Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Nekrologe — Personalien

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Geschäft, weil Rembrandt immer teuer sein muß, wäre
der Tausch ein guter gewesen. Aber etwas mehr Geld
und wir finden einen Rembrandt, der besser paßt für den
Raum, den wir haben.« Kurz nachher findet er einen, die
Tochter des Herodes, der angekauft wird. (Notabene, das
jetzt dem Karel Fabritius zugeschriebene Bild im Rijks-
Museum, jedenfalls kein Rembrandt!)

Wir sehen genau in diesem Buch, wie die Sammlung
zusammengebracht wurde, bis sie im Trippenhuis geworden
war, was wir älteren Kunstfreunde noch vor ca. 25 Jahren
dort haben hängen sehen.

Es würde zu weit führen, diesem Werdegang zu
folgen. Aber ich will doch noch einige Fragmente anführen.
Der Stifter des Rotterdamer Museums, Boymans, kommt
sehr schlecht weg. 1798 schreibt der Kunsthändler Thys:
»Boymans aus Utrecht ist hier; ich habe ihm einen kleinen
Wynanls verkauft« usw. . . . 1799: »Boymans hat hier
(Rotterdam) eine Menge Schund gekauft, ich glaubte er
verstünde mehr von Kunst; er hat alle kleinen Händler
besucht, denn er glaubte, dort verborgene Schätze aus-
graben zu können. Ich habe abgelehnt, diese Stücke aus-
zubessern, dabei kann ich keine Ehren holen, jetzt ist er
damit nach Paris . . .« 1802: »Boymans ist hier, hat für
lumpige Bilder 25 bis 30 Gulden das Stück bezahlt, ich
habe seinen kleinen Hobberna restauriert . . . Der Mann
räsoniert und bestimmt alle großen Meister und kauft
nur Sachen, die niemand haben will . . .< 1797 schreibt
Thys an den berühmten Sammler van der Pot: »Herr van
der Pals schreibt mir, daß sein Ruisdael ein ,lügübres'
Bild geblieben ist, ich habe getan was ich konnte, aber es
ist so gemalt wegen des einsamen Gegenstandes, hätte
ich es heller machen müssen, so hätte ich es ganz über-
malen müssen und dann wäre der Ruisdael weg! Ich werde
in Holland den Namen besser darauf setzen, hier habe ich
kein gutes Exemplar zur Hand ! .'«

Ein anderes Mal schreibt er wieder: »Hier logiert Rege-
morter von Antwerpen, der fabriziert Ruisdaels, Pynackers,
Boths usw. Bald werden wir einem Assortiment dieser
großen Meister begegnen; ihre Namen weiß er ausgezeichnet
auf seine übermalten Bilder zu setzen; schade, daß ehrliche
Leute damit betrogen werden.«

Von dem Kunsthändler Marneffe heißt es (1797): »Er
hat immer eine Menge Bilder von Cuyp, aber unter uns
ist der Erzeuger van Stry, also gibt es jetzt eine Fabrik
von Cuyps, wie es seinerzeit eine von Potters gab . . .«

Auch für die Preise, welche man damals zahlte, ist
dieses Buch lehrreich und interessant. Ich tat nur einen
Griff hinein; es wird gewiß viele Leser finden.

A. BREDIUS.

NEKROLOGE

In Peter Severin Kroyer, der am 21. November in
Skagen gestorben ist, hat die dänische Malerei ihren im
Ausland berühmtesten Repräsentanten und eines ihrer
größten Talente verloren. Die glückliche, blendende,
strömende Leichtigkeit seines Schaffens, die temperament-
volle Meisterschaft und die weltmännische Eleganz seines
Vortrags haben Kroyer diese überwiegende Stellung ge-
geben, die vielleicht gegenüber manchem tieferen und be-
deutenderen Künstler Dänemarks eine gewisse Ungerechtig-
keit ausdrückt. Denn Kroyer war keiner von den ganz
Starken, Eigenen. »Auf der Oberfläche seiner Kunst etwas
von einem Genie; in ihrem Grunde etwas von einem Kinde.
Daher ist der Boden seiner Kunst so vortrefflich reine und
echte Naivetät; aber daher hat sie auch keine besondere
Tiefe.« (Dieser treffende Satz steht in einem Aufsatz Emil
Hannovers im 4. Bande der »Meister der Farbe«). — Ge-

