Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Denkmäler — Funde — Ausstellungen — Sammlungen

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Im Wettbewerb für das Gymnasium in Höxter

erhielten unter 119 Entwürfen Architekt Alfred Berger in
Leipzig den ersten, J. Dessecker in Stuttgart den zweiten,
Alex Koebel in Karlsruhe den dritten Preis.

Im Wettbewerb für ein neues Gebäude der
Oldenburger Spar- und Leihbank erhielten je einen
ersten Preis von 3500 Mark W. Müller und W. Beer in
Frankfurt a. M. und Karl Kühn in Hilden, je einen zweiten
Preis die gleichen Frankfurter Architekten und Adolf Krayer
in Brünn. Vier Entwürfe wurden angekauft.

DENKMÄLER
X Das Denkmal Heinrich von Treitschkes im

Vorgarten der Berliner Universität, das nachgelassene Werk
Rudolf Sienierings, ist am 9. Oktober feierlich enthüllt
worden. Das Standbild zeigt den Gelehrten im Professoren-
talar, in der Haltung des Redners. An der Rückwand des
Sockels ist Treitschkes Wort zu lesen: »Männer machen
die Geschichte«.

Ein Riesendenkmal für Robert Fulton, dem Er-
finder des Dampfschiffs, beabsichtigen die New Yorker an
der Stätte seines ersten Triumphes zu setzen. Man will
zwölf Millionen Mark dafür aufwenden.

FUNDE

Die Aufdeckung von Wandmalereien im Rathaus
zu Villingen in Baden ist soeben erfolgt. Unter mehr-
fachen Tünche- und Putzschichten kamen verschiedene
Fresken im deutschen Renaissancestil zutage. Die reichen
ornamentalen Einrahmungen der Türen und Fenster aus
der Mitte des 16. Jahrhunderts sind so erhalten, daß eine
Wiederherstellung der alten Gestalt von Treppenhaus und
Diele durchführbar erscheint. Ferner wurden unter mehr-
fachen Anstrichen der Dielentür reiche Holzintarsien auf-
gedeckt.

AUSSTELLUNGEN
X Eine internationale Städtebauausstellung wird
für das kommende Frühjahr in Berlin geplant. Der Ge-
danke knüpft daran an, daß in den ersten Monaten des
Jahres 1910 der Eingang der Entwürfe zu dem Wett-
bewerbe »Groß-Berlin« zu erwarten ist, den die Berliner
Architektenvereine vor einigen Jahren ausschrieben, um
die Fragen des künftigen Ausbaues der Hauptstadt einer
sinnvollen Lösung zuzuführen. Geh. Baurat Otto March,
der bei jenem Ausschreiben die treibende Kraft war, ist
auch der energische Propagator des neuen Planes, der
ohne Zweifel allenthalben das größte Interesse finden
wird. March hat den Vorsitz eines freien Ausschusses
übernommen, der beim Magistrat wie bei den staatlichen
Behörden den Antrag stellen wird, die gedachte Erweite-
rung der Konkurrenzausstellung zu unterstützen. Es handelt
sich darum, auf breitester Basis ein Bild der modernen
Bemühungen auf dem Gesamtgebiet der Städtekunst zu
geben. Zahlreiche deutsche Städte, von den österreichi-
schen vor allem Wien, vom Auslande namentlich England,
Amerika, Holland und die skandinavischen Staaten sollen
dabei berücksichtigt werden. Außer den Großstadtplänen
sollen Vorortanlagen, Gartenstädte, Industriegebiete mit
Arbeiteransiedelungen in Zeichnungen und Modellen vor-
geführt werden. Hinzu kommen Darstellungen von Ver-
kehrseinrichtungen, statistische Mitteilungen aus dem Oe-
biet der Hygiene und Volkswohlfahrf, ferner Proben der
Brücken-, Brunnen- und weiterer Monumentalkunst. Es
besteht die Absicht, auch öffentliche Vorträge mit der
Ausstellung zu verbinden.

Die Große Aquarell-Ausstellung Dresden 1909,
die der Sächsische Kunstverein veranstaltet hatte, ist wäh-
rend der ganzen Dauer lebhaft besucht worden. Der vierte

Teil der ausgestellten Kunstwerke ist mit einem Erlös von
65000 Mark verkauft worden.

