Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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zu Berlin


MUNCHENER FRÜHJAHR-AUSSTELLUNGEN
Von Dr. Georg Habich
L: SECESSION

Je älter an Jahren und reifer an Kunst die
einst so jugendlich-ungebärdige Secession
wird, desto grössere Bedeutung gewinnen dieall-
jährlich stattfindenden Frühjahr-Ausstellungen
dieses Künstlerkreises. Bilden sie doch immer
mehr eine Truppenschau über die junge
Mannschaft, eine Frühjahr-Parade des hoff-
nungsvollen Nachwuchses, und selten zieht die
Schar dieses ver sacrum vorüber, ohne dass
man in ihren strammen Reihen nicht einen
oder mehrere Neulinge bemerkte, die zu der
freudigen Hoffnung berechtigen, dass sie den
heiligen Feuerbrand im grossen Fackellauf
der Kunst rüstigen Fusses wohl eine gute
Strecke werden weitertragen dürfen, bis auch
sie, an ihrem Ruhe- und Sammelpunkt an-
gelangt, die Flamme wieder an jüngere Hände
weiterreichen.
Als eine solche verheissungsvolle Erschei-
nung möchten wir die stattliche Kollektion
figürlicher Studien von Albert Weisgerber
begrüssen. Wer möchte hinter diesen er-
staunlich sicher und fest hingesetzten Sachen
einen jungen Anfänger und in diesem jungen

Akademiker, dessen Element offenbar die
freie Luft und starkes Sonnenlicht ist, einen
Schüler von Stuck vermuten? Die Arbeiten
machen dem Meister nicht weniger Ehre als
dem Schüler; es gehört in der That eine
grosse und weitherzige Kunstanschauung dazu,
derart auf die Eigenart des Lernenden ein-
zugehen, wie es hier ein so völlig anders ge-
arteter Künstler als Lehrer vollbracht hat. Es
sind keine alltäglichen Probleme, die sich der,
bisher nur von kunstgewerblichen Arbeiten
bekannte, junge Künstler gestellt hat. Bäuer-
liche Figuren in ihren buntfarbigen Kostümen,
von der grellen Sonne entweder voll getroffen
oder schräg gestreift, stellt er vor einen nahen
landschaftlichen Hintergrund. Strich sitzt klar
neben Strich, Fleck neben Fleck und das Ganze
steht leuchtend und körperlich rund, hand-
greiflich sozusagen da. Besonders erfreulich,
wie durch die Treffsicherheit der Mache so
durch die harmonische Gesamtwirkung, ist
eine alte Dorfhexe, die mit ihrer Reisiglast
auf dem krummen Buckel sich am Wiesen-
rain niedergelassen hat und dem Beschauer

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