Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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christian eriksson

bretonin

VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
CRANKFURT a. M. Das Ereignis des Novembers
*■ ist für uns die dritte Jahres-Ausstellung der Frank-
furter Künstler, die der Kunstverein in seinen Räumen
veranstaltet hat. Dieser ^Frankfurter Salon« scheint
sich immer mehr zu einer dauernden Einrichtung
auszuwachsen, und jedenfalls hat der Kunstverein
die Aufgabe richtig erkannt, die ihm in seinem
engeren, örtlichen Bereich gegeben ist, wenn er
sich nach wie vor an die Spitze dieses Unternehmens
stellt. Dass bei einer solchen Veranstaltung, die
ja nicht mit den Ansprüchen eines eigentlichen
;concours artistique« auftritt, sondern die zugleich
im Hinblick auf die bevorstehende Festzeit eine
Art Verkaufsgelegenheit sein will, die Thore weit
aufgemacht werden und dass neben den Koryphäen
auch den bescheideneren Grössen zweiten und dritten
Ranges Platz gegönnt wird, wer möchte es schelten?
Frankfurt hat gute Künstler genug, um eine solche
Ausstellung unter allen Umständen gelingen zu
lassen; uns wird man entschuldigen, wenn wir nur
einige der am meisten hervorragenden Personen
und Gegenstände nennen. Man hat dem Begriffe
des »Frankfurter Künstlers- eine so weite Deutung
gegeben, dass nicht nur ortsansässige, sondern auch
auswärts thätige Künstler, wenn sie nur aus Frank-
furt stammen, zugelassen sind, so beispielsweise aus
dem Münchener Künstlerkreise zwei tüchtige jüngere
Landschaftsmaler, Gottfried von Hoven und
Fritz Rabending. Das einheimische Landschafts-

fach repräsentiert diesmal auf die liebenswürdigste
Weise W. Steinhausen; seine >Harzlandschaft<
war schon in der ersten Stunde des Firnistages ver-
kauft. Die originellste Leistung neben dieser ist
F. Boehle's >Frische Brise<, ein holländisches
Motiv, das wieder einmal die von nirgendwoher ab-
geleitete, man möchte sagen primäre Erscheinungs-
form, die dieser Künstler allem abgewinnt, was er
berührt, verbunden mit einer Kraft und Reinheit
des Ausdrucks zeigt, die sich schlechterdings mit
nichts anderem vergleichen lassen. Verdienten Bei-
fall fand von anderen Gegenständen, die flott und
farbig hingesetzte >Atelierscene< des vor einigen
Jahren von Düsseldorf nach Cronberg verzogenen
F. BrOtt, ein Werk, das allerdings in einem völlig
anders gearteten Garten gewachsen ist, als die Kunst
jener eben erwähnten neuen Romantiker. Als Porträt-
malerei ragten die Arbeiten von Ottilie Röderstein
und Max Schüler und mit ihnen ein Reiterbildnis
von Trübner, jedes in seiner Art, um ein Erheb-
liches über den Durchschnitt hervor. Unter den
Skulpturen zeichneten sich das »Erwachen« von
G. Bäumler und die »Verlobte« von J. Kowarzik
durch ein intimes und ausserordentlich weit ge-
triebenes Studium nach dem Nackten aus. — Auch
eine Böcklin-Ausstellung haben wir, die dritte und
nun wohl letzte, mit der uns der Wetteifer unserer
Kunstsalons beschenkt, zu verzeichnen und man
muss es der Firma Hermes & Co., die sie veran-
staltet, zu ihrem Lobe nachsagen, dass sie da ein
nicht mehr ganz neues Thema mit neuer Anziehungs-
kraft zu behandeln gewusst hat. Es handelt sich
in diesem Falle vorwiegend um verkäufliche Werke,

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