X Eine Ausstellung ungarischer Hausindustrie
bereitet für Ende Oktober das Hohenzollern-Kunstgewerbe-
haus in Berlin vor.

SAMMLUNGEN
X Durch eine kunstfreundliche Stiftung des Herrn
Hermann Hoffbauer und seiner Gattin ist der Berliner
Nationalgalerie eine Reihe wichtiger Stücke zugeführt
worden. Zunächst ein Bildnis des Hofbaurats A. Schadow
von Franz Krüger. Sodann zwei Porträts von Heinrich
von Angeli, ein Aquarellbildnis der Frau Emilie Schadow
von Eduard Magnus, ein Bild von O. Faber du Faur (»Die
heiligen drei Könige auf dem Wege nach Bethlehem«),
Landschaften von Scherres und Gentz, sowie eine umfang-
reiche Sammlung von Arbeiten Eduard Hildebrandts: acht
größere Landschaften, ein Bildnis Alexanders von Hum-
boldt, 280 Aquarelle von der Weltreise, die der Künstler
unternahm, und nicht weniger als 846 landschaftliche,
architektonische und figürliche Studien in Blei, Kreide
und Tusche.

X Das Berliner Kupferstichkabinett hat für seine
moderne Abteilung zwei Radierungen von Lovis Corinth
(männlicher Akt und »Dame am Fenster«), eine Radierung
von Paul Baum (»Weidenbäume«), zwei neue Steindrucke
von Fritz Böhle, sowie Blätter von Peter Halm, Artur Illies
und Walter Tiemann angekauft. — Ferner erwarb es eine
größere Anzahl von Menzel-Kuriosa und frühesten Arbeiten
des Künstlers. Darunter sind hundert Probeabzüge litho-
graphischer Pflanzenzeichnungen, die er mit seinem Vater
gemeinschaftlich im Sommer 1831 auf Stein gezeichnet hat,
»die sämtlichen Giftgewächse Deutschlands«; ferner die
lithographischen Fürstenbildnisse zu Kutzens Geschichte
des preußischen Staates, die der noch nicht vierzehnjährige
Knabe nach Vorlagen ausführte. Ein Unikum, eine Stern-
karte, gewinnt besonderen Wert durch Menzels Aufschrift:
»Mit ihr habe ich das erste Geld selbständig verdient.«

o Elberfeld. Dem städtischen Museum sind neuer-
dings bedeutende Zuwendungen zuteil geworden. Der
Museumsverein erwarb ein Stilleben von Otto Scholderer.
Die Beamten und Arbeiter der Farbenfabriken schenkten
die Marmorbüste des Geheimrats Dr. Duisburg von Adolf
v. Hildebrand, Dr. Duisburg selbst eine Summe von 10000 M.,
wovon bereits ein größerer Teilbetrag für die Anschaffung
eines Porträts von Hugo Freiherr v. Habermann »Dame in
dunkler Nacht« verausgabt wurde. Geh. Kommerzienrat
Jung stiftete zu vorhandenen Mitteln eine Summe von
2000 Mark zur Ermöglichung des Erwerbs sechs Mare'es-
scher Gemälde. Das ist ein prächtiger Zuwachs. Nur
wünschen wir dem so vorbildlich geleiteten Elberfelder
Museum einen Zuwachs auch an Raum. Die Gemälde,
wie sie jetzt dichtgedrängt an den Wänden hängen, schä-
digen sich gegenseitig empfindlich in ihrer Wirkung. Es
sind nicht die am stärksten besetzten Orchester, die die
beste Musik machen.

o Köln. Die Errichtung des Museums für ostasiatische
Kunst (Sammlung Adolf Fischer) ist jetzt gesichert. Zur
Förderung der Sammlung hat sich ein besonderer Verein ge-
bildet, der bezweckt, der Stadt Köln den Bau des Museums
und die Erhaltung der Sammlung zu erleichtern und diese
durch Ankauf neuer Kunstwerke zu vervollständigen. Zahl-
reiche Mitglieder mit namhaften Jahresbeiträgen in Höhe
von 15000 Mark sind bereits dem Museum beigetreten.

Der ägyptischen Abteilung der Berliner Museen
gingen zwei Statuen aus dem Anfange der 18. Dynastie
zu. Ferner wurde eine Statuette der Göttin Sechmet aus
Hämatit angekauft.
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