Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe

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Vor und mit den Denkmalpflegern tagte auch der
Band Heimatschutz. Von dieser Tagung ist nicht
allzuviel Rühmliches zu berichten. Sie war vor allem
recht mangelhaft vorbereitet. Auch hörte man nicht von
irgendwelchen Taten und Erfolgen berichten: Klagen
über schlimmeTaten der Wasserbauverwaltung in Pforz-
heim, Klagen über den drohenden Abbruch der Main-
brücke in Frankfurt a. M. — übrigens einer der guten
und anregenden Berichte dieser Tagung, Vortragender
Architekt Linnemann — Klagen aus Bremen, daß
es nicht gelungen sei, die Architekten der Staatseisen-
bahn von ihrer trostlosen Bauweise abzubringen usw.
Treffliche kurze Worte sprachen Prof. Weber aus Jena
und Prof. Konrad Lange aus Tübingen. Prof. Högg
berichtete über erfolgreiche Meisterkurse in Bremen,
Amtsrichter Dr. Bredt-Barmen über die Wirksamkeit
des Rheinischen Vereins. Es scheint, als fehle es
dem deutschen Bund Heimatschutz an einer festen
Arbeitsweise und sicheren Leitung, wie sie z. B. der
Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimat-
schutz und der Sächsische Heimatschutz aufzuweisen
haben. Hoffen wir, daß der Bund sich inzwischen
festigt und vor allem die nächste Tagung in Danzig
besser vorbereitet. So sollte es nicht weitergehen.

PAUL SCHUMANN.

NEKROLOGE

Vor einigen Monaten hatten wir gemeldet, daß sich
der sehr verdiente Direktor des österreichischen Museums
in Wien, Arthur von Scala, zur Ruhe gesetzt und in Dr.
Eduard Leisching seinen Nachfolger gefunden habe. Nun
kommt die betrübliche Kunde, daß Arthur von Scala in
Lanna bei Meran seinen langen schweren Leiden erlegen
ist. Diese Leiden hatten auch dem in früheren Jahren so
ungemein aktiven und vorwärtsstrebenden Wesen des Mannes
im letzten Zeitabschnitt eine gewisse Reserve und Zurück-
haltung beigemischt. »Das österreichische Museum verlor
plötzlich die Beachtung, die es durch ihn plötzlich gefunden
hatte«, sagt Hevesi in seinem einläßlichen, schön emp-
fundenen Nachruf im »Wiener Fremdenblatt«. — Unter
Scalas literarischen Schöpfungen soll vor allem die Zeit-
schrift »Kunst und Kunsthandwerk« genannt werden (unter
Redaktion des Regierungsrates Franz Ritter), die sich nicht
nur in Osterreich, sondern auch außerhalb seiner Grenzen
hoher Beachtung und wirklicher Wertschätzung erfreut.

-f. Albert Lugardon f. In Genf starb der am 4. Ok-
tober 1827 als Sohn des Geschichts- und Porträtmalers
Jean Leonard Lugardon geborene Alpenlandschafts- und
Tiermaler Albert Lugardon. Von. seinem Vater in die
Malerei eingeführt, lernte er ein Jahr lang in Calames
Atelier, begab sich 1849 nach Lyon, dann nach Paris, wo
er ein Jahr verweilte und einige Monate im Atelier Ary
Scheffers arbeitete. Von der Mitte der fünfziger Jahre ab
hat er so ziemlich an allen Genfer Kunstausstellungen sich
beteiligt. Gegen 1869 wandte sich Lugardon Motiven aus
den Hochalpen zu. Seine Art der Darstellung ging auf
peinlich genaue Ausführung aller Einzelheiten. Er hat sich
auch als einer der Ersten mit der Momentphotographie in
ihrer Anwendung auf die Festhaltung der Bewegungen bei
Menschen und Tieren beschäftigt. Von Lugardons Werken
befindet sich eine Reihe in Schweizer Museen.^

Der bekannte Karikaturist Ernst Juch ist am 4. Ok-
tober in Wien, wo er seit 185g lebte, im 71. Lebensjahre
gestorben. Er war am 25. April 1838 in Passau geboren.

