Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Personalien — Denkmalpflege — Ausstellungen

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PERSONALIEN

Karl Woermann, der bisherige Direktor der Dresdner
Gemäldegalerie, ist am 1. April in den Ruhestand getreten.
Eine Reihe von Abschiedsfeiern bewies dem Scheidenden,
wieviel Hochschätzung und Zuneigung er sich in den 27 Jah-
ren seiner Amtsführung erworben hat. Am 17. März feierte
ihn die Dresdner Kunstgenossenschaft durch ein Festmahl,
an dem eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten,
Vertreter der Regierung usw. teilnahmen. Der Vorsitzende,
Maler Walther Witting, feierte Woermanns Verdienste
um die Galerie und um die Kunstwissenschaft; er betonte
namentlich, daß Woermann nie auf eine Partei geschworen,
daß er nie nach der Richtung gefragt, sondern das Gute
genommen habe, woher es kam. Weiter feierte die Zunft
Karl Woermann durch einen Abend, der an Geist, Witz
und künstlerischem Humor eine endlose Fülle bot. Die
warmherzig anerkennende Festrede hielt Cornelius Gurlitt.
Sodann veranstalteten die Generaldirektion der Kgl. Samm-
lungen für Kunst und Wissenschaft und der Akademische
Rat am 31. März ein Festmahl, an dem mehrere Minister,
die Mitglieder der einladenden Körperschaften, die Be-
amten der Kgl. Sammlungen und Vertreter der Galerie-
kommission sowie der Künstlervereine teilnahmen. Seine
Königliche Hoheit Prinz Johann Georg als Kurator der
Kunstakademien und Ehrenvorsitzender der Galeriekom-
mission widmete Woermann warme Worte der Anerkennung,
seine Berufung aus Düsseldorf an die Spitze der Galerie
habe eine ganz neue Periode für diese bedeutet, weil er
der erste Kunsthistoriker an der Spitze der Sammlung
war; sein wissenschaftlicher Katalog habe allgemeine An-
erkennung gefunden; er habe den Bestand der Galerie
durch hervorragende Werke vermehrt; unter seiner Leitung
sei die moderne Richtung in Sempers Bau eingezogen —
Böcklin, Klinger, Uhde, Thoma, Puvis de Chavanne,
Courbet, Monet — sein Urteil habe dem Kunstleben unse-
res Staates oft zum Segen gereicht; er hoffe, daß man in
wichtigen Kunstangelegenheiten Woermanns Stimme auch
fernerhin in Dresden noch hören und vor allem bald seine
weit ausblickende Kunstgeschichte aller Völker und aller
Länder vollenden können werde. Nachdem Prinz Johann
Georg den Dank der Galeriekommission, des Akademischen
Rates, der Künstlerschaft und weiter Kreise des kunst-
liebenden und kunstkennenden Publikums ausgesprochen
hatte, teilte er noch mit, daß Se. Majestät der König
Karl Woermann den Titel und Rang eines Geheimen
Rates verliehen habe. Ebenso widmete der Vorsitzende
der Generaldirektion der Königlichen Sammlungen Staats-
minister Dr. v. Rüger, Exz., der Tätigkeit Woermanns
warme Worte der Anerkennung. Endlich ist noch zu er-
wähnen, daß ein Kreis von Freunden Karl Woermann als
besonderes Zeichen der Liebe und Verehrung für ihn von
dem Dresdner Bildhauer Walter Sintenis eine bronzene
Büste Woermanns hat herstellen lassen, die auf dem ersten
Absatz der großen, zur Gemäldegalerie emporführenden
Treppe aufgestellt worden ist. »Dort wird sie alle Be-
sucher der Galerie an die großen Verdienste erinnern,
die sich Woermann um die wissenschaftliche Ordnung
und die planvolle, zielbewußte Vermehrung und Ausge-
staltung der berühmten Sammlung erworben hat«. Eine
Urkunde über diese Ehrung überreichte dem Gefeierten
am zweiten Osterfeiertage der Senior der Freunde Kom-
merzienrat Pilz. cot

+ München. Der seit dem Jahre 1869 als Lehrer an
der Münchener Akademie der bildenden Künste tätige Maler
Prof. Alexander v. Wagner wurde auf sein Ansuchen
unter Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistungen
in dauernden Ruhestand versetzt und ihm bei dieser Ge-

legenheit das Komturkreuz des Verdienstordens der baye-
rischen Krone verliehen.

