Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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-sri^> MAREES UND SCHACK — PERSONAL-NACHRICHTEN <^=^-

gethan. Nach Ihren eigenen An- und Ab-
sichten darf ich das wohl annehmen. Währt
auch das Durchdringen zum Resultat bei
dem einen länger als bei dem anderen, so
ist doch dann zu hoffen, dass solches auch
wieder seinen Urheber überdaure, zu seinem
Ruhm und desjenigen, der die Gelegenheit
gegeben hat ... In den unvergänglichen
Epochen der Kunst wurde mehr darauf ge-
sehen, Gutes als Viel zu leisten, so dass denn
auch in den geringsten Dimensionen die
Grösse und Bedeutung der Malerei in jenen
Zeiten verkündet werden. Soll man in Italien
leben und streben und das ignorieren?
Sollte die Malerei nur dazu existieren,
den Ausübenden vor dem Hungertode zu
sichern und den Liebhaber momentan zu
erfreuen? Das menschliche Leben ist doch
gewiss nicht so schön, dass die blosse Er-
haltung desselben einen zu begeistern ver-
möchte, noch kann falscher Ruhm so ver-
blenden, um anregend zu wirken in einer
Zeit, wo man Gut und Schlecht nicht zu
unterscheiden weiss. Ein wahres Kunst-
werk wird für den Beschauer mit der Zeit
an Schönheit zunehmen, sein Gefallen daran
zuletzt zu wahrer Liebe steigern; wer die Be-
dingungen zu einer solchen kennt und anzu-
geben weiss, der darf das Richteramt üben,
dessen Ausspruch wird sich jeder beugen.
Noch einmal bitte ich zum Schluss,
meinen Wunsch zu erfüllen, dass nicht


HANS THOMA CELLA THOMA
(gemall 1892) (f 23. November)

Gefühle, die ich schon seit langer Zeit
mit grösster Anstrengung zu unterdrücken
trachte, die Oberhand über mich gewinnen
und mich in den Abgrund stürzen, an dessen
Rand ich wandle."
Der Brief enthält noch einige Vorwürfe
gegen Schack (der ihn gedrängt und missver-
standen habe und ähnliches) und gegen seine
Ratgeber, deren Abdruck mir die Verpflich-
tung auferlegen würde, sie sofort und beweis-
kräftig zu widerlegen, wozu mir keineswegs
das Material, aber für diese Skizze der Raum
fehlt. Dem Wunsche Marees' kam Schack
gerne nach: Die beiden Versuche, welche
ihm, nach zweieinhalb Jahren Wartens, vom
Künstler gesandt waren, blieben im Zimmer
seines Sekretärs der Welt verborgen. In seinem
Buche „Meine Gemäldesammlung" (6. Aufl.
1891) widmet der Graf pag. 280 u. f. seinem
ehemaligen Schützling ehrende Worte der An-
erkennung.
Georg Winkler

PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
V"ARLSRUHE. Hans Thoma hat durch den am
23. November in Konstanz nach schwerem Leiden
erfolgten Tod seiner Gattin einen schweren, unersetz-
lichen Verlust erlitten. Die Verstorbene, die nur ein
Alter von fast fünfundvierzig Jahren erreichte, war
nicht nur, als Schülerin ihres Gatten, eine hochbe-
gabte Blumen- und Stillebenmalerin, deren feine,
stimmungsvolle Werke das Entzücken aller Kenner
bildeten, sondern auch die mit reifstem künstle-
rischem Verständnis ausgerüstete, treueste Gehilfin,
Freundin und Beraterin des Meisters, die ihm in den
traurigen, sorgenvollen Zeiten, da künstlerischer Un-
verstand des grossen Meisters Werke überall zurück-
wies, fest und unentwegt — als echte deutsche Frau —
zur Seite stand, was ihr nie vergessen werden soll, so
lange noch für des Meisters wahre, deutsche, gemüt-
und seelenvolle Kunst die Herzen schlagen werden.
DONN. Als Nachfolger Carl Justis in der ordent-
" liehen Professur für Kunstgeschichte an der hie-
sigen Universität ist dem Vernehmen nach der bis-
lang ausserordentliche Professor und Provinzial-
Konservator der Rheinprovinz, Dr. Paul Clemen
in Düsseldorf, in Aussicht genommen.
DERLIN. Die Ausführung des Richard Wagner-
Denkmals ist nun doch Gustav Eberlein
vom Kaiser, dem die Entscheidung zustand, über-
tragen worden. Der preisgekrönte Entwurf sollte
im wesentlichen bestehen bleiben; der Künstler
hat jedoch versprochen, ihn derartig zu verbessern,
dass wenig mehr als der architektonische Aufbau
übrig sein wird. Der weibliche Genius der Musik
auf dem Sockel soll eine vollständige Neugestaltung
erfahren und auf die Erscheinung Wagners, der
vorn am Sockel sitzt, der Nachdruck der ganzen
Komposition gelegt werden. Eberlein verspricht

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