Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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VON AUSSTELLUNGEN

des guten Cooper den
modernen Künstler auf
die Dauer doch zu ermü-
den. Der Holländer Jan
Toorop, der früher in
einer seltsamen Linien-
symbolik schwelgte, hat
religiöse Zeichnungen
ausgestellt, die in ihrer
Zartheit an alte Silber-
stiftblätter gemahnen,
aber ihren Gefühlsinhalt
in ganz persönlicher
Weise aussprechen. In
einem eigentümlichen
Gegensatz dazu stehen
seine flotten Steinzeich-
nungen aus dem moder-
nen Arbeiterleben (Jubi-
läumswerk der Kgl. Ker-
zenfabrik in Gouda). Eine
ganz neue Erscheinung
war mir Ilna Ewers-
Wunderwald, die Gat-

die kalckreuth-ausstellung in der neuen kunsthalle in kiel HIEwers 1 hnfkoTÖ rieften

Federzeichnungen von

seines dalekarlischen Heims gesandt hat. Ebenso Tieren und Pflanzen sind farbig sehr effektvoll
umfangreich und vielseitig, aber wesentlich anregen- und von einem ganz ungewöhnlichen Geschmack
der ist die neue Ausstellung der Berliner Sezession, in der Raumverteilung. Von bedeutenden Toten
auf die der Name Schwarz-Weiß-Ausstellung übrigens hat die Ausstellungsleitung außer den schon Ge-
niel» ganz zutrifft, da sie auch Pastelle, Aquarelle, nannten unter andern Werke von Walter Leistikow,
Farbenholzschnitte usw. umfaßt. Freilich enthält sie Camille Pissarro, dem Schweden Ernst Josephson,
vieles längst Bekannte, so große und zum Teil voll- dessen Bildnisse im vergangenen Sommer so großes
ständige Serien der Radierungen und Steindrucke Aufsehen machten, und natürlich von van Gogh,
von Kalckreuth, Thoma, Böhle, Manet, Toulouse- der ja auf keiner Sezessionsausstellung fehlen darf,
Lautrec, Zorn. Und allerdings fehlt es auch nicht herangezogen. — Gleichzeitig findet im Künstlerhaus
an widerwärtigen, hingesudelten Machwerken; doch eine Ausstellung von Studien und Skizzen Berliner
wirken diese in dem kleinem Maßstab weniger her- Künstler statt, die schon durch die Beifügung der
ausfordernd und beleidigend als die quadratruten- Preise im Katalog etwas stark den Charakter des
großen Oelbilder der Sommerausstellung. Von den Weihnachtsbazars trägt. Der Titel führt irre. Wir
bemerkenswerten neuen Sachen können wir nur blicken im allgemeinen nicht eigentlich in die Werk-
einige herausgreifen. Liebermann hat zum ersten- statt der Künstler, sondern diese haben kleinere
mal Lithographien ge-
sandt, in denen er seine - ^^^^^^^^^^^^
geistreich andeutende r » B
Zeichenkunst voll zur Vm^l I /^^-l/
Geltung bringt, sich die - V_W \l ■ I /
Sache technisch aber et- " Vg W

was gar zu leicht macht. Jg-.-. Sf - ~*aPW a ■ # /

Die auf den Stein umge- Bs»* 1*4*1 f \. M t L

druckte Kreidezeichnung l^^^^^j^^^^^^Bf' ^ ' w ■ * \ \

ist doch nur die aller- -9na 1 *\ \ L ;

primitivste Form der Li- BF/W' v^TYtH&I^^Jw l <»

thographie. Erst das Wei- WwL mt. Wvi. •*>• 1

terarbeiten auf demjStein ^^fl I^bK-^P *~ -—- J^^^r^mtL-^ft^m fl j, l -J\

gibt ihr den besonderen "*%f ■--■ . f^fcf-J -j

Reiz. Slevogt weiß fe
in seinen Lederstrumpf-
Blättern das Momentane
der Bewegung trefflich
herauszubringen , ich -^S*
stelle mir unter lllustra- i»-•A-t**f"J^J»-

tionen im Folioformat B»^: BMF %, * ' t * \

aber doch etwas anderes , ik» \.__

vor als die Vergrößerung jj^^^S5=^=S3jM»)P»S5B^^= ^wP^==^^^

amüsanter Randeinfälle. __——

Auch scheint das ewige ——^ — '

Brennen, Schießen, Ste- a"*^^^^ jsOm^^^^mK^^^^^^^^^m

chen, Hängen, Skalpieren die neue kunsthalle in kiel

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