Wien. Der Privatdozent für allgemeine Kunstgeschichte
an der Technischen Hochschule, Dr. Hermann Egger,
hat den Titel eines außerordentlichen Professors erhalten.

-|- Nürnberg. Der Professor an der kgl. Kunstgewerbe-
schule Konradin Walther wurde auf sein Ansuchen
wegen nachgewiesener Dienstunfähigkeit unter Anerkennung
seiner Dienstleistung in den dauernden Ruhestand versetzt.
Zum Professor für Ornamentik und dekorativen Bauschmuck
wurde an seiner Stelle der Münchener Bildhauer Philipp
Widmer ernannt.

DENKMALPFLEGE

Der nächste Tag für Denkmalspflege wird Ende
September in Danzig stattfinden mit folgendem Programm:
28. September: Begrüßungsabend im Artushof, am 2g. und
30. September: Sitzungen mit daran anstoßender Besichti-
gung der alten Hansestadt, des'Klosters Oliva usw. Am
1. Oktober Ausflug nach Marienburg, wo Herr Geh. Ober-
baurat Steinbrecht selbst die Führung übernehmen wird.
Als Referenten und Redner sind in Aussicht genommen:
Professor Conrad Länge-Tübingen, Regierungsrat Blunck-
Berlin, LandesbauratGoecke-Berlin, Konservator Gradmann-
Stuttgart, Generalkonservator Häger-München, Professor
Dragendorff-Frankfurt a. M., Professor Walbe-Darmstadt
und Baurat Tornow-Metz. Das Programm mit der defini-
tiven Tagesordnung wird erst in einigen Wochen zur Ver-
sendung und Veröffentlichung gelangen.

AUSSTELLUNGEN

-f- München. Die moderne Galerie (Thannhauser) ver-
anstaltet Ende April eine Ausstellung von Werken Ed.
Manets (Sammlung Pellerin).

Die kultur- und kunstgeschichtliche Abteilung der
Japanisch-Englischen Ausstellung in London (Mai
bis Oktober d. J.) wird nach den Nachrichten japanischer
Zeitungen selbst den unvergeßlichen Pavillon Imperial in
der Pariser Ausstellung von 1900 in den Schatten stellen.
Außer dem Ministerium des kaiserlichen Hauses, den kaiser-
lichen Museen und den größten Tempeln werden sich auch
die früheren Feudalfürsten und die hervorragendsten Privat-
sammler beteiligen, unter anderen Herr Wada Tsunashirö,
dessen Sammlung von Schwertzieraten in Japan hohen Ruf
genießt. Eine Liste der nach London gesandten »Kokuhö«,
d. h. für »Nationalheiligtümer« erklärten Tempelschätze,
geben wir im folgenden nach der Zeitschrift Kökokwai,
dem Organ der Archäologischen Gesellschaft in Tokyo,
mit einigen Bemerkungen zur Information der deutschen
Besucher der Ausstellung.

Qemälde. Die 25 Bodhisattva, ein feines Werk des
13. Jahrhunderts im Tempel Jöfukuji, Kyoto. 2 Kakemono. —
Porträt des Prinzen Shötoku Taishi (572—621), des größten
Förderers des Buddhismus in Japan, im Tempel Ninnaji
bei Kyoto, eines der schönsten Gemälde des 13. Jahr-
hunderts, früher zu Unrecht Kose no Kanaoka (9. Jahr-
hundert) zugeschrieben. — Nirwana des Buddha im Chionji,
Kyoto, mir nicht in Erinnerung. — Miioku Bosatsu (Bodhi-
sattva Maitreya), ein prachtvolles Werk wohl des 12. Jahr-
hunderts, im Tempel Hözanji bei Nara, Prov. Yamato. —
Die »zehn Welten« (Jukai), eine Kakemonoserie, die früher
Kose no Hirotaka (10. Jahrhundert) zugewiesen wurde,
aber dem 13. Jahrhundert angehört, von größtem künstleri-
schen und gegenständlichen Interesse, im Tempel Raigöji,
Prov. Omi. — Yakushi mit den zwölf »göttlichen Feldherrn'
im Tempel Ochiin, Köyasan, Prov. Wakayama. Um 1200.
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