Jahrzehntelang hat er die Ereignisse des Wiener Lebens
in seiner witzigen, satirischen, oft sehr grotesken Manier
illustriert. Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
zeichnet er für das »Reibeisen«, später für den »Figaro«.

Der Genremaler Friedrich Ortlieb, 1839 in Stuttgart
geboren, ist am 4. Oktober in München, wo er seit 1869
lebte, gestorben.

PERSONALIEN

Hans Thoma ist aus Anlaß seines 70. Geburtstages
vom Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein
zum Ehrenmitglied ernannt worden. Das Ehrendiplom ist
von Professor Wilhelm Steinhausen ausgeführt. — Die Uni-
versität Heidelberg ernannte Thoma zum Ehrendoktor.

Franz Erler, der Senior der Wiener akademischen
Bildhauer, hat am 4. Oktober in voller Frische seinen
80. Geburtstag gefeiert.

Kristiania. Zum Direktor der neugegründeten nor-
wegischen Kunstakademie wurde der Maler Christian
Krohg ernannt, der auch als Lehrer tätig sein wird. Als
Lehrkräfte wurden weiter ernannt der Maler Stroem und
der Bildhauer Utsond. Ende Oktober wird die Akademie
eröffnet.

WETTBEWERBE

X Ein Schaufenster-Wettbewerb fand Ende September
in Berlin statt, bei dem die aus Kaufleuten, Künstlern
und Kunstkritikern bestehende Jury einer Anzahl von
Firmen eine silberne Medaille und einer größeren Reihe
weiterer Geschäfte eine ehrenvolle Erwähnung zusprach.
Die Fensterdekorierungen, die bei dieser Gelegenheit zu
sehen waren, gaben einen erfreulichen Beweis für die
außerordentliche Entwicklung des Geschmacks, der sich
im Berliner Straßenbilde in jüngster Zeit bemerkbar macht.
Die Dekorateure der großen Geschäfte, aber auch vieler
kleinerer, haben immer deutlicher erkannt, wie sich der
kaufmännische Zweck der Fensterauslagen mit künstle-
rischen Prinzipien verbinden läßt. Wie sich nicht durch
Anhäufung von Waren, sondern durch sinngemäße An-
ordnung, nicht durch wirre Buntheit, sondern durch klare
Farbenzusammenstellungen plakatmäßig - anreizende und
dekorativ-fesselnde Wirkungen erzielen lassen; wie das
Sachliche, Zweckmäßige und Einfache ganz von selbst
auch ästhetische Elemente enthält, ohne daß etwa
fremde Zutaten, Blumen, Möbelstücke, Schleifchen und
Bändchen zu Hilfe genommen werden. Ein Vergleich mit
den Resultaten eines früheren ähnlichen Wettbewerbes
(im Jahre 1902) zeigte, welche Fortschritte zu verzeichnen
waren. Viel haben dafür die großen Kauf- und Waren-
häuser getan, die auch zuerst Künstler und Künstlerinnen
für das Arrangement ihrer Schaufenster heranzogen und
dadurch sehr erzieherisch gewirkt haben. Bemerkenswert
war bei der diesjährigen Berliner Konkurrenz, daß nicht
nur Geschäfte der Hauptverkehrsstraßen im alten und
neuen Westen, sondern auch Firmen in der Altstadt oder
in weit entlegenen Straßen der Peripherie sich an dem
Unternehmen beteiligten.

Für den Wettbewerb des Bismarck-Nationaldenk-
mals auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück, dessen Kosten
1800000 Mark nicht überschreiten dürfen, sind an Preisen
ausgesetzt: Ein erster Preis von 20000 Mark, zwei zweite
von je 10000 Mark, zwei dritte von je 5000 Mark und zehn
weitere von je 2000 Mark, in Summa 70000 Mark, welche
Summe auf jeden Fall verteilt werden soll. Die Einsendung
der Entwürfe muß bis 1. Juli 1910 erfolgen. Nähere Unter-
lagen sind durch Professor Dr. Max Schmid in Aachen
erhältlich.
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