Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 8.1897

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL VON LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN BERLIN SW.

Heugasse 58.

Yorks traße, 20.

Verlag von SEEMANN & Co. in LEIPZIG, Gartenstr. 17. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

Neue Folge. VIII. Jahrgang.

1896/97.

Nr. 20. 1. April.

Die Kunstekronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
leisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, a 30 Pf- für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshandlung
die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

Da ich während der Osterferien eine Studienreise antrete, bitte ich die Herren Korrespon-
denten, ihre Einsendungen vom 1. April bis 8. Mai sämtlich direkt an die Verlagshandlung nach
Leipzig zu adressiren. C. v. LÜTZOW.

DAS NATIONALDENK-
MAL FÜR KAISER
WILHELM I. IN BERLIN.

Am 22. März um 11 Uhr
vormittags ist die Hülle von
dem Reiterbilde des ruhmvollen
Begründers des deutschen Rei-
ches gefallen. In Anwesenheit
der deutschen Bundesfürsten
und ihrer Vertreter mit dem
Kaiser Wilhelm IT. an der
Spitze, der Abgesandten be-
freundeter Herrscherhäuser hat
unter dem Donner der Kano-
nen und dem Geläute alle*
Glocken das Denkmal, das das
deutsche Reich aus seinen vom
Reichstag« bewilligten Mitteln
errichtet hat, seine Weihe er-
halten. Wie wir es jetzt vor
uns sehen, fügt es sich glück-
licher in die Raumbedingungen
ein, als man nach der Wahl
des Bauplatzes erwartet hatte.
Die gegenüberliegende Schloss-
fassade ist trotz ihrer gewal-
tigen Höhenentwicklung nicht,
gefährlich. Dazu sind die Maße
des Denkmals zu gewaltig ge-
nommen worden und dazu ist

Das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I
in Berlin.

vom Nationaldenkmal

die Gliederung der Fassade,
wenn man von dem viel zu
viel gerühmten, im Grunde aber
nur durch die Massen wirken-
den Eosander'schen Portal ab-
sieht,' zu dürftig. Man hilft
zwar dem Portal durch Füllung
der leeren Flächen über dem
Triumphbogen mit jReliefs hi-
storischen Inhalts auf; aber diese
nachträgliche Korrektur wird
die Ode der Fassade nur noch
stärker hervortreten lassen. Das
Reiterstandbild behauptet sich
also mit Ehren nach der Höhe,
und nach der Breitenentwick-
lung bildet die Halle ein voll-
kommen ausreichendes Gegen-
gewicht gegen die Breite der
Schlossfassade. Ungünstiger ist
die Wirkung, wenn man mit
dem Rücken gegen die Schloss-
front steht und auf das Denk-
mal blickt. Dann wirkt die
Halle wie eine zerrissene Kou-
lisse, die überall unerfreuliche,
empfindlich störende Ausblicke
eröffnet.

Was jeder, der ein fein-
fühlendes Auge besitzt, jetzt
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