boren ward Kroyer am 24. Juni 1851 in Stavanger. Früh
kam er nach Kopenhagen, und schon mit 20 Jahren schuf
er ein Aufsehen erregendes Bild »Die Fischer im Hafen
von Hornbaek«. Dann ging er nach Paris, arbeitete bei
Bonnat und erreichte 1882 mit einem Gemälde »Italienische
Hutmacher« seinen ersten Höhepunkt. Das Bild machte
im Norden viel Skandal wegen seines Realismus. Bei
dieser Art, die an Courbet gemahnte, blieb aber Kroyer
nicht lange stehen. Er wurde ein Meister der Lichtpro-
bleme und ein Allumfasser jedes Gebietes der Malerei:
das Gesellschaftsbild, das Porträt, das Meer, Menschen
am Strande, Szenen aus Italien, Genrebilder, ja selbst
Blumenstücke schuf seine Hand. In der Ny Carlsberg-
Glyptothek und in der Sammlung des Herrn Hirschsprung
in Kopenhagen kann man sein Werk am allerschönsten
studieren. Das Gruppenbild einer Sitzung des Komitees
für die Internationale Kunstausstellung in Kopenhagen,
Die badenden Kinder, Die Fischer von Skagen und Der
Meister mit seiner Frau am Strande ragen wohl unier der
großen Zahl von Kroyers Bildern als die berühmtesten
hervor.

Der norwegische Maler Professor Otto Sinding ist
am 23. November in München gestorben. Sinding war
am 16. Dezember 1842 geboren, ein Schüler von Eckers-
berg in Christiania, Gude, Riefstahl und von Piloty. In
München wurde er schließlich ansässig. Seine kleinen
sympathischen Bildchen gaben die Landschaft seiner Heimat
mit einem gewissen angenehmen Geschmack, der diese
Bilder auf dem Kunstmarkte sehr begehrt machte. Der
Musiker und der Bildhauer Sinding sind seine Brüder.

PERSONALIEN

Aus Anlaß der Ausstellung für christliche Kunst
in Düsseldorf erhielten die große goldene Medaille für
Kunst die Maler Prof. Fritz von Ühde (München) und
Joakim Skovgard (Kopenhagen), sowie der Maler, Bildhauer
und Architekt Henry Wilson (Borough-Green, England).
Die goldene Medaille für Kunst wurde dem Bildhauer Prof.
Georg Wrba (Dresden) und dem Architekten Prof. Wilhelm
Kreis (Düsseldorf) verliehen.

□ Professor Pankok beabsichtigt die Leitung der
Stuttgarter Lehr- und Versuchswerkstätten aufzugeben, um
sich ganz der künstlerischen Tätigkeit zu widmen. Hier-
gegen wird niemand etwas einwenden. Wohl aber lassen
sich Einwände erheben gegen die von Freunden Pankoks
versuchte Motivierung dieses aus rein künstlerischen Gründen
erfolgten und lange erwogenen Entschlusses. Man sucht
Pankok zum Opfer angeblicher Intrigen Theodor Fischers
zu stempeln. Pankok war vor etwa zwei Jahren einer der
ersten, die mit Entschiedenheit für die schon lange von
Carlos Grethe und anderen propagierte Idee eines Stutt-
garter Künstlerhauses und Ausstellungsgebäudes eintraten.
Für die Ausführung des Gedankens konnte indes natürlich
kein Kunstgewerbler, sondern nur ein Architekt in Frage
kommen. Die Wahl Fischers ist der eigensten Initiative
des Königs zu danken. Als das Gerücht in die Öffentlich-
keit drang, daß auch Pankok in Verbindung mit einem
Architekten privat Pläne für das Künstlerhaus gefertigt
habe, war es Fischer, der sich aus freien Stücken dem
Wettbewerb mit Pankok aussetzte. Indes wurde Fischers
Entwurf von den zur Entscheidung berufenen Stellen be-
vorzugt. Nicht nur diese eine Niederlage, sondern das
— allerdings kaum berechtigte — Gefühl, in Stuttgart nicht
nach Gebühr geschätzt zu sein, mögen Pankoks Ent-
schließung mit beeinflußt haben. Ausschlaggebend, so
wie es gegenwärtig hingestellt wird, dürften sie kaum ge-
wesen sein.
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