Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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n icol. gysis studie

werk, sondern nur als Plakatzweck betrachtet
werden kann.
Fehlt also diese interessante Note in
der Hagen-Harmonie, so fällt zunächst als
eigenster Karl Mediz auf. Sein Bild „Die
Eismänner", einer Tiroler Sage entnommen,
ist ein ehrlich empfundenes Werk. Knor-
rige, harte ernste Männergestalten stehen
auf hohem Felsvorsprung, von der eisigen
Gletscherluft umflossen. Sie gehen aus,
Wichtiges zu vollbringen, sie sind vereinigt
zu willensstarkem Handeln. So spricht es
aus den wetterharten Zügen der in ihrem
Ausdruck wenig differenzierten Figuren. Die
Naivetät der Technik, welcher Mediz sich
bedient, die ungeheure Peinlichkeit in der
Ausführung der Haare und der langen Bärte,
die kleinliche Sorgfalt im Unwesentlichen giebt
der Darstellung etwas von der Einfalt der
alten deutschen Meister. Und gerade diese
Einfalt wirkt als Stärke. Denn sie ist nicht
als äusserer Stimmungserreger künstlich er-
zeugt, sondern wirklich treu aus dem Innern
empfunden. Mediz, der jetzt in Dresden
lebt, dürfte sich in der Richtung Hodlers,
dem er in der Herbheit der Anschauung
ähnelt — ohne ihn natürlich noch lange nicht
künstlerisch zu erreichen — entwickeln. In
die Reihe der symbolischen, oder sagen wir
der gedanklichen Bilder gehört auch Walter
Hampel's „Eva", ein gutes, etwas langweiliges
Aktbild, ein strukturell sehr richtig erfasster

Frauenkörper in etwas banalem Bewegungs-
rhythmus und ohne stark sinnliches Tempera-
ment gegeben. Von den grossen Leinwanden,
wie z. B. Franz Thiele's „Helden" wollen wir
lieber absehen, es sind äusserliche, ganz un-
interessante Leistungen. Nicht viel Ausbeute,
d. h. keine neu klingende Note, keine persön-
lich starke Projicierung finden wir in den
Porträtbildern. L. F. Graf, welcher vor
Jahren nach einem Aufenthalt in Frankreich
im Künstlerhaus durch seine fein konturierten
Physiognomien und durch die Bestimmtheit
seiner Linien sehr auffiel, hat leider alle
diese Errungenschaften eines seine Eigenart
herausarbeitenden Künstlers in Manier ver-
wandelt. Indem der Künstler die Art seiner
Technik, weil sie Erfolg hatte, forciert, kopiert
er vorerst sich selbst und endet damit, auch
andere zu imitieren. So hat er ein Frauen-
porträt ä la Gandara, einen stilisierten Frauen-
kopf ä la Khnopff etc. und sagt schliesslich, da
er so vielerlei ausdrücken will, eigentlich gar
nichts Wesentliches. — Sehr frisch und gut ist
ein Männerporträt von Rudolf Konopa, lieb in
der Auffassung, wenngleich leider kreidig und
farbenunfroh ein Kinderbildnis von Robert
Schiff. Raimund Germela hat die längliche
Frauenfigur (Porträt) mit den durch die schrei-
tende Bewegung sich werfenden Kleidern gar
zu sehr dem Breslauer Spiro nachempfunden.
Besser wirkt er, besonders koloristisch in den
spanischen Volksscenen.
Seitdem die internationalen Landschaften


nicol. gysis bildnisstudie

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