohnehin
gar nicht einmal zu bemerken.
Wenn man längere Zeit im Besitze eines
Bildes ist, so gewöhnt sich das Auge durch den
täglichen Anblick an das ganz allmählich fort-
schreitende Trübe- und Mattwerden derFarben,
bis man bei ganz aufmerksamem Betrachten
findet, dass sich das Bild doch sehr zu seinen
Ungunsten verändert hat; die einst bewun-
derten Feinheiten im Ton sind verschwunden,
die Darstellung ist flacher, Silhouetten-, um-
rissartig geworden. Entweder tröstet man
sich „das Bild ist eben älter geworden" oder
man nimmt an, dass die Farben verblasst sind.
Wird ein Kenner darüber gefragt, so kommt
meist die mit selbstverständlicher Bestimmt-
heit gegebene Antwort: „Das Bild muss ge-
firnisst werden." Wehe dem Bilde, wenn
dies geschieht! Es geschieht leider meistens,
und damit wird der Grund zu seinem Ver-
derben gelegt. Vergegenwärtigt man sich,
wie Fensterscheiben oder Spiegel aussehen,
die Jahre lang nicht geputzt sind, so kann
man sich den Zustand der Bilder damit er-
klären. Wie die in ebenso langer Zeit nicht
geputzten Fenster und Spiegel aussehen
würden, ebenso sehen die Bilder aus. Es
fehlt weiter nichts als das Waschen. Nun
ist die Scheu davor allzuberechtigt; das
Waschen der Oelbilder ist zwar einfach und
von jedem Bilderbesitzer selbst ausführbar,
aber die Bedingungen, die dabei zu beachten
sind, sind so mannigfaltiger Natur, dass dieses
Thema seine besondere Abhandlung verlangt.
Es sind nur alles Kleinigkeiten, die dabei zu
beobachten sind, aber gerade die Kleinigkeiten
spielen in der Kunst und bei der Kunst ihre
grosse Rolle.

PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
DUDAPEST. Neuorganisation des Landesrates für
bildende Künste. Die von den bildenden Künstlern
Ungarns seit Jahren geforderte Reorganisierung des
oben erwähnten Landesrates ist endlich erfolgt. Wenn
auch die von den Künstlern zum Ausdruck gebrach-

JAPAN1SCHE NIPPSACHE (OKI.MONO)
Fig. 22. Elfenbeinschnitzerei

ten Wünsche nicht in vollem Masse berücksichtigt
wurden, so lässt sich doch nicht leugnen, dass die
Zusammenstellung der Mitglieder des Kunstrates
eine viel bessere ist als sie bisher war. Der
Zweck dieses Rates ist — wie das neue Statut be-
sagt— dem Minister für Kultus in Angelegenheiten


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